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Seinen zweiten Kriminalroman hat der gebürtige Schongauer Franz Dobler veröffentlicht.

Neuer Kriminalroman des gebürtigen Schongauers Franz Dobler

„Ich bin nicht der, für den Sie mich halten“

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Schongau - „Ich war mal aushilfsweise Polizeireporter bei einem Provinzblatt.“ Franz Dobler sitzt qualmend auf einer Dachterrasse und lästert über seinen vierwöchigen Ferienjob bei den Schongauer Nachrichten. So startet das Filmporträt über den gebürtigen Schongauer, der gerade seinen zweiten Krimi veröffentlichte.

„Kümmere dich nicht darum, was deine Mutter von deiner Sprache hält.“ Dieses Zitat von Elmore Leonard stellt Franz Dobler seinem neuen Kriminalroman „Ein Schlag ins Gesicht“ vorweg, der jetzt im Tropen-Verlag erschienen ist. Der 1959 in Schongau gebürtige Autor, Journalist und DJ muss sich offensichtlich wirklich um nichts scheren. Während der erste Band um den kauzigen Polizisten Robert Fallner, „Ein Bulle im Zug“, mit dem Deuschen Krimipreis 2015 ausgezeichnet wurde, war auch der neue Fall rasch vorne bei den Krimi-Empfehlungen mit dabei.

Einen Schlag ins Gesicht musste Doblers Held privat wie beruflich hinnehmen – Frau weg, Job weg. Er ist nun ein gestrandeter und nicht wenig frustrierter Ex-Bulle. Ganz klar, dass er ausgerechnet von seinem geliebt-verhassten Bruder, der eine Sicherheitsfirma hat, seinen nächsten Auftrag bekommt. Er soll sich um ein gealtertes Porno-Sternchen kümmern, die einst in „Die Satansmädels von Titting“ glänzte und hinter der jetzt, nach vielen Jahren abseits der funkelnden Milchstraße, plötzlich ein Stalker her ist, den die ach so grandiose Sicherheitsfirma des großen Bruders bisher nicht zu fassen kriegte.

„Ich hatte ewig keinen Fall, bei dem so wenig passiert ist“, lässt der Autor seine Hauptfigur resümieren. Dass bei der Handlung nichts Schlag auf Schlag geht, sondern eher nichts bis wenig passiert, muss den Leser ja nicht stören. „Ich bin nicht der, für den Sie mich halten“, sagt Fallner auf Seite 200 zu einer Journalistin. Mag stimmen. Und vielleicht auch auf den Autor selbst zutreffen. Er spielt mit dem Leser ebenso wie mit Sprache und Textgestaltung. Wörter schlägt er hin und her wie einen Pingpong-Ball. Und haut dabei teilweise ganz schön fest drauf. Die Derbheit spitzelt dabei nicht nur vorsichtig ums Eck, sondern kommt ganz ungeniert dahergepoltert – das kann man mögen. Muss aber nicht.

„Ich lese Deine Zeilen immer wieder. Warum nur, warum nur?“ Roy Black hat es so gesungen in seinem Schnulzen-Titel „Wie ein Schlag ins Gesicht“, bei Dobler läuft er in der Silvesternacht in der Musikbox im Bertls Eck. Also warum weiterlesen? Wegen solcher Sätze: „Die Zeit hielt den Atem an – und am anderen Ende der Galaxie ertönte ein heller Glockenschlag.“ Und wunderbar verwobener Einschübe, die sich durchs ganze Buch ziehen. „Kann man das so sagen?“

Ohne Musik geht es bei Dobler nicht. Natürlich kommt auch Johnny Cash zu Wort. „Restless by day and by night rants and rages at the stars, God help the beast in me“ (Ruhelos am Tag und in der Nacht, Wütet und zürnt den Sternen, Gott hilf dem Biest in mir). Dobler bringt damit auch seine Cash-Biographie in Erinnerung, die 2004 unter dem Titel „The Beast in Me“ erschien. Zuletzt hatte Dobler in der Region im Frühjahr gemeinsam mit Wolfgang Petters einen Abend mit Musik und Lesung gestaltet, und zwar in Landsberg zum Ende der Johnny-Cash-Ausstellung. 2014 veröffentlichte er „The Boy Named Sue – aus den Memoiren eines zerstreuten Musikliebhabers“.

Mit Musik stolperte er auch ins Autorenleben – bei den Schongauer Nachrichten im Sommer 1978. Damals startete eine Jazz-Konzertreihe. Elvin Jones, Schlagzeuger von John Coltrane, gab in Schongau ein Gastspiel. Franz Dobler berichtete für die SN, bis der damalige Chefredakteur einen Beitrag über den südafrikanischen Pianisten Abdullah Ibrahim zensierte. Darüber ärgerte sich Dobler damals derart, dass er den SN seine Mitarbeit aufkündigte. Ohnehin war er bereits nach München gezogen, wo er seit seinem abgebrochenen Studium als freier Autor tätig war. Heute lebt der 57-Jährige in Augsburg. Und ärgert sich nicht mehr, wie er betont. Die Schwester samt Familie wohnt noch immer in Schongau. Vielleicht kommt auch er für eine Lesung zurück. Er hatte erst dieser Tage eine Anfrage für einen Auftritt im Rahmen von Literatur im Pfaffenwinkel 2017.


Info:
 Das Filmporträt unter http://dbate.de/videos/standing-ein-portrait-des-schriftstellers-franz-dobler/.

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