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Das Käsemobil und der Eiermann-Stand (im Hintergrund) beim Grünen Markt in Schongau. 

Grüner Markt

Wo sind die Fieranten hin?

Schongau – Der Grüne Markt am Marienplatz in Schongau fristet derzeit ein bescheidenes Dasein. Nachdem vor einer Woche kein einziger Fierant zugegen war, fanden sich gestern gerade mal drei Händler ein: Der Landmetzger, das Käsemobil und der Eiermann. Woran liegt’s? Wir sind der Frage nachgegangen.

„Eine nette Kundschaft in Schongau, mit der kann man so gut hoigarte“, sagt Michael Stöberl und blickt erwartungsvoll aus seinem Verkaufswagen, der mitten auf dem Marienplatz in Schongau abgestellt ist. Der Landmetzger aus Waltenhofen bei Kempten ist seit zwei Jahren regelmäßig auf dem Grünen Markt in der Lechstadt vertreten. Seine Wurstwaren sind gefragt, doch seit die Fußgängerzone in Schongau eingeführt wurde, „ist der Umsatz um ein Drittel zurückgegangen“, berichtet Stöberl.

Überhaupt hat Landmetzger Stöberl den Eindruck, dass der Grüne Markt in Schongau von Seiten der Stadt nicht die volle Wertschätzung bekommt. In anderen Orten, zum Beispiel in Grönenbach, wo er ebenfalls mit seinem Wurstwagen regelmäßig Station macht, habe sich der Bürgermeister zu Weihnachten mit einer Flasche Wein bei den Fieranten persönlich bedankt – eine kleine Anerkennung, weil sie dort dem Markt so lange schon die Treue halten.

Vor allem ältere Leute kommen nicht mehr

Olli Stich aus Marktoberdorf ist seit 15 Jahren mit seinem Käsemobil auf dem Grünen Markt in Schongau vertreten. Auch er spricht von Umsatzeinbußen. Vor allem ältere Leute, die früher immer mit dem Auto vorgefahren sind und ihre Einkäufe erledigt haben, bleiben vermehrt aus, was sich natürlich auch im Umsatz niederschlägt.

Der Eiermann Georg Klöck aus Bidingen zählt zu den treuesten Fieranten. „Schon seit 33 Jahren komme ich regelmäßig zum Grünen Markt nach Schongau“, berichtet er. Auch wenn das Wetter mal nicht so gut ist, reist er an. „Mein Vater hat vor 40 Jahren damit angefangen, und ich mache jetzt halt weiter“, erzählt Klöck. Dass es auch in Zukunft weitergeht, dafür sorgt sein Enkel Johannes Hartmann, der seinem Opa beim Markt in Schongau zur Seite steht, damit die Kundschaft schnell bedient werden kann und nicht lange warten muss.

Zu den Stammkunden beim Grünen Markt in Schongau zählt zum Beispiel Barbara Lederle aus Schwabsoien, die regelmäßig hier einkauft. Gestern hat sie sich allerdings gewundert, dass so wenig Händler am Marienplatz vertreten waren. Gemüse und Früchte? – diesmal Fehlanzeige. Der Früchtehändler aus Neusäß bei Augsburg, der sonst immer in Schongau ist, blieb gestern weg – weil die Wetterprognosen schlecht waren, hieß es.

Liegt die geringe Beteiligung am Wetter?

Der Olivenhändler aus Benningen (bei Memmingen) war gestern früh zwar nach Schongau gekommen, hat sich dann aber nach Rücksprache mit dem Chef entschieden, wieder abzureisen. „Der Sturm war zu heftig“, berichtet Jörn Niederberger von der Oliven & Öl Compagnie in Benningen. Und am Donnerstag vor einer Woche war der Olivenhändler nicht in Schongau, „weil wir auch mal ein Pause einlegen wollten“, gibt Niederberger zu. Dass der Umsatz seit Einführung der Fußgängerzone rückläufig ist, räumt Niederberger ein. „Weil die Leute nicht mehr so hinfahren und einladen können.“ Der Olivenhändler hofft aber, dass es im Frühjahr vielleicht wieder besser wird.

Dass die Zahl der Händler derzeit so gering ist, führt Martin Keßler vom Ordnungsamt in Schongau auf das Wetter zurück.

Übrigens: Um 11.15 Uhr war gestern nur noch der Landmetzger auf dem Marienplatz in Schongau. Der Eiermann und das Käsemobil waren diesmal bereits früher als gewohnt abgereist.

Michael Gretschmann

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