Verhandlung wird fortgesetzt

Schongauer Hundebiss vor Gericht

Schongau - Vor einem Jahr war eine Schongauerin in der Lechvorstadt von zwei Hunden attackiert und verletzt worden, nun ist der Fall vor Gericht. Weil allerdings der Hundebesitzer nicht auf alle Fragen der Richterin eindeutig antwortet, sollen nun erst einmal die Nachbarn befragt werden.

In vielen Punkten unklar blieb die Verhandlung am Amtsgericht Weilheim wegen fahrlässiger Körperverletzung nach einem Angriff eines Hundes mit mehreren Bissen. Waren es zwei Hunde, die plötzlich auf die 26-jährige Schongauerin zuliefen, wobei einer sie mehrmals biss? Konnte die Geschädigte tatsächlich sehen, dass die Hunde vom Grundstück des Angeklagten kamen? Und war dieser überhaupt der Halter des Hundes? Fragen, die in dieser Verhandlung nicht eindeutig geklärt werden konnten.

Fakt ist, dass Zeus, ein belgischer Schäferhund, schon mehrmals auffällig geworden war. Schon 2011 biss er einen Spaziergänger in die Hand, und sogar die eigene Tochter des Angeklagten soll der Hund angegriffen haben. In beiden Fällen nahm der 43-jährige Schongauer den Hund jedoch in Schutz. Den Spaziergänger habe er nur verbellen wollen, und zum Angriff auf seine sechseinhalb jährige Tochter sagte er: „Sie ist dem schlafenden Hund von hinten an den Rücken gegangen, da hat er halt zugeschnappt.“

Laut Auflagen des Landratsamtes darf Zeus nur noch an der Leine geführt werden und muss einen Beissschutz tragen. Wie gefährlich der Hund ist, ergab sich auch aus einer von der Richterin verlesenen E-Mail. Hierin wurde der Hund über ebay zum Verkauf angeboten und als aggressiver Hund geschildert, der in erfahrene Hände sollte. Der Angeklagte bestritt jedoch, dieses Verkaufsangebot gemacht zu haben.

Nach Aussage der Geschädigten kam Anfang Februar 2015 in der Wohngegend des angeklagten Schongauers plötzlich ein kleinerer Hund auf sie zugelaufen. Dann sei ein weiterer, diesmal großer, dunkler Hund vom Grundstück des Angeklagten gekommen und habe sie angegriffen. „Ich hatte Todesangst“, sagte die Geschädigte vor Gericht. Mit ihrer Tasche und mit dem Ärmel ihres dicken Mantels habe sie versucht, den Hund abzuwehren. Doch der biss sie mehrmals in den Arm und in das Gesäß. Sie sei unter Schock gestanden und habe zwei Wochen nicht zur Arbeit gehen können, sagte die Schongauerin.

„Sie konnten von Ihrer Position gar nicht sehen, ob der Hund von meinem Grundstück kam“, sagte der Angeklagte vor Gericht und legte zusammen mit seiner Verteidigerin eine entsprechende Skizze vor. Dies muss weiterhin überprüft werden. Genauso wie die Tatsache, ob der Hund überhaupt das stark eingezäunte, noch zusätzlich mit einem Sicherheitstor versehene Grundstück verlassen konnte. Eingeräumt hatte der Angeklagte, dass das Schloss des nahezu zwei Meter hohen Doppeltores anscheinend nicht richtig funktioniere, machte dazu aber vage Angaben.

Dass auch der zweite, kleinere Hund seiner sei, bestritt der Angeklagte und legte ein Schreiben vor, in dem bestätigt wurde, dass er diesen Hund schon im Januar 2015, also ein paar Tage vor dem Vorfall, abgegeben habe. Außerdem bestritt er, der Halter und Besitzer des Hundes zu sein, obwohl er bei den Angaben im Münchner Tierheim das Gegenteil behauptete. Der Hund wurde von ihm freiwillig nach dem Angriff auf die Geschädigte dorthin gebracht. „Ich musste mich als Halter ausgeben, sonst hätten sie den Hund nicht genommen“, sagte er vor Gericht.

Der Angeklagte arbeitet laut eigenen Angaben sehr häufig im Ausland und kann sich nicht regelmäßig um den Hund kümmern. Auf die Frage der Richterin, wem der Hund denn nun gehöre, antwortete der Angeklagte nicht direkt. „Das möchte ich nicht sagen. Es ist ein naher Familienangehöriger“, erklärte er. Um herauszubekommen, wer der Besitzer ist, beschloss die Richterin, die Nachbarn zu befragen. So soll auch geklärt werden, wie oft sich der Angeklagte um den Hund gekümmert hat. Und vielleicht ergeben sich dabei auch Hinweise auf die Sicherheit der Umzäunung des Grundstücks. Die Verhandlung wird fortgesetzt.


Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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