Stadt Schongau: Personalkosten steigen weiter

Mehr Fachkräfte, weniger Arbeiter - und höhere Ausgaben

Schongau - Mit knapp 6,2 Millionen Euro Ausgaben muss die Stadt Schongau heuer bei den Personalkosten rechnen. Vor fünf Jahren waren es „nur“ 4,8 Millionen Euro. Über diesen rapiden Anstieg zeigten sich zuletzt auch einige Stadträte überrascht – und es wurden kritische Stimmen laut.

„Jedem muss klar sein, dass die Personalkosten auch weiterhin steigen werden – ohne dass man dagegen etwas tun kann“, spricht Bernd Liebermann, der geschäftsleitende Beamte im Schongauer Rathaus, Klartext. Dieser Anstieg sei in erster Linie auf die tariflichen Lohnerhöhungen und in Teilbereichen auf eine Personalmehrung zurückzuführen.

Personalmehrung? Nein, es handelt sich eher um eine Personalverschiebung. Im Jahr 2008 lag der Personalstand (ohne die Mitarbeiter der Stadtwerke) noch bei 107, und jetzt – im Jahr 2016 – bei 106. „Bei den unteren Lohngruppen ist etwas zurückgefahren worden, man hat also im Arbeiterbereich etwas reduziert, dafür ist das Fachpersonal aufgestockt worden“, so die Erklärung von Liebermann. Konkret nennt er den neuen Posten des Wirtschaftsförders, eine zusätzliche Stelle im Bauamt, eine halbe Stelle mehr im Jugendzentrum und eine zusätzliche Kraft im Integrationsbereich des Kindergartens Luftballon in Schongau.

Der aktuelle Personalstand bei der Stadt Schongau umfasst derzeit (einschließlich der Stadtwerke) zehn Beamte und 135 Tarifbeschäftigte.

„Unsere Personaldecke ist auf Kante genäht“, stellt Liebermann klipp und klar fest. Und er sagt ganz deutlich: Er kenne bei der Stadt keinen Mitarbeiter, der Zeit zum Däumchen drehen oder zum Zeitungslesen wärend der Dienstzeit habe. Im Gegenteil, die Belastung steige: „Die Aufgabenfülle ist mehr geworden, weil auch das Stadtgebiet größer geworden ist“, rechnet der geschäftsleitende Beamte vor. Und er stellt unmissverständlich fest: „Wenn man die Personalkosten senken will, dann muss man Personal entlassen!“.

Noch eine Option: Die Stadt zieht sich von allen freiwilligen Leistungen zurück, dann könnte man laut Einschätzung von Liebermann zusammengerechnet drei Stellen einsparen. Dann würden aber vermutlich schnell die Vereine protestieren.

Man könnte – so Liebermann weiter – Leistungen auch an externe Unternehmen übertragen, um weiteres Personal zu sparen, „aber das wäre nur eine Kostenverlagerung“, ergänzt Liebermann.

Fest steht: Allein durch Tariferhöhungen sind die Personalkosten in den vergangenen fünf Jahren um über zehn Prozent angestiegen.

Wer in der Personal-Statistik nachblättert, dem fällt auf, dass die Personalkosten vor fünf Jahren kurzeitig sogar mal gefallen sind (von 5,2 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 4,8 Millionen Euro im Jahr 2011). Auch dafür hat Bernd Liebermann eine plausible Erklärung. „Damals hatten wir mehrere Altersteilzeitfälle, es mussten deshalb einige Stellen doppelt besetzt werden“, so die Begründung.

Dem CSU-Fraktionssprecher Michael Eberle ist aber noch etwas anderes aufgestoßen: die Personalkostenmehrung um 60 000 Euro beim städtischen Bauhof in Schongau.

„Eine Personalmehrung gibt es bei uns nicht“, stellt Bauhof-Leiter Johann Eurisch vorweg schon mal klar. Derzeit seien im Bauhof 16 Mitarbeiter (einschließlich Reinigungsfrauen) beschäftigt. Inwieweit bei den 60 000 Euro Mehrkosten tarifliche Erhöhungen zu Buche schlagen, entziehe sich seiner Kenntnis.

PS: Laut Finanzplanung von Stadtkämmerer Werner Hefele ist bei den Personalkosten der Stadt Schongau das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Für das Jahr 2017 rechnet er sogar mit Ausgaben von 6,5 Millionen Euro.

Boris Forstner

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