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Das erste Mal auf der Schongauer Kanzel: Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes.

Amtseinführung von Lydie Nicoly Menezes

Eine Pfarrerin für Schongau, die sich zu wehren weiß

Schongau - Die evangelische Dreifaltigkeitskirche war mit leuchtenden Sonnenblumen geschmückt und bis auf den letzten Platz gefüllt. Das große Interesse galt der neuen Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes, die von Dekan Axel Piper in ihr neues Amt eingeführt wurde.

Ihr Markenzeichen ist ein strahlendes Lächeln, vor dem sogar die Sonnenblumen verblassten und das die mit einem Brasilianer verheiratete 43-jährige Mutter dreier Kinder betont jugendlich wirken lässt. Dabei hat sie laut Axel Piper schon viele bedeutende Stationen in ihrem Leben hinter sich gebracht. Neben Theologie studierte sie Erziehungswissenschaften, Psychologie und Soziologie, machte ihren Master in Entwicklungszusammenarbeit in Zürich und ist Trainerin für interkulturelle Kommunikation.

Nach Auslandspraktika in Lateinamerika, Afrika und Asien absolvierte Lydie Nicoly Menezes ein Gastvikariat in Baden-Württemberg, arbeitete im Ökumenereferat des Landeskirchenamts in München und war zuletzt persönliche Referentin für den Oberkirchenrat in Augsburg.

Ihre Amtseinführung in Schongau lasse „den Blick freudig und hoffnungsvoll in die Zukunft richten“, so Axel Piper. Lydie Nicoly Menezes legte er ans Herz, in Schongau erst einmal kräftig auf die Bremse zu drücken. „Es muss nicht alles sofort und an einem Tag geregelt sein“, so Axel Piper, der an den verstorbenen Pfarrer Hartmuth Stamm erinnerte und betonte, dieser hätte seine neue Kollegin schon richtig ins Herz geschlossen gehabt.

„Uns allen wünsche ich einen guten Neustart“, bekräftigte der Dekan und bat die Gemeinde: „Achtet den Dienst Eurer Pfarrerin und steht Ihr bei!“

Ein herzliches Willkommen bereitete auch Bürgermeister Falk Sluyterman der neuen Pfarrerin. Die Schongauer seien „gottesfürchtige, freundliche und fleißige Menschen, die ein reges ehrenamtliches Engagement für ihre Mitmenschen“ auszeichne. „Es macht Spaß, diesen Menschen zu begegnen und ihre positive Lebenseinstellung zu spüren“, erklärte Sluyterman und zitierte Hermann Hesse: „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und uns hilft zu leben.“

Eine Lanze für die Ökumene brach Stadtpfarrer Norbert Marxer. In einer Zeit, geprägt von Hedonismus und egoistischen Genüssen sowie gesellschaftlichen Herausforderungen, sei es umso dringlicher, dass „Christen aller Konfessionen ihren Auftrag wahrnehmen und gemeinsam ihren Glauben bekennen“. „Wir sind alle Kinder eines Vaters und Geschwister Jesu Christi“, so Norbert Marxer.

Die Vertrauensfrau des Dekanats, Pfarrerin Ulrike Wilhelm, erinnerte daran, dass Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes durchaus gefährlich sein könne. So wäre sie als junge Theologiestudentin beim gefährlichen Job, dem Übernachten in einem neu eingerichteten Haus für obdachlose Frauen in München, von einer psychisch gestörten Dame attackiert worden und habe die erste und einzige Schlägerei ihres Lebens überstanden. „Sie weiß sich zu wehren“, so Ulrike Wilhelm, die als Präsent einen schiefen, schrägen Salzstein überreichte, der Nicoly Menezes daran erinnern soll, dass sie als Pfarrerin „unkonventionell, besonders mit Ecken und Kanten“ sein darf.

Dies stellte Lydie Nicoly Menezes gleich mit ihrer Predigt unter Beweis. Sie legte der lange zerstrittenen Schongauer Gemeinde die Geschichte einer römischen Gemeinde ans Herz, die sich über verschiedene Essgewohnheiten entzweit hatte. Sowohl die Fleischesser, als auch die Vegetarier konnten gute Gründe für ihren Standpunkt anführen, so dass zuletzt die ganze Gemeinde gefährdet war.

„Über allem Rechthaben steht immer die Liebe“, zitierte Lydie Nicoly Menezes den Apostel Paulus. Der Gemeinde gab sie den Rat: „Schaut, was Euch verbindet, sucht das Euch Verbindende immer neu und immer wieder!“ In der heutigen Zeit, in der Mauern zu errichten wieder normal scheine, eine wachsende Zahl an Kindern in ärmlichen Verhältnissen lebe und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklaffe, sei es wichtig, das Fremde nicht abzuwerten. „Setzen wir uns an einen gemeinsamen Tisch und fangen wir an, das Reich Gottes zu bauen. Schauen wir einander mit Jesu Augen an!“, so Lydie Nicoly Menezes, die alle Besucher zum Sektempfang vor dem Gemeindehaus einlud.

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