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ept-Chef Thomas Guglhör (rechts) ist mit der überwiegenden Zahl der Mitarbeiter per Sie, mit Wolfgang Schmid (links) duzt er sich allerdings schon viele Jahre.

Neue Lockerheit deutscher Spitzenmanager im Raum Schongau nicht die Regel

Du, Chef... nicht generell erwünscht

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Schongau - Betonte Lässigkeit oder nur vorübergehende Charme-Offensive: In den Machtzentralen deutscher Konzerne geht es immer lockerer zu. Hier wird die Krawatte weggelassen, dort bietet ein Vorstandschef seinen Mitarbeitern das Du an. Im Altlandkreis Schongau ist das Echo geteilt.

Für den Chef der Schongauer Kreissparkasse, Alexander Schmitz, ist in erster Linie ein persönlicher, wertschätzender Kontakt wichtig. „Der sollte offen und vertrauensvoll sein. Ich denke, dass man das auch per Sie kann.“ Vorrangig sei für ihn ein echtes Interesse an seinem Gegenüber sowie die Fähigkeit, zuhören zu können. In der Sparkasse versuche man, eine flache Hierarchie zu leben. „Das heißt für uns auch, dass wir uns Zeit nehmen, wenn ein Mitarbeiter mit einem Anliegen zu uns kommt.“

Dennoch gibt es einige Kollegen, mit denen auch Schmitz per Du ist. Dies ist für ihn allerdings kein Qualitätsmerkmal, „zumal ich erst einige Jahre da bin“. Was die Kleiderordnung im Haus angeht, möchte er „der Erwartungshaltung der Kunden gerecht werden“. Dazu gehöre auch ein gepflegtes Erscheinungsbild und bei den männlichen Mitarbeitern die Krawatte. „Aber das wissen die Kollegen alle, das muss nicht extra betont werden.“

Für Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg hingegen ist das Du inspektionsintern die gängige Umgangsform. Das liege aber daran, dass er viele Kollegen schon vor langer Zeit kennengelernt habe, als er mit ihnen bei der Inspektion und der Direktion Weilheim gearbeitet hat. Unproblematisch ist das Du auch deshalb für ihn, „weil es meiner Ansicht nach absolut nichts mit Autorität zu tun hat“. Und diese Autorität sei in der Inspektion gegeben, „ich werde auch per Du als Chef akzeptiert“. Der Zusammenhalt sei deshalb keinen Deut schlechter.

Hirschvogel-Chef Alfons Hätscher unterdessen hält an gängigen Strukturen fest. „In der Geschäftsführung duzen wir uns, aber mit den meisten Mitarbeitern bin ich per Sie.“ Dies habe allerdings nichts mit fehlendem Vertrauen oder mangelnder Nähe zu tun. Hätscher ist überzeugt, „dass man durchaus Nähe zulassen kann, ohne dabei gleich ins Kumpelhafte abgleiten zu müssen“. Wichtig sei ihm, „dass die Türen für meine Mitarbeiter jederzeit offen stehen“. Eine Anweisung, wie man sich hausintern anzusprechen habe, gebe es bei Hirschvogel allerdings nicht.

Zur Charme-Offensive der Manager hat Hätscher eine ganz eigene Meinung. „Das muss jeder für sich entscheiden. Wenn es authentisch ist, ist ein lockerer Ton sicher möglich, aber nicht, wenn es aufgesetzt wird.“

Peitings ept-Firmenchef Thomas Guglhör sieht in der Charme-Offensive großer Konzerne durchaus Methode, hält sie für gewollt. „Ich denke, dass das sehr wohl überlegt ist.“ Unternehmen wie BMW beispielsweise versuchten, ihr Image zu verändern, um gezielt mehr junge Menschen anzusprechen. „Wir hingegen sind Zulieferer für die Automobilindustrie, da gelten naturgemäß andere Regeln.“ Und so hält Guglhör es durchaus eine Spur konservativer, wenngleich auch er gegenüber den Mitarbeitern offen auftritt. „Es passiert schon öfter mal, dass die mich mit Servus ansprechen, geduzt wurde ich allerdings noch nicht.“ Und er glaubt, dass damit auch Wertschätzung und Respekt zum Ausdruck kommen.

Das ist bei Mitarbeitern, die er schon seit vielen Jahren kennt, allerdings etwas anders. „Mit vielen bin ich auch aus dem privaten Umfeld bereits bekannt, da ist das Du nur logisch.“

Worauf er den neuen, lockeren Umgangston zurückführt? „Der ist aus den USA herübergeschwappt – mit Personen wie dem mittlerweile verstorbenen Steve Jobs.“ Da wollten Manager jung und modern rüberkommen. Weiterer Grund. „Als älter werdender Chef hat man zunehmend jüngere Beschäftigte, mit denen man die richtige Verbindung aufnehmen will.“

In der Schongauer Schreinerei von Martin Schwarz wird derweil weitgehend geduzt. „Meinen Vater, den Senior-Chef, siezen außer mir alle, aber mich duzen auch viele Lehrlinge.“ In den vergangenen beiden Jahren habe er allerdings bemerkt, „dass neue Lehrlinge mich wieder siezen“. Und das lasse er dann auch so. „Mir ist in erster Linie wichtig, dass die Leistung stimmt“, sagt Schwarz. Ab und an müsse er ein paar Jüngere aber auch schon mal bremsen. „Die denken, dass sie sich aufgrund des Du mehr rausnehmen können. Da muss man dann gleich gegensteuern."

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