Von Cobi Reiser gestaltet: Tierfresko an der Mittelschule Reichenaustraße in München. Die Liste der Kunst am Bau-Werke Cobi Reisers in der Landeshauptstadt ist beachtlich.

Benefizversteigerung für Schongauer Tiermosaike

„Kunst zu zerstören, ist kein guter Weg“

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Schongau - „Alle Cobi-Reiser-Bilder retten!“ ist Motto einer Versteigerung am Samstag, 13. August, in der Staufer-Grundschule. Auktionator ist Vize-Bürgermeister Tobias Kalbitzer. Zwischenzeitlich war auch Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl fleißig und hat in München weiterer Reiser-Werke an Schulen aufgetan. Einen konkreten Abrisstermin gibt es noch nicht.

Heinz Grünberger, Architekt und Stadtplaner in der Landeshauptstadt München, kann seitens von QUIVID (Kunst am Bau in München) eine beachtlich lange Liste mit Arbeiten des Münchner Künstlers Cobi Reiser vorweisen – die meisten entstanden in den 60er Jahren an Schulen in den verschiedensten Münchner Stadtteilen. Schon früher, etwa zeitgleich mit den Schongauer Werken an der Staufer-Grundschule, entstanden ein Wandfresko im Neuaubinger Kindergarten sowie die Innen- und die Außengestaltung an der Schule am Bayerplatz (beides 1952). Auf der Kunst am Bau-Liste stehen Gebäude wie Stadtbücherei, Meldestelle und Bezirksinspektion in der Piccoloministraße (entstanden 1969), die Grundschule an der Bernaysstraße (1966, früher Rockefellerstraße), die Volksschule an der Reichenaustraße (1967) oder auch die Wasserwerke an der Müllerstraße. Dort war von Jakob Benjamin Reiser (26. Juni 1902 bis 15. Mai 1992) neben einem Mosaik ein Brunnen gestaltet worden, wie er einst auch im Hof der Schongauer Grundschule stand und der schon lange nicht mehr existiert.

Suche nach Erben wenig erfolgreich

Gesichert ist laut Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl die Information, dass der Künstler bei Prof. Fritz Helmuth Ehmcke (Grafiker, Schriftentwerfer, Illustrator und Buchgestalter) an der Kunstgewerbeschule in München studiert hat. Die Bemühungen, etwaige Erben zu finden, die sich eventuell ebenfalls um den Erhalt aller Kunstwerke in Schongau bemühen würden, sind dagegen bisher wenig fruchtbar gewesen. „Über Nachfahren des Künstlers haben wir leider keine Informationen“, so der Münchner Stadtplaner. Auch ein Cobi-Reiser-Artikel im Merkur-Bayernteil brachte wenig Resonanz. Zwar erhielt die Schongauer Lehrerin einen Anruf von zwei älteren Damen, die einst mit den Reiser-Kindern gespielt haben wollen und deren Eltern befreundet gewesen sein müssen, weitere Informationen hatten jedoch auch sie nicht. Schreiber-Buhl bedauert den fehlenden Kontakt zu Erben Cobi Reisers: „Irgendwann wird auch dieses Puzzle-Steinchen mich erreichen – ich gebe die Hoffnung nicht auf.“

Noch ist auch nichts verloren, denn einen konkreten Abrisstermin der Turnhalle, über deren Eingang die Reiser-Wanduhr prangt, oder der Pavillons mit den acht Tiermosaiken und dem Märchengiebel, gibt es nach Auskunft von Sebastian Dietrich vom Schongauer Stadtbauamt derzeit noch nicht: „Wir stecken noch im Vergabeverfahren, tendenziell könnte es Ende August/Anfang September werden, aber es könnte auch schneller gehen.“ Lediglich ein kleiner Zwischenbau wurde bisher entfernt.

Versteigerung wird durchgezogen

Was die Bildersicherung anbetrifft, gibt es nach der Stadtratsentscheidung vom 26. Juli allerdings keinen neuen Sachstand. Derzeit können voraussichtlich nur sechs der acht Tiermosaike gerettet werden (wir berichteten). Hierfür reichen die Summe der Stadt – 40 000 Euro – und die Spenden. Laut Stadtkämmerer Werner Hefele sind rund 13 000 Euro eingegangen. Davon stammen knapp 4200 Euro aus bisherigen Benefizveranstaltungen.

Die große geplante Versteigerung, um alle Cobi-Reiser-Bilder zu retten, wird daher in jedem Fall durchgezogen. Am Samstag, 13. August, kommen unter der Leitung des Schongauer Vize-Bürgermeisters Tobias Kalbitzer diverse Sachspenden, darunter eine signierte und gerahmte Original-Karikatur von Dieter Hanitzsch, und diverses Inventar aus den Pavillons, der Turnhalle und aus dem Block B der Grundschule, unter den Hammer. „Ich bin kein großer Kunstkenner, aber Kunst zu zerstören ist kein guter Weg“, so Kalbitzer. Er findet zwar die Richtung, die der Stadtrat eingeschlagen hatte und auch die Höhe der Gelder seitens der Stadt richtig. Nichtsdestotrotz hat auch er noch Hoffnung. Kalbitzer: „Vielleicht kommt so viel zusammen, dass wir noch mehr retten können.“

Infos:

Die Objekte für die Versteigerung können vorab im Internet besichtigt werden unter www.staufer-grundschule.de. Die Versteigerung in der Staufer-Grundschule beginnt um 11 Uhr. Bereits ab 10 Uhr gibt es einen Rundgang durch die verschiedenen Häuser, die demnächst abgerissen werden. Alle, die Objekte aus den Pavillons und der Turnhalle ersteigern wollen, können daran teilnehmen. Diese Gegenstände müssen selber demontiert werden (bitte entsprechendes Werkzeug mitbringen).

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