bänke und podium für den marienplatz

Heiße Stadtrats-Debatte um Tropenholz

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Schongau - Eigentlich sollte es nur um die Zustimmung zu Vergaben im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Marienplatzes gehen. Doch dann entspann sich im Schongauer Stadtrat eine längere Debatte um die Frage, ob für Bänke und Podium heimisches Holz oder Tropenholz verwendet werden soll.

Laut Tagesordnung ging es bei der jüngsten Stadtratssitzung um die Abstimmung über Erd- und Straßenbauarbeiten sowie um Vegetations- und Elektroinstallationsarbeiten. Ein Punkt, der unter normalen Umständen innerhalb weniger Minuten abgehandelt ist. War er auch, denn Stadtbaumeister Ulrich Knecht konnte vermelden, dass acht Firmen die Unterlagen für die Erd- und Straßenbauarbeiten angefordert und fünf abgegeben hatten. Billigstbieter war demnach die Firma Haberstock aus Altenstadt mit einer Summe von 165 235 Euro, die dann auch den Zuschlag erhielt.

Für die Vegetationsarbeiten hatten fünf Firmen die Unterlagen angefordert und vier ein Angebot abgegeben. Die Firma Andergassen erhielt letztlich als Billigstbieter (12 816 Euro) den Zuschlag. Bei den Elektroinstallationsarbeiten ging die Firma ESZI aus Altenstadt als Sieger unter vier Firmen, die abgegeben hatten, mit 26 557 Euro hervor. Sechs Firmen hatten das Angebot angefordert.

Dann jedoch kam der Stadtbaumeister auf Bänke und Podium für den Marienplatz zu sprechen. Und kam auf einen Stadtratsbeschluss von 1990 zu sprechen. In besagter Sitzung hatte der damalige SPD-Fraktionschef und mittlerweile verstorbene Robert Bohrer gefordert, immer heimisches Holz auszuschreiben, wenn man die Wahl zwischen diesem und Tropenholz habe.

Beschluss aus dem Jahre 1990 plötzlich gewichtiges Thema

Das würde allerdings im vorliegenden Fall erhebliche Mehrkosten mit sich bringen. Knecht sprach von 32 675 Euro Kosten bei Verwendung von Tropenholz, während heimisches Holz (Eiche) mit annähernd 50 000 Euro zu Buche schlagen würde. Dies, so Knecht, müsse man berücksichtigen.

Stadtrat Friedrich Zeller (SPD) konnte die Sorgen des Stadtbaumeisters nachvollziehen, meinte, „dass nichts gegen zertifiziertes Tropenholz spricht“. Und angesichts eines solchen Preisunterschieds sei das für ihn überhaupt keine Frage.

Siegfried Müller (AL) äußerte derweil, „dass ich nicht wusste, dass es sich da um Tropenholz handelt“. Und er verwies auf den Beschluss von 1990, an dem man festhalten solle, „auch wenn er schon so alt ist“. Zudem meinte er, dass man durchaus hinterfragen könne, ob Tropenholz nachhaltig sei oder nicht. Stadtoberhaupt Falk Sluyterman meinte hierzu, dass sich in den vergangenen 26 Jahren bei der Zertifizierung eine Menge getan habe. Und man könne als Stadtrat problemlos von einem vor so langer Zeit gefassten Beschluss abweichen.

Die heimische Eiche ist den Stadträten definitiv zu teuer

Unterdessen meinte Martin Schwarz (SPD), dass man sich auch noch ein weiteres Angebot unterbreiten lassen könne, beispielsweise eine Fertigung in Lärchenholz ins Auge fassen könne.

Bettina Buresch (AL) verwies darauf, „dass wir damals nicht informiert wurden, dass es sich um Tropenholz handelt“. Sie habe da auch ihre Probleme. „Das geht immer auf Kosten des Urwalds“, meinte sie. Und während der Stadtbaumeister nochmal darauf verwies, dass in den vergangenen 26 Jahren ein Quantensprung bei der Zertifizierung stattgefunden habe, wies Bürgermeister Sluyterman darauf hin, „dass wir einen Ermessensspielraum haben“.

Hintergrund: Im damaligen Stadtratsbeschluss war die Formulierung sollte und nicht muss verwendet worden. In der anschließenden Abstimmung wurde Eiche als Material mit 18 zu vier Stimmen abgelehnt. Weit enger ging es da schon bei der Frage her, ob man zertifiziertes Tropenholz nehmen sollte. Dennoch ging dieser Antrag letztlich mit 14:8 Stimmen durch, wobei sich die Alternative Liste und einige SPD-Stadträte dagegen aussprachen.

Rubriklistenbild: © bo

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