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Schongauer Studenten fordern freie Bildung

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Schongau - Miete für ein Apartment in Uni-Nähe, Fahrtkosten, Lernmaterial und zusätzlich rund 500 Euro Studiengebühren. Wie hoch ist die Belastung für Studenten aus dem Schongauer Land?

Hohe Rechnungen flattern den bayerischen Studenten in ihre kleinen Buden: 590 Euro Studiengebühr. Dazu kommt die Wohnungsmiete. Mit einem kleinen angesparten Geldpolster versucht Raphael Schamper aus Kinsau, seine Rechnungen zu bezahlen. Der 22-Jährige hat schon, bevor er sein Lehramtstudium für Mathe und Chemie an der Uni Regensburg begonnen hat, fleißig gespart. Mit Gelegenheitsjobs wie Nachhilfe geben, finanziert er sich jetzt seine Studienzeit.

Hin und wieder wird er informiert, wofür sein Geld ausgegeben wird, doch anstatt eines neuen Beamers im Hörsaal würde er sich lieber eine saubere Unitoilette wünschen. Und sollte ihm sein Gespartes doch einmal ausgehen, hat Raphael eine Notfalllösung: „Sollte es hart auf hart kommen, kann ich mich bestimmt auf Mami und Papi verlassen, aber das ist nicht mein Plan.“

Den finanziellen Engpass kennt Studentin Stefanie Wewerka nur zu gut. Zwei Semester lang musste sie Geld fürs Studieren zahlen, dann hat ihr das Babyglück in ihrer Familie Abhilfe verschafft. „Dank meinem zweiten Brüderchen muss ich keine Gebühren mehr zahlen“, erklärt Stefanie. Voraussetzung ist, dass ihr und den beiden Geschwistern Kindergeld gezahlt wird. Dann ist der Erlass der Studiengebühren sozusagen eine Belohnung für kinderreiche Familien - und der Grund, warum Stefanie nicht jeden Cent zweimal umdrehen muss.

Daran kann sich ihr Freund Stefan Heiß noch gut erinnern. Obwohl er schon seit Beginn seines Studiums von den Studiengebühren befreit ist - ebenfalls wegen seiner zwei Geschwister -, weiß er von Stefanie genau, wie groß die Belastung war. „Deshalb werden wir auch beide am Volksbegehren teilnehmen“, versichert der junge Mann. „Rein aus Solidarität.“

Das will auch Johanna Neudert aus Peiting tun. Ihr Lehramtstudium für Latein und Französisch an der Universität Regensburg würde sie im Normalfall 500 Euro im Semester kosten. Weil ihr großer Bruder Matthias allerdings schon seit längerem Student ist und zahlen muss, entfällt für sie der Beitrag. Auch für die Miete muss sie nicht selbst aufkommen.

Über die großartige Unterstützung ihrer Eltern ist auch Julia Grohnert aus Schwabsoien froh. Die 20-Jährige studiert Englisch und Sport auf Lehramt für Gymnasium an der Universität Augsburg. „Meine Eltern halten mir den Rücken frei, indem sie mir Miete und Studiengebühren zahlen.“ Für ein kleines Taschengeld und den ein oder andern Luxus, den man sich gerne einmal gönnt, bedient die junge Frau gelegentlich nebenher in Gaststätten.

Auch der 22-jährige Johannes Priewich geht einigen Gelegenheitsjobs nach. „Zwar greifen mir meine Eltern finanziell unter die Arme, ganz unselbstständig will ich aber auch nicht sein“, findet er. Ohne Mama und Papa wären seine Studien in Kommunikations- und Politikwissenschaften sowie Anglistik an der Uni Bamberg allerdings nicht möglich.

Doch in einem Punkt sind sich die Studenten aus dem Schongauer Land alle einig: Wenn schon Studiengebühren, dann sollten sie ihnen selbst zu Gute kommen. Helle und größere Räume, neue Lernmaterialien und ein gutes Freizeitangebot sind nur einige der genannten Wünsche.

Franziska Bär und Carolin Nuscheler

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