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Rosi Haseitl in ihrer Musikecke: Hier sitzt sie manchmal bis spät in den Abend und spielt. 

Advents-Serie 

Die Zither-Zauberin spielt den „Weihnachts-Boarischen“

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Die Wochen vor Weihnachten stecken voller Musik. Zum Abschluss unserer Adventsserie hat uns Zither-Zauberin Rosi Haseitl, 82, gezeigt, dass der „Weihnachts-Boarische“ halt doch schöner ist als „Last Christmas“.

Der Zitherring sitzt, jetzt noch ein, zwei Saiten anziehen, dann streckt Rosi den Rücken durch, setzt ihr Zither-Spiel-Lächeln auf – und legt los. Die Finger, zupfzupfzupf, fegen über die Saiten – wie viele sind das wohl? – und sie singt etwas von einem Hansgirgl. Vor ihr auf dem Tisch steht der hölzerne Notenständer, aber sie schaut nicht ein einziges mal drauf. Muss sie nicht. Die lustigen Lieder, die kann die Rosi alle auswendig.

Rosi Haseitl, eine herzliche bayerische Dame, spielt seit ihrem achten Lebensjahr Zither. Ihr Vater brachte ihr die ersten Griffe bei, damals noch in Apfeldorf (Kreis Landsberg am Lech). Das ist inzwischen 74 Jahre her. Von ihm hat sie auch die lustigen Lieder, die im Wirtshaus der Familie besonders gut ankamen. Aber streng genommen ist jetzt nicht die Zeit für lustige Lieder. Es ist ja Advent, für Rosi Haseitl eine stressige Zeit.

Die 82-Jährige sitzt auf ihrer Eckbank, von der aus sie fast die ganze Wohnung im Blick hat. An der Wand neben ihr hängt ein riesiges Kruzifix, auf der anderen Seite eine Gitarre. Überhaupt ist ihre Wohnung ein wahres Instrumentenlager. In einer Ecke ein Kontrabass, an der Wand eine Geige und eine Bratsche, die der Vater noch spielte. Und dann ist da noch ihre erste Zither, die sie im Krieg von einer Berufsmusikerin bekam. „Für einen halben Zentner Mehl“, sagt sie. „Meine alte Zither hat wunderbar geklungen.“

Natürlich spielt sie längst auf einem anderen Instrument, Marke Wünsche, ein DDR-Fabrikat, tolles Teil. Zur Zeit kommt es oft zum Einsatz. Denn im Advent treten Haseitl und der Chor vom Katholischen Mütterkreis besonders häufig auf. Die Damen singen, Haseitl zupft – und singt. Zum Beispiel an diesem Samstag, beim Adventsgottesdienst in einem Schongauer Altenheim. „Manche der Bewohner sind so alt wie ich“, sagt Haseitl, der man ihre 82 Jahre nur schwer abkauft. Ein seltsames Gefühl.

Jedenfalls ist der Besuch im Altenheim seit Jahren fix. Es geht einfach darum, den Bewohnern eine Freude zu machen. Der Speisesaal wird wie eine Kirche hergerichtet. Es gibt einen Altar und eine Bühne. Dort spielen sie und ihre Damen Adventslieder, aber noch keine Weihnachtslieder, „die hat der Pfarrer nämlich vor Heiligabend verboten“. Die Truppe hat vor allem Bayerisches im Repertoire. „A Lichterschein liegt überm Land“ oder „Es mag net finster wer’n“. Kleine Kostprobe, Frau Haseitl?

Rosi legt ihr ernstes Advents-Spiel-Gesicht auf – und legt los, mit dem „Weihnachts-Boarischen“. „Ist ein leichtes Lied“, sagt sie beim Zupfen. „Aber schön.“

Die Tafel in ihrer Wohnung ist adventlich geschmückt und so lang, dass locker zehn Leute dranpassen. Deshalb proben sie und ihre Chor-Damen inzwischen auch hier. Nun ja, häufiger sind natürlich die Tage, an denen sie alleine spielt. Und ja, auch nach 74 Jahren spielt sie noch jeden Tag, weil die Finger einfach flexibel bleiben müssen. „Manchmal“, sagt sie, „da denke ich abends um zeh: ‚Mensch, hast ja heut’ noch gar keine Zither gespielt‘.“ Dann setzt sie sich an den langen Tisch, spielt ein Lied und noch eins. „Und plötzlich ist es halb zwölf.“ In dieser Musik lässt sich halt wunderbar versinken.

Bald ist Heiligabend, dann trifft sich die Familie. Drei Töchter hat Rosi Haseitl und vier Enkelkinder. Und irgendwie wundert es nicht, dass sie alle musikalisch sind. Wenn’s grade passt, werden sie auch zusammen spielen, die Tochter an der Gitarre, die Rosi an der Zither. Sie setzt dann sicher ihr Spiel-Gesicht auf. Das weihnachtlich-ernste oder das mit dem Lächeln.

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