Schongauer Bahnhof „in guten Händen“

Schongau - Mit dem gebürtigen Schongauer Andreas Holzhey von der Bürgerbahnhof Oberland GmbH als neuen Besitzer des Schongauer Bahnhofes soll ein Problembereich bald der Vergangenheit angehören.

Stilecht mit der Bayerischen Regiobahn (BRB) kommt Andreas Holzhey am Bahnhof an. Anders wäre es auch schwer geworden: Holzhey, der meist in Berlin lebt und arbeitet, hat gar kein Auto. „In der Hauptstadt reichen mir öffentliche Verkehrsmittel und mein Rad“, sagt er. Und sonst greift er auf CarSharing zurück.

Nach Schongau zu kommen, ist nicht ganz so einfach, gibt er zu. Und auch der Anblick des Bahnhofsumfelds dürfte ihm die Tränen in die Augen drücken. Doch jetzt soll ja alles besser werden, wobei: Die Lobeshymnen von Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl, dass der Bahnhof „jetzt in gute Hände kommt“, sind dem zurückhaltenden Holzhey gar nicht so recht. Gerbl freut sich trotzdem, dass der Verkauf des Bahnhofs noch in seiner Amtszeit geklappt hat.

Denn danach sah es lange Zeit nicht mehr aus. Seit Jahren wurde schon mit dem Bahnhofsbesitzer, einem Investmentfonds, verhandelt, und das gestaltete sich mindestens genauso schwer wie die traditionell komplizierten Diskussionen mit den vielen DB-Gesellschaften. Seit langem war auch Holzhey mit im Boot, und es hat lange gedauert, bis er als Käufer bei dem Investmentfonds akzeptiert war und nicht die Stadt umständlich das Gebäude kaufen und dann an Holzhey weiterreichen musste.

Vor einigen Monaten, als alles eigentlich schon fertig war, wollte der Verkäufer plötzlich noch einmal mehr Geld, berichtet Holzhey, was die ganze Sache noch einmal verzögert hat. Erst kürzlich war schließlich der Notartermin - gemeinsam mit der Stadt, die sich noch einige Flächen südlich des Bahnhofs gesichert hat. Einen niedrigen sechsstelligen Betrag hat Holzhey eigenen Angaben zufolge für den Bahnhof ausgegeben. „Dank an die Stadt und vor allem Kämmerer Werner Hefele. Ich bin glücklich, dass es so gelaufen ist, auch wenn es länger gedauert hat“, sagte Holzhey.

Wer jetzt glaubt, nächste Woche rücken die Bagger an und bringen den Bahnhof auf Vordermann, der sieht sich aber getäuscht. Holzhey bemüht sich auch, die Erwartungen zu dämpfen: „Ich habe noch überhaupt kein fertiges Konzept“, betont er. Wichtig war ihm wie der Stadt, das Bahnhofsgebäude zu sichern, damit keine andere Nutzung stattfinden kann. „Wenn da ein Discounter hinkommt oder jemand, der einen Zaun drumrumzieht, ist es vorbei“, sagt Holzhey. Genauso wichtig ist ihm, dass die Stadt weiter versucht, Flächen rund um den Bahnhof zu kaufen.

Das hat sie auch getan. Im nördlichen Bereich konnte sie an der Hermann-Ranz-Straße eine kleine Fläche erwerben. Doch das Gleis eins und die größere Freifläche Richtung Gleise, wo nach ursprünglicher Planung einmal ein Busbahnhof gebaut werden sollte, da schaut es momentan schlecht aus. Auf der anderen Seite des Bahnhofs laufen die Verhandlungen bereits seit mehr als zehn Jahren erfolglos, und laut Gerbl habe man sich vor einiger Zeit die verfallende Güterhalle im südlichen Bereich an der Bahnhofstraße mit einem Bahn-Verantwortlichen angeschaut. „Der war sehr nett und wollte mir die Woche darauf ein Exposée zuschicken, damit ich dem Stadtrat etwas vorlegen kann.“ Das sei jetzt zehn Monate her - „der hat sich nie wieder gemeldet“.

Es werden weiter dicke Bretter gebohrt werden müssen, bis einmal ansatzweise ein Resultat wie in Murnau herauskommt. Das war Holzheys erstes großes Projekt mit der Bürgerbahnhof Oberland GmbH: Er hat den Bahnhof gekauft, aufgemöbelt und optisch ansprechend gestaltet, es gibt ein Café, frei zugängliche Toiletten, Marktgemeinde und Deutsche Bahn haben tatkräftig mitgeholfen - Lohn ist ein Schmuckstück, das vergangenes Jahr als Tourismus-Bahnhof des Jahres ausgezeichnet wurde. Den Bahnhof Landsberg, den Holzhey vor zwei Jahren gekauft hat, musste er nicht mehr herrichten, das hatte der Vorbesitzer schon erledigt und war dafür ausgezeichnet worden. Schongau ist jetzt sein drittes Projekt.

Auch hier müsse es laufen wie in Murnau, betonte Holzhey. „Ums Gebäude und die Nutzung kümmere ich mich, die Stadt muss das Umfeld bearbeiten und die Deutsche Bahn Gleise und Bahnsteige.“ Und zwar relativ zeitgleich, weil es wenig Sinn macht, ein Bahnhof-Schmückstück hinzustellen, und zehn Jahre später werden erst die Bahnsteige saniert.

Deshalb hat Holzhey auch keine Eile. Er will erst ein passendes Konzept präsentieren, wenn er weiß, wer in den Bahnhof einziehen könnte. „Es macht keinen Sinn, jetzt alles groß herzurichten und am Ende müssen wieder Wände rausgerissen werden.“ Aber es gebe bereits Anfragen, das Interesse sei da. Holzhey betont auch, dass er mit dem Bahnhof nicht das Riesen-Geschäft mache. „Da ist eine gehörige Portion Idealismus dabei.“

Boris Forstner

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