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Ein imposantes Bild boten die 60 Musiker der Schongauer Stadtkapelle bei ihren beiden Frühjahrskonzerten in der ausverkauften Lechsporthalle (Bild links). Und diesem optischen Eindruck entsprachen auch die musikalischen Darbietungen unter der Leitung von Marcus Graf.

Frühjahrskonzerte der stadtkapelle schongau

Im Wettstreit mit den eigenen Blechbläsern

Schongau - Gefahren über Gefahren lauerten in Schongaus Lechsporthalle: Die Hölle eines Dschungels, wilde Flüge mit Drachen und eine multikulturelle Auseinandersetzung in New York waren noch harmlose Begegnungen, mit denen Schongaus Stadtkapelle bei ihren traditionellen Frühjahrskonzerten zu kämpfen hatte.

Musiker und Zuhörer in heller Aufregung: Als die Feuerwehrsirene in alarmierender Lautstärke ertönte, und die Musiker, quasi zur Überbrückung der unsicheren Lage, einen Marsch spielen mussten, war die Spannung bei den Zuhörern buchstäblich greifbar. Schongaus Stadtkapelle gab ihr traditionelles Frühjahrskonzert – und das hatte es in sich!

Schongaus Stadtkapelle ist eine Klasse für sich. Sie bewegt sich musikalisch auf außerordentlich hohem Niveau, glänzt mit einer bewundernswerten Konzentration der Mitwirkenden und besticht mit einer hervorragenden rhythmischen Exaktheit. Mit diesem Rüstzeug kann Marcus Graf als musikalischer Leiter und Dirigent zu Stücken greifen, die nicht so viele Blaskapellen wählen würden, weil sie schlicht und ergreifend zu schwierig wären.

Exakter Rhythmus ist Herzensangelegenheit

Graf hat seine Truppe nun schon seit 20 Jahren fest im Griff. Und man merkt den Zusammenhalt der Kapelle. Hier sitzt jeder Ton, Synkopen sind eine Leichtigkeit, und exakter Rhythmus eine Herzensangelegenheit. Natürlich passt es dann, dass die Stadtkapelle gerade mit dem „Einzug der Gladiatoren“, einem Triumphmarsch von Julius Fucik, ihr Konzert beginnt. Allein schon durch die stattliche Anzahl von 60 Musikern kommt ein gewaltiges Klangvolumen auf. Und Graf nutzt bei der Auswahl der Stücke auch die Tatsache einer großen Besetzung und macht sie sich zu Nutzen.

Zweimal ausverkauftes Haus beweist, wie begeistert die Besucher die Konzerte der Schongauer Stadtkapelle aufnehmen. Wie gewohnt souverän führte Flötistin Kathrin Beckstein durch das Programm, das abwechslungsreich, interessant und auch mit einer kleinen Showeinlage gewürzt war. Im „Jungle“ von Thomas Doss hörte man nicht nur Elefanten, das exotische Zwitschern der Vögel und das leise Plätschern eines Wasserfalls. Schongaus Musiker verwandelten sich in einen Eingeborenenstamm und sangen kräftig. In „Bessarabyanke“, einem traditionellen Stück, kam man in den Genuss von typisch jüdischer Klezmermusik. Und die Stadtkapelle trat im „Concerto.blecho.Grosso“ von Frotz Neuböck in einen musikalischen Wettstreit mit ihrer eigenen Blechbläsergruppe – eine viel umjubelte Aktion vor der Pause.

Sozusagen als Wachwechsel trat dann Schongaus Jugendkapelle auf. Man hört bei dem Spiel der jungen frischen Gruppe sofort ihren Leiter Marcus Graf heraus. Denn auch hier steht Exaktheit und Konzentration im Vordergrund. Und auch die Spielfreude der Mitwirkenden ist spürbar. „Das habt Ihr nun davon“, lachte Jungmoderatorin Clara Eichelberg, als nach drei schwungvollen Stücken eine Zugabe gefordert wurde.

Mit der Stadtkapelle flogen die Zuhörer dann mit einem Drachen zur Filmmusik zu „Drachenzähmen leicht gemacht“ in ein Phantasieland der Wikinger, erlebten musikalisch die Tragik der Liebesgeschichte der „West Side Story“ von Leonhard Bernstein und freuten sich über die „Aha-Polka“ von Nick Loris. Ein Stück, das die Stadtkapelle einfach so aus Spaß ihrem Vorsitzenden Michael Horn widmete.

Na logisch gab es Zugaben

Und dann wurde es hektisch, denn die Feuerwehrsirene ertönte, Blaulicht leuchtete auf, und herein rannten Schongaus Feuerwehrmänner. Dass die nicht nur gut löschen, sondern auch hervorragend singen können, bewiesen die Männer und Frauen dem jubelnden Publikum beim „Feuerwehr Marsch“ von Peter Fröhlich.

Beim letzten Stück, „Amazing Grace“, zog Graf noch einmal alle Register. Mal als Swing, als Walzer oder im Cha-Cha-Cha-Rhythmus, erklang das bekannte Lied.

Ob es Zugaben gab? Und ob! Wer bei diesem Konzert keine forderte, war fehl am Platz.

Regina Wahl-Geiger

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