+
Das bisher letzte große Festspiel war 2010 der Faust.

Schongauer Sommer plant für 2016

Henkerstochter als Theaterstück auf Schongaus Freiluft-Bühne

Schongau - Bisher gab es jedes Jahr beim Schongauer Sommer neben dem Historischen Markt auch eine kulturelle Veranstaltung. Dieses Jahr erstmals nicht. Dafür will die junge Theatergruppe Treibhaus 2016 die Henkerstochter als Weltpremiere auf die Bühne bringen.

Mit den großen Freiluft-Theaterstücken hat der Verein Schongauer Sommer unter dem Vorsitzenden Manfred Wodarczyk zuletzt nicht viel Glück gehabt. Sowohl der Faust (2010) als auch der Medicus vom Orient (2013) lockten nicht die erhoffte Zuschauerzahl an. Das soll sich nächstes Jahr ändern. Denn Wodarczyk will zusammen mit den jungen Theaterleuten vom Verein Treibhaus, die seit 2013 bereits zahlreiche Stücke unter anderem im Kulze Schwabniederhofen auf die Bühne gebracht haben, ein populäres Stück aufführen: den ersten Roman der Henkerstochter von Bestseller-Autor Oliver Pötzsch.

„Die Idee kam von den Theaterleuten“, sagt Wodarczyk. Nachdem eine Zusammenarbeit des Theatervereins Treibhaus – alles ehemalige Absolventen des Welten-Gymnasiums – mit der Stadt Schongau nicht zustande kam, sprang Wodarczyk in die Bresche. „Ich war sofort begeistert von der jungen und dynamischen Gruppe, das macht richtig Spaß“, sagt Wodarczyk. Dazu als Stück die Henkerstochter über die Familie Kuisl, deren direkter Nachfahre Autor Pötzsch ist – diese Mischung soll endlich wieder erfolgreich sein und an die legendären Hexen-Schauspiele erinnern, von denen in Schongau noch immer geschwärmt wird.

Laut Wodarczyk werden bei der Henkerstochter bis zu 60 Personen auf der Bühne stehen, „es ist das größte Stück seit Faust“. Die nötigen Verträge seien unterschriftsreif, das Drehbuch fertig. Bereits seit vier Monaten laufen die Vorbereitungen für das Festspiel, das in genau einem Jahr ab Mitte Juli 2016 acht Tage lang am Bürgermeister-Schaegger-Platz aufgeführt werden soll. Ob es wie beim Faust eine große Tribüne geben wird, ist noch unklar. Wodarczyk könnte sich auch vorstellen, normal zu bestuhlen und dafür die Bühne zu erhöhen, damit jeder Besucher gute Sicht hat – eine Lehre aus dem Medicus, wo genau das ein Problem war.

„Die Entscheidung ist noch unklar“, so Wodarczyk, es sei schließlich auch eine Kostenfrage. Seine Kalkulation allein fürs Festspiel beträgt 85 000 Euro, deshalb hofft er auf Unterstützung der Stadt – sein 15 000-Euro-Zuschussantrag wird heute im Stadtrat behandelt. Wodarczyk kann sich als Rahmenprogramm auch Führungen an den jeweiligen Stationen des Buches vorstellen und will dafür die Tourist Info einbinden.

Überlegt wird nach den bitteren Regen- und Gewitter-Erfahrungen der vergangenen Jahre auch, die Besucher unter ein Dach zu setzen und so bei Regen zu schützen. „Wir probieren da dieses Jahr am Historischen Markt schon etwas aus und schauen, ob es sich bewährt“, sagt Wodarczyk.

Henkerstochter-Autor Oliver Pötzsch würde sich freuen, wenn Schongau seine Romanfigur mit dem Hintergrund der Hexenprozesse als Werbung für die Stadt begreift – so hatte er sich bereits vor einem dreiviertel Jahr im SN-Interview geäußert. „Es ist schön, wenn die Figuren aus meinem Kopf Gestalt annehmen, und ich freue mich zu sehen, wie Jakob Kuisl und seine Tochter Magdalena auf der Bühne aussehen“, sagte Pötzsch. „Ich hoffe doch schwer, dass mich jemand zum Stück einlädt.“

Boris Forstner

Auch interessant

Kommentare