Das ist ihr Ton: Die neunjährige Patin Doris durfte an der neuen Orgel in der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt ihre Pfeife spielen. foto: bse-pictures

Schongauer Orgelpaten durften "ihren" Ton ausprobieren

Schongau - Viele Pfeifen der neuen Orgel in der Schongauer Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt haben einen Paten. Und die durften jetzt „ihren" Ton einmal ausprobieren.

Die Sanften haben einen Deckel, der ihren Klang leise macht. Die Schlanken mit einer Länge bis zu 2,5 Meter überzeugen durch ihren warmen, Streichern ähnlichen Klang. Die „Vox coelestis“, ein Spürchen höher gestimmt, scheint gar überirdisch über den Geschwister-Registern zu schweben. Rosemarie Wegmann vom Kulturverein strahlt. Sie hat sich ihren Herzenswunsch erfüllt und sich ganz bewusst fürs hohe „f“, den strahlenden Höhepunkt ihrer geliebten Bach d-moll-Toccata, entschieden. Behutsam folgt sie der Anleitung von Organist Andreas Wiesmann und spielt zum ersten Mal in ihrem Leben ihr „f“.

Dicht gedrängt um den Spieltisch aus edlem Eichenholz stehen nach der „Musik zum Tagesausklang“ nicht nur die sichtlich neugierigen und begeisterten Orgelpfeifenpaten. Auch viele Interessierte hat es wie magisch auf die Orgelempore gezogen, um dem Geheimnis der Königin der Instrumente auf die Spur zu kommen. Andreas Wiesmann und der Vorsitzende des Fördervereins „Mariae Himmelfahrt“, Helmut Hunger, picken sich aus den langen Listen die jeweiligen Paten-Namen. Zum Jahresausklang ist es eine wunderbare Idee, „seine“ gesponserte Pfeife auch einmal selber spielen zu dürfen.

Michael Platz hat sich für die 4,5 Meter lange, imposant dröhnende Posaune entschieden. Gerne hört man in seiner Familie Orgelmusik, besucht natürlich auch regelmäßig die „Musik zum Tagesausklang“. Michael Hunger fühlt sich schon „beinahe wie ein Orgelspieler“. Zehn Jahre hat er in der Kirche ministriert, da ist es „einfach Ehrensache“, eine Patenschaft zu übernehmen. Auch der Schongauer Karl Böhm findet es ganz selbstverständlich, dass er den Orgelbau in der Kirche, in der er aufgewachsenen ist, unterstützt.

Die wenigsten der 2600 Pfeifen sind allerdings zu sehen. Die Längste misst gute sechs Meter, die kleinste bzw. höchste nur neun Millimeter. Wiesmann zwinkert, „Die klingt dann eher wie ein Zahnarztbohrer“, verrät Wiesmann mit einem Augenzwinkern. Die Ausmaße der Orgel entsprechen einer ganzen Hausfassade: Zehn Meter breit, 8,5 Meter bis zur Mutter Gottes im Strahlenkranz hoch. Gut 13 Tonnen Gewicht ruhen vor allem auf einer dem Kirchenbesucher unsichtbaren Stahlträgerkonstruktion. Vier Meter lang sind die beiden im Verborgenen liegenden Blasbälge. Der Windverbrauch liegt bei 36 Kubikmeter pro Minute.

Während Organist Wiesmann erklärt, welche Vorteile das liegende Schwellwerk und die Crescendowalze haben, spürt man, mit welcher Begeisterung der junge Kirchenmusiker für „sein“ Instrument brennt. Die Registerzüge mit den poetischen, klangvollen Namen wie „Vox humana“ (menschliche Stimme), Schwiegel, Rankett, Viola da Gamba, Geigenprincipal 8‘ oder Superoctave 2‘ sind elektronisch gesteuert. Mit USB-Anschluss und bis zu 8000 Programmierungsmöglichkeiten. Von den 650 000 Euro Kosten für die Orgel sind derzeit noch rund 85 000 offen. Den Spieltisch und spezielle Pfeifen hat der rege Förderverein mit stolzen 100 000 Euro bereits finanziert.

Die großen Augen von Marion und Doris Hack leuchten. Endlich sind die beiden neunjährigen Mädchen an der Reihe, um ihre Pfeifen dis und d zu entdecken. Ihre Schwester Andrea, die natürlich ein „a“ hat, konnte leider nicht mitkommen. Beide spielen zu Hause Klavier und sind sich sofort einig: „Ein tolles Gefühl“ ist es, eine eigene Pfeife zu haben. Noch gibt es eine Reihe von offenen Patenschaften. Rein rechnerisch ist nämlich für jeden fünften Schongauer an der Sandtner-Orgel, dem Himmel akustisch ein Stückchen näher, ein Pfeifenplätzchen frei.

fle

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