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Schongauer Europaplatz ohne Europa-Bezug

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Dieses Kunstwerk, das Schongau und seine Partnerstädte repräsentiert, hätte Hubert Pfeffer gerne auf dem neuen Europaplatz-Kreisverkehr gesehen. foto: bo
Dieses Kunstwerk, das Schongau und seine Partnerstädte repräsentiert, hätte Hubert Pfeffer gerne auf dem neuen Europaplatz-Kreisverkehr gesehen. foto: bo

Schongau - „Europaplatz“ soll der Kreisverkehr an der Augsburger Straße heißen. Das wäre ein schöner Platz für ein Kunstwerk, dachten sich die Künstler - und blitzten bei der Stadt ab.

Mit seinen sechs Stelen, die Schongau und seine Partnerstädte repräsentieren, wäre der Peitinger Künstler Hubert Pfeffer vor mehr als zehn Jahren fast auf dem damals neuen Kreisverkehr an der Marktoberdorfer Straße gelandet. Doch ein anderer Entwurf wurde seinem vorgezogen. Als Pfeffer jetzt hörte, dass der neue Kreisverkehr Europaplatz heißen soll, kramte er sein Modell wieder hervor: „Das passt ja perfekt dorthin“, dachte er sich und wurde bei Stadtbaumeister Ulrich Knecht vorstellig.

Doch der winkte ab. Man habe sich damals bewusst gegen eine teure Variante entschieden und das eigene Gartenbauamt für die Planung beauftragt. Dessen Vorschläge waren im Juni vom Bauausschuss für gut befunden worden - eben mit der pflanzerischen Lösung. „Durch den Namen Europaplatz hat das natürlich eine besondere Bedeutung bekommen, das schreit eigentlich nach einer anderen Gestaltung“, gibt Knecht zu. Ihm ist auch klar, dass sich Künstler dadurch inspiriert fühlen. „Die haben es nicht einfach und wollen so eine Gelegenheit natürlich nutzen“, sagt der Stadtbaumeister.

Nicht nur Pfeffer, auch ein weiterer Künstler sei mit einem Entwurf vorstellig geworden. Nachdem damals im Juni beschlossen wurde, über den Europa-Bezug und die Einbeziehung der Partnerstädte zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu diskutieren, hat der Bauausschuss laut Knecht (nichtöffentlich) über das Thema beraten. Natürlich wäre es möglich gewesen, einen kleinen Künstlerwettbewerb mit Jury auf die Beine zu stellen. Doch das sei wieder mit hohen Kosten für die geistige Leistung verbunden gewesen, und das Kunstwerk selbst gebe es auch nicht geschenkt. Da müssen Arbeiten ausgeschrieben werden, in Pfeffers Fall beispielsweise für die Edelstahlstelen. Und nicht zuletzt gebe es dann Juryentscheidungen, bei denen der Bürger aufheule, nach dem Motto: Was soll das denn sein? „Deshalb hat man im Ausschuss gesagt, man bleibt bei der bereits beschlossenen sparsamen Lösung“, sagt Knecht.

Pfeffer war enttäuscht. „Eine Stadt wird auch durch Kunst aufgewertet, aber dafür und für Kultur hat man auch in der Vergangenheit in Schongau schon wenig übrig gehabt“, ärgert er sich und verweist unter anderem auf das Museum, das nicht mehr in städtischer Obhut ist. Es sei bequem, Banken und anderen privaten Geldgebern diesen Part zu überlassen.

Zum Teil kann Knecht diesen Vorwurf nachvollziehen. „Natürlich beklagen sich die Künstler bei mir, dass sich die öffentliche Hand mit derartigen Aufträgen zurückhält.“ Doch beispielsweise habe man sich viel Mühe gemacht, die alten Reliefs der Dreifachturnhalle wieder an die neue Lechsporthalle zu integrieren und gebe dafür auch viel Geld aus. Die Bäume sollen in Absprache mit dem Gartenbauamt erst im Frühjahr gesetzt werden, da hätten sie eine bessere Anwuchschance, heißt es. Vielleicht überlegt es sich die Stadt bis dahin ja noch einmal anders - die Künstler würde es freuen.

(bo)

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