Schongauer Brauhaus: Große Pläne, ungewisse Zukunft

Schongau - Vor etwas mehr als einem Jahr musste die Schongauer Brauhaus AG Insolvenz anmelden. Wie geht es weiter? Das wurde beim ersten Neujahrsempfang besprochen.

Vergangenes Jahr gab es im Brauhaus andere Probleme, als einen Neujahrsempfang auszurichten. Dieses Jahr hat der neuen Pächterin Marion Albrecht (Kulturteam München GmbH) erstmals einen auf die Beine gestellt und will damit auch gewisses Stück Normalität signalisieren. Denn die Vergangenheit lässt sich nicht wegdiskutieren. „Auch wenn es immer alle glauben: Ich habe mit den Schulden der AG nichts zu tun“, so Albrecht. Sie habe sogar schon überlegt, den Namen Brauhaus abzulegen, die Idee aber wieder verworfen. Nichtsdestotrotz habe man viel erreicht, es gebe Veranstaltungen, man habe das Brauhaus für jung und alt geöffnet. Einige Mitarbeiter hätten aber nicht verstanden, dass man in einer solch schwierigen Situation mit harter Hand durchgreifen müsse. Deshalb mussten einige gehen. „Aber jetzt haben wir ein tolles Team“, lobte Albrecht.

Vize-Bürgermeister Paul Huber wünschte ein „glückliches Händchen“, wollte in seinem Grußwort aber vor allem wissen, wie es mit dem Brauhaus und dem Insolvenzverfahren weitergeht. „Denn wir haben ein großes Interesse, dass uns das Brauhaus erhalten bleibt.“

Da konnte Tyll-Patrick Albrecht, Aufsichtsratschef und Ehemann von Marion, weiterhelfen - wenn auch nur bedingt. Denn er offenbarte seine Pläne, die aber erst einmal Wunschvorstellungen sind. „Die Interessenten stehen nicht gerade Schlange, die das Haus pachten und kaufen wollen“, sagte er. Nach einem Gespräch mit Insolvenzverwalter Franz-Joachim Sessig gebe es angeblich einen Bewerber. „Aber wenn der es ernst meinen würde, müsste er sich das hier vor Ort einmal anschauen“, so Albrecht. Er selbst und seine Frau wollen mit zwei weiteren Personen, die vorerst im Hintergrund bleiben, das Brauhaus nicht nur pachten, sondern auch kaufen. 200 000 Euro habe man geboten: 20 000 Euro durch die weitgehend entwerteten Aktien der Altaktionäre, 20 000 Euro von neuen Geldgebern - über die Verwendung dieser bereits vorhandenen Summe Geldes auf einem angeblichen Treuhandkonto muss vermutlich ein Gericht entscheiden - und 160 000 Euro von Albrecht und Co. So sieht der Plan aus.

Derzeit seien die Aktien nichts wert. Doch für einen rigorosen Schuldenschnitt, wie ihn sich Albrecht mit einem Insolvenzplan vorstellt, müssten alle mitziehen und auf Geld verzichten. Doch die Bank und einige andere weigerten sich, sagte Albrecht. „Wir wollen nicht als Heuschrecke dastehen, die sich das Haus erst beim zweiten Versteigerungstermin sichern, weil es da noch billiger ist“, betonte er. Man wolle unbedingt die AG erhalten, die vielen Kleinaktionäre sollen an Bord bleiben und das Haus mit Leben füllen. Sessig halte die Aktionäre dagegen für Ballast, den man am besten loswerden sollte.

Ob seine Frau auf ewig Pächter bleibt, müsse man familiär klären. Er sehe die Brauerei aber auch getrennt, die müsste ein Pächter quasi auslagern. „In Franken gibt es Kommunenbrauereien mit verschiedenen Braumeistern. Da kann auch einmal jemand zwei Hektoliter für sich privat brauen. Man glaubt gar nicht, wie viele sich dafür interessieren“, so Albrecht. Denn die Anlage mit fünf Hektolitern sei für das Brauhaus völlig überdimensioniert, derzeit braue man nur viermal im Monat.

Und Albrecht spann den Faden noch weiter. Man könnte mit dem Brauhaus auch das Volksfest teilweise wieder in Gang bringen. „Man muss Leute dazuholen, dann kann das in fünf bis zehn Jahren funktionieren“, war sich Albrecht sicher. Für Huber, einen Volksfest-Freund, wäre das eine „Super-Sache. Aber das spielt sich doch mehr im Reich der Träume ab, das muss man erst gut untersuchen“, blieb er realistisch.

Insolvenzverwalter Sessig betonte, er stehe einer Sanierung nicht abgeneigt gegenüber. „Das wichtigste Ziel ist es, den Gaststättenbetrieb offenzulassen.“ Doch jede Form der Sanierung könne nur so aussehen, dass die Immobilie finanziert werden muss - und zwar dauerhaft und so, dass die Bank mitzieht. Die habe ein Grundpfandrecht und müsse auf gar nichts verzichten, stellte Sessig klar. „Und sie wird sicher irgendwann Geld sehen wollen.“ Als letzte Möglichkeit durch eine Versteigerung.

bo

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