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Bei der Präsentation: (v.l.) Anna Reßle, Johannes Eberle, Maria Krauthauf vom historischen Verein Schongaus, Chiara Kellermann, Sofia Gschwend und der Leiter der Fachschaft Geschichte am Welfen-Gymnasium, Wilfried Funke.

Welfen-Gymnasium Schongau

Den Römern so nah

Schongau - Auf die Spur der Römer sowie einer englischen Ordensfrau haben sich vier angehende Abiturienten des Schongauer Welfen-Gymnasiums gemacht. Zusammen mit dem historischen Verein wurden ihre wissenschaftlichen Seminararbeiten jetzt vorgestellt.

„15. Augustus. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie es auf der anderen Seite des Gebirges aussieht“. Mit einem Zitat aus den Aufzeichnungen eines Legionärs begann Sofia Gschwend ihren Vortrag. Jener Legionär gehörte zu den römischen Truppen, die aus dem römischen Reich gen Norden zogen, wahrscheinlich durch das Etschtal, über den Inn und den heutigen Fernpass in die Provinz Raetien. So zumindest verlief jene bedeutende Handelsstraße der Römer von der Po-Ebene in die Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum (Augsburg). Noch immer kann man Spuren dieser Straße entdecken – wer im Winter am Forggensee vorbeikommt, sieht sie im Original. Und ein Querschnitt wurde in Altenstadt rekonstruiert.

Die Via Claudia, einst und heute, das war eines der vier Themen des wissenschaftspropädeutischen (kurz W-) Seminars der Fachschaften Geschichte und Latein am Welfen-Gymnasium. Dabei sollen die Schüler wissenschaftliches Arbeiten lernen: sich ein Thema suchen, Quellen auswerten, Experten, Zeitzeugen oder andere Wissenschaftler befragen, als Historiker Fundstätten und Museen aufsuchen, deren Exponate und Quellen auswerten und bewerten und daraus ihre eigenen Schlüsse ziehen. Dafür hatten die vier Gymnasiasten ein gutes Jahr Zeit.

Drei Mal ging es dabei heuer um die Römer und ihre Spuren bis heute. Wie eben die Via Claudia Augusta, aber auch die zahlreichen Besiedelungsspuren der Römer. Johannes Eberle hatte sich mit Kaiser Augustus und dessen Stiefsöhnen Drusus und Tiberius beschäftigt. Chiara Kellermann hatte sich einen Ausschnitt dieses großen Reiches gesucht, die Provinz Raetia. Jene ansehnliche Provinz, die sich zwischen der Ostschweiz und dem Salzburger Land einerseits und von Südtirol bis hinauf nach Manching erstreckte. Vor allem die Entstehung der Provinz hatte Kellermann nachverfolgt und war fasziniert, wie nahe die Römer uns doch seien. Man müsse, so ihr Resümee, nur in einem Umkreis von gerade einmal 50 Kilometern schauen, welche Relikte sich hier noch finden lassen. Ob der römische Bauernhof, die Villa Rustica bei Peiting, die große Therme von Cambodunum im heutigen Kempten oder Abodiacum in Epfach.

Für Römer-Spuren mussten die Schüler nicht weit fahren

Für ihre Recherchen hatte Kellermann all diese Orte aufgesucht und sich mit den Funden beschäftigt, sie fotografiert und die Fakten zusammengetragen. „Man muss gar nicht weit fahren“, sagte sie. Auch wenn die original Römerstraße nur noch in kleinen Teilen existiert, hat man ihren gut 349 Mille passum (517 Kilometer) langen Verlauf von Ostiglia in der Poebene bis hinter Augsburg recht gut rekonstruiert.

Und 2000 Jahre nach ihrem Bau – zwischen 15 vor bis 46 nach Christus – wurde dieser Handelstraße neues Leben eingehaucht, so Sofia Gschwend. Denn es hat sich ein Verein gegründet, der Via-Claudia-Verein, der die Römerstraße zu einer touristischen Nord-Süd-Verbindung gemacht hat, die man erwandern, mit dem Rad abfahren oder mittels Postkutsche erleben kann. „Geschichte ist nicht abgeschlossen“, so Gschwend, „nur weil sie vergangen ist“.

Ein Faktum, das so auch auf die Geschichte der Maria Ward zutrifft, mit der sich Anna Reßle beschäftigt hatte. Geboren in der Zeit und im elisabethanischen England, nimmt die überzeugte Katholikin einiges auf sich, damit auch Mädchen zur Schule gehen dürfen. Nicht selbstverständlich in einer Zeit ohne Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Beeindruckt hatte Reßle, dass Maria Ward mehrfach für ihre Überzeugung eingestanden und nach Rom zum Papst gepilgert war, ohne den Erfolg ihres Wirkens noch miterleben zu können. Die heutige Congregatio Jesu geht auf den von Maria Ward gegründeten Orden zurück. Und eine Frau, erfuhr Reßle, könne auch in der katholischen Kirche Karriere machen, wenn sie es nur wolle. Heute, 360 Jahre nach dem Tod jener resoluten Frau.

Oliver Sommer

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