Rund um die Hütte auf dem Schloßberg besteht an Silvester ab sofort ein Raketen-Verbot. foto: bse-pictures

Schongauer Stadtrat verbietet Feuerwerk am Schloßberg

Schongau - Die Stadt Schongau weitet das Raketenverbot an Silvester aus: Schon ab diesem Jahr ist auch der Schloßberg tabu. Nicht alle Stadträte waren darüber begeistert.

Die Beinahe-Katastrophe an Silvester 2008, als eine Silvesterrakete durch ein Fenster der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt flog und fast den Christbaum in Brand gesteckt hat, ist den Verantwortlichen nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Bereits im Jahr darauf wurde im Schongauer Stadtrat einstimmig ein Abschussverbot an Silvester für die Altstadt und die umliegenden Wege erlassen, 2011 kam noch der Platz um die Bücherei am Münztor dazu.

Jetzt folgt der nächste Schritt, und das ist der Schloßberg. Stadtförster Klaus Thien habe sich mit der Bitte an die Stadt gewandt, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl in der Stadtratssitzung. „Das Verbot soll für die ganzen freien Flächen rund um die Hütte gelten“, sagte Reinhold Jaser anhand einer Luftbildkarte. Zur Begründung führte er an, dass dort oben an Silvester immer mehr los sei und deshalb die Waldbrandgefahr steige.

Doch bei Nina Konstantin (ALS) stellten sich vor allem im Hinblick auf die Kontrolle einige Fragen: „Wer überwacht das denn? Es hat ja jetzt schon Beschwerden gegeben, wenn jemand in der Altstadt die Polizei gerufen hat und die keine Zeit hatten.“ Ohne Kontrolle könne man sich das Verbot sparen.

Jaser gab ihr in dieser Hinsicht völlig Recht: „In der Altstadt sind Polizei und Sicherheitswacht unterwegs, das klappt da gut.“ Das sei auf dem Schloßberg natürlich nicht möglich. Dafür war Thien vergangenes Jahr vor Ort. „Der kann natürlich nicht Polizei spielen, aber die Personalien aufnehmen“, sagte Jaser. Grundsätzlich hoffe man aber auf Verständnis aus der Bevölkerung. „Es ist wichtig, dass die Leute die Lust verlieren“, sagte Gerbl. „Die sollen lieber an die Bürgerstiftung spenden.“

Heinrich Forster (SPD) dagegen ging das ganze zu weit. „Auch wenn ich keine Raketen abschieße, bin ich seit 25 Jahren dort oben. Das ist die einzige Möglichkeit, wo man Silvester noch hinkann.“ Da sei noch nie etwas passiert, ein Peitinger kümmere sich auch immer, dass danach der ganze Müll aufgeräumt werde. Deshalb sollte man das Feuerwerk auf dem Schloßberg auch nicht einschränken.

Doch bei Gerbl biss er auf Granit. „Das wird mehr dort oben, wir wollen den Wald schützen“, sagte er kurz und knapp. „Wir wollen ein Zeichen setzen.“ Sein SPD-Parteikollege und Fraktionssprecher Max Martin wiederum war ebenfalls anderer Meinung. „Die Leute lachen den Thien doch da oben aus“, fürchtete er. Schließlich werde auch in der Altstadt von einigen wenigen weiter Raketen abgeschossen. „Innerhalb dieser einen Stunde kann man einfach nicht alles kontrollieren“, sagte Martin. Doch die Entscheidung fiel mit großer Mehrheit und nur fünf Gegenstimmen.

Peitings Bürgermeister Michael Asam traf die Nachricht überraschend. Schließlich pilgern auch viele Peitinger auf den Schloßberg, auch wenn er zu Schongau gehört. „Es ist immer ein schönes Bild, wenn die Leute mit Fackeln dort hochwandern“, sagt Asam, der selbst auch einmal dort oben ins neue Jahr gefeiert hat. „Es stellt sich mittlerweile die Frage: Wo sollen die Leute noch hin?“, sagte Asam, der selbst erst vergangene Woche im Gemeinderat über ein - letztlich abgelehntes - Abbrennverbot diskutiert hat. „Es ist schade, dass so eine Tradition immer weiter eingeschränkt wird. Da oben war es ein bisschen wie das Treffen der Gemeinde.“

Das Argument Waldbrandgefahr kann Asam aber nachvollziehen. „Wenn es sehr trocken ist, kann ich Herrn Thien verstehen.“ Das bestätigt auch Schongaus Feuerwehrkommandant Werner Berchtold: „Erst vergangenes Jahr hatten wir Silvester zwei Einsätze wegen Bränden an Wiesen und Hecken.“ Es komme natürlich aufs Wetter an: Bei einer geschlossenen Schneedecke sei das kein Thema. „Aber wenn es so trocken ist wie jetzt, ist eine Gefahr durchaus gegeben“, sagte Berchtold.

(bo)

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