Girokonto der EAS im Dauer-Minus

Gewaltiger Zuschuss nötig

Dem Eisstadion droht das Aus

Schongau - Die Situation der EA Schongau ist dramatisch: Ohne einen gewaltigen und sofortigen Zuschuss der Stadt droht die Zahlungsunfähigkeit, auch die nächste Eislaufsaison wäre in Gefahr.

Dramatisch ging es am Dienstagabend in der Schongauer Stadtratssitzung zu, denn die Situation der EA Schongau ist auch dramatisch: Ohne einen gewaltigen und sofortigen Zuschuss der Stadt hätte die Zahlungsunfähigkeit gedroht, auch die nächste Eislaufsaison wäre in Gefahr gewesen. Jetzt rücken ein Neubau oder die Komplettsanierung des Stadions in den Fokus.

Die Situation des Schongauer Eisstadions war den Eingeweihten längst bekannt. Bereits vergangenes Jahr hatte eine Begehung mit dem städtischen Bauamt stattgefunden. Unter anderem gab es Probleme mit Schimmel in den Duschkabinen, Hygienemängel im sanitären Bereich sowie den immensen Energieverbrauch (wir berichteten). Auch Gebäude und technische Ausstattung seien in bedenklichem Zustand. Doch die Situation hatte sich so zugespitzt, dass sich der TSV Schongau und seine Eislaufabteilung mit einem dringenden Hilferuf an die Stadt gewandt haben.

„Wir sehen uns fast nicht mehr in der Lage, den Betrieb des Eisstadions aufrechtzuerhalten“, schrieb der TSV-Vorsitzende Johannes Rauch an Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD). Trotz einiger Maßnahmen steigen die Energiekosten enorm, ebenso die Instandhaltung der in die Jahre gekommenen Halle. 10 000 Euro müsste man derzeit noch bezahlen, das Girokonto bewege sich aber seit Jahren bei der Finanzierungslinie von minus 35 000 Euro. Deshalb erbat Rauch 45 000 Euro als einmaligen Zuschuss. Zudem noch die Übernahme der Architekten-Honorare für das Gesamtkonzept zur möglichen Sanierung, und schließlich noch einen Hauptschaltschrank. Klingt nicht schlimm, kostet aber knapp 70 000 Euro - „und ohne neuen Schaltschrank bekommen wir keine Genehmigung für die nächste Saison“, sagte Rauch.

Gerbl erinnerte daran, dass der jährliche Zuschuss für die Eishockeyabteilung vor rund drei Jahren schon von 33 000 auf 65 000 Euro erhöht wurde, „obwohl nur 55 000 gefordert waren“. Dass die Honorarkosten für den Architekten übernommern werden, sei selbstverständlich. Bei der Erarbeitung könnten auch Mitarbeiter vom Stadtbauamt helfen, so Gerbl. „Schwieriger sieht es aus, wenn wir 45 000 Euro für ein überzogenes Konto zahlen sollen.“ Natürlich koste der Betrieb viel Geld, „aber bei anderen Vereinen machen wir so etwas auch nicht“. Um Finanzengpässe bei der EAS zu vermeiden, habe er ohnehin schon angeordnet, den jährlichen Zuschuss vorzeitig auszuzahlen, obwohl es noch gar keinen genehmigten Haushalt gebe. Sein Vorschlag: Erst einmal abwarten, was das Sanierungs-Gutachten bringt, ob nicht doch ein Neubau sinnvoller ist. Außerdem drohen sonst ein möglicher Förderverlust durch den Landessportverband.

Das Vorgehen fand Stephan Hild (UWV) in Ordnung. „Wir brauchen erst ein Gesamtkonzept, und da wird auch eine Rolle spielen, ob der Stadionbetrieb beim TSV bleibt oder zur Stadt geht.“ Michael Eberle (CSU) dagegen betonte, das Eisstadion sei eine öffentliche Sportstätte mit Publikumsverkehr und Schulsport und deshalb nicht mit anderen Vereinen vergleichbar. „Wenn wir es betreiben würden, wäre es erheblich teurer“, sagte Eberle - laut seinem Fraktionskollegen Peter Blüml buttere der Markt Peiting für deren Eisstadion jedes Jahr 150 000 Euro zu, mehr als das doppelte von Schongau. „Deshalb sind wir es dem TSV schuldig, dass wir das Defizit abdecken.“ Zumal das Bauamt zuletzt wegen Krankheitsfällen nichts schnell bearbeiten konnte und der Antrag des TSV auch schon drei Monate alt sei. „Vor der Sommerpause werden da nie Nägel mit Köpfen gemacht. Wir müssen uns jetzt entscheiden, sonst gibt es kein Eishockey mehr“; forderten Eberle und Blüml.

Max Martin (SPD) dagegen hat Angst, dass immer weitere Forderungen kommen. „Deshalb brauchen wir ein klares Konzept.“ Und wenn es um kurzfristige Zahlungen geht, sei letztlich auch der TSV gefordert, nicht nur die Eislaufabteilung. Auch Roland Heger (UWV) wollte wissen, wie das Defizit zustande gekommen ist. „Das hat sich über zweieinhalb Jahre aufgebaut“, sagte Rauch, der mit zahlreichen TSV-Kollegen erschienen war. „Das Stadion ist, mit Ausnahme des Dachs, 30 bis 40 Jahre alt, die Energiekosten laufen völlig aus dem Ruder.“ Und der neue Haupschaltschrank müsste spätestens im April bestellt werden, sonst werde es nichts mit Saisonstart im September.

Gerbls Vorschlag, vor einer Zahlung erst das Konzept abzuwarten, trug nur die SPD mit. Mit 14:9-Mehrheit dank der Stimmen von CSU, UWV und ALS wurde beschlossen, für insgesamt 115 000 Euro neben der Konto-Ausgleichung auch den Hauptschaltschrank sofort zu bezahlen.

Boris Forstner

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