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Tobias Kalbitzer in seiner „Dienst-Uniform“ bei der Jahresabschluss-Rede.

Weihnachtsrede von Tobias Kalbitzer:

„Dank an die 32 Bürger, die mich nicht gewählt haben“

Schongau - Erstmals hat dieses Jahr nicht das älteste, sondern das jüngste Stadtratsmitglied die Abschlussrede in der Weihnachtssitzung gehalten. Und Vize-Bürgermeister Tobias Kalbitzer überraschte mit nachdenklichen und selbstkritischen Worten.

Es ist eine alte Tradition, dass der Stadtrats-Älteste in der Weihnachtssitzung eine Rede hält. Doch dieses Jahr ergriff nicht Siegfried Müller (ALS) das Wort, sondern mit Tobias Kalbitzer der Jüngste. Das hatte aber nichts damit zu tun, dass Müller nach seiner ausschweifenden Premieren-Rede im Vorjahr nicht mehr erwünscht war, betonte Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD): „Herr Müller hatte das selber vorgeschlagen.“

Und Kalbitzer legte einen bemerkenswert nachdenklichen und auch selbstkritischen Auftritt hin. Es sei ihm eine Ehre, hier sprechen zu dürfen, und er wolle nicht Krieg, Asyl oder Terror in der Welt thematisieren – wer wollte, konnte da einen kleinen Seitenhieb auf Müller heraushören –, „sondern ich will auf uns schauen, auf den Stadtrat“. Von dem habe er früher nur Schlechtes gehört: „Es hieß, die streiten dort nur und der Bürgermeister ist der ärmste Mensch – das war meine Sichtweise“, so Kalbitzer. Doch dem ist nicht so, wie er mittlerweile aus eigener Anschauung feststellen durfte: „Es sind 24 Bürger, die viel Zeit opfern, um etwas zu bewegen. Bürger, die Verantwortung übernommen haben und die Demokratie bereichern. Menschen aus verschiedenen Berufen, von der Sekretärin bis zum Richter.“

Alle seien sie Schongauer und tragen die Stadt im Herzen, ob hier geboren oder zugereist. Und jeder handele nach seinem eigenen Gewissen, was nicht immer schmerzfrei ablaufe: „Wenn man auf der Straße hört, ,Was machen die jetzt schon wieder?‘ oder ,Spinnen die jetzt komplett?‘, ist das nicht immer einfach“, so Kalbitzer. Man könne es nicht allen recht machen. Und er selber habe früher auch kritisiert, ohne selbst teilgenommen zu haben, was immer einfach sei. „Jetzt habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen“, so Kalbitzer.

Es bewege sich etwas in Schongau, man habe viele teure Projekte auf den Weg gebracht und musste dafür auch Kompromisse eingehen. „Aber wir versuchen immer, die beste Lösung zu finden“, sagte Kalbitzer. „Man spürt die Veränderung, und das Wohl der Stadt ist immer unsere erste Prämisse.“ Sein Lob an den engagierten Bürgermeister Falk Sluyterman verband er mit dem erstaunlichen Bekenntnis, sich vor allem bei den 32 Bürgern zu bedanken, die ihn in der Stichwahl nicht gewählt haben. „Ich hoffe, wir gehen gemeinsam weiter“, sagte Kalbitzer zum Schluss seiner Rede, die mit viel Applaus bedacht wurde. Sluyterman bedankte sich herzlich für die Worte: „Du bist immer zur Stelle, wenn ich Dich brauche“, gab er zurück und meinte scherzhaft, man müsse noch einmal bei einem Bier ausdiskutieren, für wen die 32 Stimmen gut oder schlecht waren.

Auch der Bürgermeister zog eine positive Bilanz seines ersten vollen Arbeitsjahres, lobte ebenfalls die Zusammenarbeit und hoffte, dass im kommenden Jahr die stattliche Anzahl von 22 Stadtratssitzungen in diesem Jahr nicht wieder erreicht werde.

Boris Forstner

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