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Die Fußgängerzone in Schonqau ist manchmal wie ausgestorben. Und das bekommen auch die Geschäftsleute immer mehr zu spüren.

Schongauer Fußgängerzone in der Diskussion

„Es ist brutal ruhig auf dem Platz“

Schongau - Sie ist Bayerns jüngste und wohl auch kleinste, die Fußgängerzone auf dem Marienplatz. Und wohl auch die, über die seit ihrer Einführung am meisten diskutiert wurde; auch jetzt bei der Hauptversammlung der Werbegemeinschaft Altstadt Schongau.

Auf den Punkt gebracht hat es die Tochter von Franz Köpf, als diese wieder einmal ihre Heimatstadt besucht und Zeit übrig hatte. Sie sei in das elterliche Geschäft gekommen und habe gemeint: „Wo willst da bummeln gehen?“, erzählte ihre Mutter. Euphemistischer formulierte es der Chef der Werbegemeinschaft, Franz Köpf, der tagtäglich auf das Elend schauen kann: „Es ist brutal ruhig auf dem Platz.“ Es gebe kaum Frequenz im Laden, und beim Blick in die Kasse gebe es derzeit nur rund die Hälfte der Kassenbewegungen wie sonst. Als serviceorientierter Geschäftsmann fahre er des öfteren auch raus zu den Kunden. Und dabei habe ihm eine 80-jährige Dame erklärt: „Seit ihr die Fußgängerzone habt’s, fahr ich nicht mehr rauf in die Altstadt zum Einkaufen, sondern nach Schongau-West.“

Noch finsterer muss es wohl bei den Fieranten des Wochenmarktes aussehen, wie Köpf weiß. So verzeichnete Fisch-Lutz einen Umsatzrückgang von 30 Prozent, wie Köpf erfuhr. Weshalb die Marktleute sich auch schon über einen alternativen Standort Gedanken gemacht haben.

Mit Blick auf die Klientel bemerkte Köpf, dass man in der Altstadt für die älteren und nicht so technikaffinen Kunden, die das Internet nicht so sehr nutzen würden, da sei. Diese Kunden seien nicht mehr so mobil, auf ihr Auto angewiesen und würden auch schon mal anrufen, im Notfall, und nachfragen, wie man das Geschäft am Besten erreichen könne. „Diese Zielgruppe droht wegzubrechen!“. Seiner Beobachtung nach kämen zwar mehr Kunden, die wissen, was sie wollen und kaufen – „weniger Sehleute“, so Köpf – aber insgesamt weniger Kunden.

„Geisterstadt“ macht die Runde

Doch nicht nur die älteren Bürger, die für ihre Besorgungen auf das Auto nicht verzichten können, kommen seltener. Auch die Jugend verirre sich kaum noch in die „Geisterstadt“ – ein Begriff, der auch unter den Mitgliedern der Werbegemeinschaft die Runde machte. Es fehlten Frequenzbringer wie das versprochene Modehaus oder Läden, in denen man „kruschteln und stöbern könne“.

Susanne Dreher vom Jeanscafé meinte dazu entsetzt: „Mich hat der Schlag getroffen, als Depot in den Westen rausgegangen ist“. Damit habe man die Chance auf einen Magneten in der Stadt vertan, so Dreher, die in ihrer Meinung von anderen Damen des Gremiums unterstützt wurden. Beatrice Amberg: „Wir brauchen keinen Ramsch, aber Stöberläden“ – dieses Sortiment fehle komplett in der Altstadt. Gerade Geschäfte wie Depot würden einen ziemliche Lauffrequenz erzeugen und gehörten in die Altstadt und nicht auf die grüne Wiese.

Eine Erkenntnis, die sich auch in der Verwaltung durchsetzen könnte, wenn das von Yvonne Voigt angesprochene Einzelhandelskonzept irgendwann umgesetzt wird. Schon jetzt gibt es beispielsweise die so genannte Ulmer Liste, nach der Geschäfte mit einem speziellen, so genannten innenstadtrelevanten Angebot zwingend in die Innenstadt müssen und nicht abseits davon sich ansiedeln dürfen. Man hätte hier vorausschauend agieren müssen so die Kritik. Beispielsweise würde auch Kirstein auf seinen 800 Quadratmetern Fläche sitzen bleiben, weil die Parkplätze in der Innenstadt fehlten.

Wer kommt in den alten NKD-Markt

Und Köpf malte ein düsteres Bild, denn nach der Schließung und Renovierung des NKD-Marktes sei die Zukunft dieses Ladenlokals mehr als ungewiss. Für ein benachbartes Geschäft, ebenfalls geschlossen, sei als Nachmieter eine Kneipe im Gespräch, so die Gerüchteküche. Ebenfalls kein attraktives, zum Bummeln einladendes Geschäft, das die Tochter von Franz Köpf so sehr vermisst in der Altstadt. Weshalb diverse Ideen eingebracht wurden, neben mehr Grün könnte sich mancher, nach italienischem Vorbild, vorstellen, die Fußgängerzone in der Winterszeit für den Autoverkehr wieder zu öffnen, um wenigstens die Frequenz der Besucher wieder zu erhöhen.

Oliver Sommer

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