Auftritt im Fasching bei einem ihrer berüchtigten Bälle. Von links: Rudi Mitgefaller, Ludwig Düchs, Bernd Plischke, Karl Horber und Walter Plischke.

Kultband

Die ewigen „Los Corinos“

Zahlreiche Bands haben sich in den 60er-Jahren im Schongauer Land gegründet. Manche spielten wild und hammermäßig, andere einige Stufen softiger. Wie die „Los Corinos“, die heute noch auf der Bühne stehen.

Schongau – Einmal Blut geleckt, kann man es nicht mehr lassen. Das gilt zumindest für ein Brüderpaar, das vier Jahre lang in zwei Bands miteinander Musik gemacht hat. Bernd und Walter Plischke, die 1969 mit der Formation „Forgotten Five“ ihre Gitarren an den Nagel hängen wollten. „Eine Zwangspause einlegen“, so die offizielle Begründung der beiden (wir berichteten). Der Vorsatz hält nicht lange. Natürlich auch, weil die Fans sich das nicht bieten lassen wollen. „Wer soll dann bitteschön die heißen Songs der „Bee Gees“ bringen?“, lautet die quälende Frage der Mädels. Also in die Hände gespuckt, neue Saiten auf die Gitarren aufgezogen und los geht’s.

Hausball in Kinsau als erster Auftritt

Der Zufall spielt dabei eine große Rolle. Die Gruppe „Cubana“ mit Ludwig Dücks und Rudi Mitgefaller braucht zu der Zeit dringend einen Bassisten. Rudi hat so ein Ding, aber keinen, der es spielen kann. Bernd Plischke, der sich mit dem Vier-Saiten-Instrument auskennt, gibt Bruder Walter Unterricht. Und – es läuft. Alles ohne Noten, nur nach Gehör und einem geheimen System unter Brüdern. Wie gut das ist, stellt Walter auch jetzt noch unter Beweis. Aus seriöser Quelle ist zu erfahren, dass er bis heute keine Noten kann.

Im Probenraum von Rudi in Kinsau wird im November 1970 alles durchgespielt, was man für einen erfolgreichen Auftritt braucht. Man nimmt die aktuellen Stücke mit einem Tonbandgerät auf und probt bis zum Umfallen. Bernd wird ebenfalls mit in die Gruppe aufgenommen. Damit hat man nicht nur einen guten Gitarristen mit Gesangsqualitäten gewonnen, man bekommt auch eine große weibliche Fangemeinde mitgeliefert. Die Band, die beim Hausball in Kinsau Anfang 1971 die erste große Bewährungsprobe besteht, nennt sich ab sofort „Los Corinos“. Und ist erfolgreich.

Alle Gasthöfe, Turnhallen, Pfarrheime und Schützenhäuser im Umkreis werden zu Bühnen der fünf Musiker. Alleine im ersten Jahr verbucht Walter exakt 50 Auftritte in seine Aufzeichnungen. Ab 1972 sind die Jungs beim „Königswirt“ in Bertoldshofen jeden Sonntag ein Dauerbrenner. Dazu jede Menge Bälle mit den verschiedensten Namen. „Hasererball“, „Ball der langen Hemden“ oder „Ball der einsamen Herzen“. Fast schon verrucht. Da wirken „Feuerwehrball“ oder Sportlerball schon fast harmlos.

Ab 1973 werden Bernd & Co. dann auch in der Lechfelsenbar in Lechbruck angehimmelt. Die Touristen rücken an. Wer was auf sich hält, lässt sich in eben dieser Lechfelsenbar sehen. Man muss ja schließlich nach dem Urlaub zuhause was zu erzählen haben.

Unverwechselbares Logo

Walter wird kreativ. Er will ein unverwechselbares Logo für „Los Corinos“ schaffen. Jede Band hat so ein Ding, das dann auf jedem zweiten Laternenmast kleben muss. Walter gelingt ein Label, das für die nächsten Jahre zum Markenzeichen schlechthin wird. Es ist auf Visitenkarten genauso zu sehen wie auf Plakaten oder Autogrammkarten. Diese sollen sogar, und das nicht wenig, in Liebesbriefen an ganz treue Fans verschickt worden sein. Einer dieser Fans ist Sonja. Sie erinnert sich, als wäre diese tolle Zeit gestern gewesen. Damals noch nicht die 15 vollendet, hat sie ihr Herz für die „Los Corinos“ geöffnet. „Jeder der Jungs war damals ein leckeres Schnittchen“, so ihr Urteil noch heute.

Sonja wollte damals ihren Teil zur Band einbringen. So bestickte sie in tagelanger Arbeit ein langes hellbraunes Tuch mit silbernen Buchstaben. Der Schriftzug der „Los Corinos“. Diese Stickerei wurde am Keyboard angebracht, für jeden der tanzenden Gäste ein Blickfang. Auf die Fans war Verlass bei Wind und Wetter. Es gab oft geplant spontane Brotzeiten nach den Auftritten, die sich fast immer bis in den nächsten Tag hinzogen.

Viele Tränen flossen bei den beiden Abschiedskonzerten im Februar und März 1980 beim Sportlerball in Schongau und dem Fan-Konzert in Rottenbuch. Die „Los Corinos“ wollen sich eine schöpferische Pause gönnen. Zeitraum ungewiss. Bis dahin hatten sie nach Walters Aufzeichnungen genau 485 Auftritte hinter sich gebracht. Die Schongauer Nachrichten berichteten: „Die „Los Corinos“ wurden zu einer Bereicherung im Musikleben des Landkreises und darüber hinaus.“

Einen Monat später ist ein kleines Inserat in der Zeitung zu lesen. „Ein versiertes Quartett sucht einen Gitarristen für Rhythmus und Bass mit gutem Sologesang.“ Zuschriften Fehlanzeige. Etwas später wird der Inhalt des Inserats leicht geändert. „Wer möglichst ein „bisserl“ singen kann“, so der Bezug auf die stimmlichen Qualitäten. Diese Formulierung ruft Walter Plischke auf den Plan. Er kann es einfach nicht lassen und meldet sich. Bingo! Walter überzeugt und wird in die Gruppe „Cheers“ aufgenommen. Inklusive seiner Bass- und Rhythmusgitarre.

Erster gemeinsamer Auftritt in der „Rose“ in Apfeldorf und der Gemeindehalle Rottenbuch. Erwähnenswert: In Rottenbuch hatten die ersten 50 Mädels freien Eintritt. Die Klosterschule steht Kopf. Kloster bleibt, die Mädels wechseln. 1991 gehen die „Cheers“ selbst ins Kloster. Keinesfalls wegen Abbitte oder Sühne, was sicherlich nicht der verkehrte Weg gewesen wäre. Die Gruppe wird für einen großen Auftritt in Kloster Irsee verpflichtet. Eine wirklich nicht alltägliche Location.

Vier Jahre später ist dann nach 336 Auftritten Schluss. Vielleicht hatten die 144 Hochzeiten, auf denen die „Cheers“ den musikalischen Takt angaben, ihre Entscheidung bekräftigt. Doch Dauerbrenner Walter Plischke leistet 1995 Überzeugungsarbeit. Er holt Bruder Bernd aus der Versenkung, dazu Karl „Percy“ Horber (Schlagzeug), Ludwig „Lucki“ Düchs (Gitarre & Saxophon) und Josef „Joe“ Greif (Trompete). Und da der gute alte Bandname noch immer in aller Munde ist, bleibt „Los Corinos“ forever. Man erstellt neue Visitenkarten mit dem Zusatz „Tanzband mit Pfiff.“

2003 dann ein trauriges Kapitel der „Los Corinos“. Ludwig „Lucki“ Düchs stirbt. Man will ihn nicht sofort ersetzen, spielt mit vier Mann Stammbesatzung. Drei Jahre später erfahren die vier jedoch eine wahre Frischzellenkur. Christoph, der Sohn von Bernd Plischke, kommt als Sologitarrist in die Runde. 

2011 feiern sie groß das 40-Jährige

Dementsprechend das Motto für den ersten Auftritt beim Dorffest in Dienhausen: „Für die Jugend.“ Im Januar 2011 erfolgt die große Sause in Kinsau. 40 Jahre „Los Corinos“ mit großer Mitternachtsshow. Eintritt fünf Euro. Die weiblichen Fans immer noch in alter Treue unter den Gästen. Und die Jungs? Haben immer noch großen Spaß an ihrem gemeinsamen Spiel. Feiern dieser Tage ein besonderes Jubiläum. Am rußigen Freitag konnte Walter Plischke beim Schützenball in Tannenberg den 700. Auftritt der „Los Corinos“ in seine Aufzeichnungen eintragen. Eben „Los Corinos“ forever.

Hans-Helmut Herold

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