1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau

Im Schongauer Forstamt: Lieber Kinder statt Asylbewerber

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Schongau - Könnte das Asylbewerberheim im alten Schongauer Forstamt noch irgendwie verhindert werden? Das war eine der entscheidenden Fragen in der Stadtratssitzung.

Laut Peter Blüml (CSU) gebe es ein Urteil des Verwaltungsgerichts München vom Oktober 2010, in dem eine Einrichtung in einem Wohngebiet verboten wurde. „Bei uns liegt es direkt an der Grenze zu einem reinen Wohngebiet, das wäre eine Überlegung wert“, sagte er. Laut Martin Schelter von der Regierung habe man die Belegung in dem betreffenden Münchner Heim aber von 500 auf 230 mehr als halbiert, der Antrag auf Revision sei gestellt. „Wir gehen davon aus, dass das Urteil nicht standhalten wird“, ist er überzeugt.

Baurechtlich habe man ebenfalls schlechte Karten, legte Stadtbaumeister Ulrich Knecht dar. „Das dürfte sehr schwer werden.“ Man könnte das alte Forstamt in das angrenzende reine Wohngebiet mit einpacken, das bedeute aber hohe Anforderungen. „Da dürfen nachts nur 35 Dezibel herrschen, das ist nur so laut wie ein Springbrunnen.“ Doch so eine Eingemeindung des alten Forstamts sei städtebaulich schwer zu begründen, zumal ein Mischgebiet mit höherer Dezibelgrenze quasi direkt auf der anderen Straßenseite beginne.

„Gibt es da keinen gemeindlichen Bedarf? Das sind 4200 Quadratmeter bester Baugrund“, insistierte Blüml und regte einen Kauf durch die Stadt an. „Wir können doch nicht Grundstücke kaufen ohne zu wissen, was wir damit anfangen können“, regte sich Robert Bohrer (SPD) auf. Helmut Hunger (CSU) wüsste aber schon etwas: Ein Kindergarten hätte in dem Wohngebiet perfekt Platz und sei auch notwendig, weil dort viele Familien mit kleinen Kindern leben. „Die fahren wir sonst durch ganz Schongau.“

Gerbl versprach, das unter die Lupe zu nehmen, wurde von seinem Hauptamtsleiter Bernd Liebermann aber gleich ausgebremst. Abgesehen davon, dass allein im städtischen Kindergarten Regenbogen derzeit noch elf Plätze ab September frei sind, könne nicht in jedem Neubaugebiet ein Kindergarten gebaut werden. „Schließt man dann die im Westen? Und öffnet sie wieder, wenn die nächste Generation nachkommt?“, fragte er.

Laut Michael Motz (UWV) wäre ein Kindergarten dort trotzdem sinnvoll. Durch die Untätigkeit des Bürgermeisters sei der Wert des alten Forstamts, das seit Jahren wie Sauerbier angeboten wurde, aber in kürzester Zeit um das Doppelte gestiegen. „Da könnte man fünf Bauplätze draufmachen, doch Sie haben nicht reagiert“, warf Motz ihm vor. Es sei kein Bedarf dagewesen, entgegnete Gerbl. Außerdem sei es mehr als fraglich, ob der Staat das alte Forstamt wegen des Interesses an einem Asylbewerberheim überhaupt noch verkauft hätte. Und zum Thema Kindergarten ergänzte Liebermann noch: „Wir haben mehrere Grundstücke in der Lechvorstadt. Wenn die Stadträte Bedarf sehen, könnte wir sofort bauen und brauchen kein teures Grundstück kaufen.“

Boris Forstner

Auch interessant

Kommentare