Aus dem Gericht

Bewährung für Geldfälscher

Weilheim-Schongau - Für drei junge Burschen aus einer Gemeinde westliche von Schongau sah es kürzlich am Weilheimer Amtsgericht nicht gut aus. Der Angeklagte wurde wegen Geldfälschung zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Auf zwei Zeugen könnte eine Strafanzeige wegen Falschaussage zukommen.

Amtsrichter Michael Eberle versuchte sein Bestes, die Wahrheit aus den drei jungen Männern herauszuholen. Aber der angeklagte 20-Jährige verweigerte strikt die Aussage. Sein Bruder und ein Spezl verwickelten sich immer tiefer in Widersprüche. Hinzu kam, dass der Angeklagte auf Grund seines Alters an der Schwelle stand zwischen einer Verurteilung nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht. Die Jugendgerichtshelferin musste aber einräumen, dass bei dem 20-Jährigen keine Reifeverzögerung vorliegt: Der gelernte Maurer hat seine Lehre abgeschlossen, einen festen Arbeitsplatz und ein geregeltes Leben. Zu einem Gespräch mit der Jugendgerichtshelferin war er erst gar nicht erschienen.

Dem junge Mann wurde Geldfälschung vorgeworfen

Im Juni vergangenen Jahres waren auf einer Beachparty in der Nähe von Marktoberdorf falsche 20-Euro-Scheine aufgetaucht. Ein Mitarbeiter hatte während der Veranstaltung einen falschen Schein entdeckt. „Ich hatte von der Bank eine Maschine ausgeliehen, die Fälschungen anzeigt“, sagte er vor Gericht. Bei dem Schein fehlte der Magnetstreifen. „Im schummrigen Licht konnte man die Fälschung nicht so sehen. Aber es war bei genauem Hinsehen keine Profiarbeit“, erklärte der Mitarbeiter.

Nach dem Fund informierte der Mann die Kassiererin. Und tatsächlich wollte der angeklagte junge Mann wenig später mit einem weiteren Schein bezahlen. Auf den Hinweis der Kassiererin, das sei Falschgeld, reagierte der 20-Jährige merkwürdig gelassen. Er ließ den Schein bei der Frau und bezahlte mit Münzgeld. „Jeder unbescholtene Mensch hätte sich beschwert und nachgefragt, wieso das Falschgeld sei“, so der Richter. Der junge Mann wurde von den Sicherheitsleuten ausfindig gemacht und an einem für die Öffentlichkeit unzugänglichen Ort festgehalten, bis die Polizei eintraf. An dieser Stelle fand man später einen zerknüllten weiteren 20 Euro-Schein. Und bei der weiteren Geldzählung trat noch einer zutage.

Blüte mit dem Tintenstrahldrucker

Der Bruder und ein Freund waren mit dem Angeklagten auf die Party gekommen. Das war aber auch schon die einzige Aussage, die der Wahrheit entsprach. Alle weiteren Erklärungen passten im weiteren Verlauf der Befragung nicht in das Gesamtbild. „Sie erzählen mir ja hier die Story vom Pferd“, sagte der Richter verärgert. Der Bruder hätte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen können, erzählte aber völligen Unsinn. Und der zum damaligen Zeitpunkt 19-jährige Freund hatte neben seinen Widersprüchen auch bedenkliche Erinnerungslücken. „Ich bin mir sicher, dass Sie beide da mit drin hängen“, sagte der Richter.

Bei einer Durchsuchung im Haus des Angeklagten fand man damals zwar Computer aber keinen Drucker. Auch in der Wohnung des in München lebenden Bruders nicht. Das Landeskriminalamt stellte bei der Untersuchung der Geldscheine fest, dass diese mit einem einfachen Tintenstrahldrucker gemacht wurden. Laut Staatsanwalt hätten sich die drei jungen Männer durch ihr Verhalten vor Gericht immer weiter in die Sache hineingeritten. „Das wäre nicht nötig gewesen.“

Bewährung und Geldstrafe

Die Bewährung setzte der Richter für drei Jahre aus. Eine Geldauflage von 3000 Euro in monatlichen Raten von 300 Euro zahlbar an die „Brücke Oberland“ kommt noch hinzu.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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