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Vor dem Umzug beschlagen Franz Reßle sen. und Sohn Franz jun., Organisatoren des Schongauer Leonhardiritts, alle Pferde neu. Neun eigene Kaltblüter sind dabei.

Vor den Leonhardiritten

Viel Arbeit vor dem Pferdesegen

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Schongau/Rottenbuch - Leonhardiritte sind in der Region nicht nur hochgehaltenes Brauchtum, sondern bedürfen im Vorfeld jeder Menge Organisation. Wer verkauft die Festzeichen, wer sperrt die Straßen ab, wer entsorgt die Pferdeäpfel? Die SN haben in Schongau und Rottenbuch nachgefragt.

Wo Pferde sind, gibt es auch Pferdeäpfel. Wer klaubt diese in Rottenbuch nach dem Leonhardiritt auf? „Da hab ich noch nie darauf geachtet“, sagt lachend Bürgermeister Markus Bader, der sich aber sicher ist, dass die Gemeinde die Bundesstraße nicht reinigt. Und beschwert habe sich noch keiner.

Wer räumt die Pferdeäpfel weg?

In Schongau sieht das ganz anders aus. Da ist nach einer Hochzeitskutschenfahrt der erste Anruf wegen der Hinterlassenschaft da, bevor die Pferde überhaupt wieder im Stall stehen, wie Franz Reßle sen. und jun. erzählen. Also bildet an Leonhardi die Kehrmaschine des Bauhofs quasi den Abschluss des Reiterzuges durch die Altstadt. Am Reßlehof hatte man vor rund 30 Jahren den Schongauer Leonhardiritt reaktiviert. Nach anfänglich vier Pferden vom eigenen Hof und den Nachbarn sind mittlerweile neun eigene Kaltblutpferde, drei Ehrenkutschen und drei Festwagen sowie regelmäßig an die 100 befreundete Reiter aus Schongau und den umliegenden Ortschaften dabei.

Bis der Zug am Samstag, 5. November, in der Dornau Aufstellung nehmen kann, ist für Familie Reßle viel zu tun. Alle Pferde müssen rechtzeitig frisch beschlagen werden. Am Tag des Umzugs heißt es früh aufstehen: Pferde waschen von Kopf bis Fuß, in den Schweif Bänder und Blumen einflechten, einen Kopfschmuck herrichten. Besonders prachtvoll geschmückt werden die Pferde der drei Vorreiter. „Zwei bis drei Leute sind mindestens eine Stunde beschäftigt“, so Reßle.

Die Planung vorab nimmt ebenfalls jede Menge Zeit in Anspruch: Einladung der Gäste für die Ehrenwagen – vom Bürgermeister über den Sparkassen-Vorstand, die Landrätin bis hin zum Stadtpfarrer. Absprachen mit Bauhof, Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt, der Bewirtung und nicht zuletzt mit Stadtkapelle und Trachtenverein. Da es in Schongau keinen eigenen Leonhardiverein gibt, wird alles selbst erledigt – mit Unterstützung vieler helfenden Hände.

In Rottenbuch steht die Gemeinde hinter der Planung des Leonhardi-Ritts, der am Sonntag, 6. November, stattfindet. Dass bereits rund eineinhalb Monate vorher mit Planung und Organisation begonnen wird, bekommen die vielen Zuschauer kaum mit. So haben sich Vertreter aus Unterammergau, Rottenbuch, Schwangau und Wildsteig beispielsweise am 5. Oktober getroffen. Denn schließlich nehmen viele Reiter, Standartenträger der Vereine oder Lenker von Festwagen nicht nur an einer Veranstaltung in der Umgebung teil, sondern gleich an mehreren.

Musikkapellen wechseln sich ab

In Rottenbuch arbeitet Bürgermeister Markus Bader mit Unterstützung von Daniela Heiserer eine Checkliste ab. Einladungen für die Ehrengäste versenden, Festabzeichen bestellen, Anzeigen schalten, der Presse Bescheid geben – die Verwaltungsangestellte hat alle Hände voll zu tun. Einige Dinge wiederholen sich Jahr für Jahr. Die Absperrung selbst übernehmen Mitglieder der Feuerwehr, wobei im Bauhof vorher alles hergerichtet werden muss. Selbstverständlich sind in Rottenbuch auch die Vereine mit dabei. So betreibt beispielsweise die Tennisabteilung den Würstlstand. Und auch die Musik ist gefragt: Traditionell wechseln sich die Musikkapellen von Rottenbuch, Bad Bayersoien, Schönberg und Böbing damit ab, wer die Messe spielt.

Abgesprochen werden muss natürlich auch alles mit der Kirche. Pfarrer Gerhard Gumpinger etwa hat immer selbst hoch zu Ross den Zug angeführt, sein Nachfolger Josef Fegg hat die Feuertaufe vergangene Woche in Wildsteig bestanden. Bader dagegen bevorzugt den Festwagen: „Da kann man viel besser ratschen.“ Er ist erst zum dritten Mal dabei. Der Umzug im Ort hat aber eine lange Tradition: Es ist der 69. in Folge – im vergangenen Jahr gab es eine Rekordbeteiligung von 191 Reitern. „Das ist schon eine stolze Zahl und beweist, dass die Herzen der Bevölkerung dranhängen und es nicht nur Tradition, sondern auch Lebensgefühl und Höhepunkt im Jahr ist.“

Was den Gemeindechef ärgert: Wenn sich Besucher an den Festzeichen-Verkäufern der Gemeinde vorbeischlängeln, um sich vor dem kleinen Obolus von zwei Euro zu drücken. Bader: „Gerade weil es Brauchtum ist, ist eine kleine Spende umso solidarischer.“

Alle Termine

Peißenberg, 30. Oktober

Schongau, 5. November: 9.30 Uhr Aufstellung in der Dornau. 10 Uhr ab Fanschuhstraße Zug durchs Frauentor zum Bgm.-Schaegger-Platz, dort Feldmesse, Festzug durch die Altstadt mit anschließender Reiterbrotzeit am Bgm.-Schaegger-Platz.

Reichling, 5. November: 9.30 Uhr Festmesse in der Pfarrkirche St. Leonhard, 11 Uhr Leonhardiritt und -fahrt durchs Dorf (drei Runden), anschließend Segnung der Tiere am Bruckberg

Rottenbuch, 6. November: Aufstellung um 9 Uhr Richtung Sportheim, Ritt um 9.30 Uhr, 10 Uhr Gottesdienst am Fohlenmarkt

Forst, 6. November

Burggen, 27. November: 10.15 Uhr Gottesdienst. Etwa ca. 11 Uhr Pferdesegnung am Kirchplatz, dann Umritt im Dorf an der Eligiuskapelle vorbei. Gemütliches Beisammensein an der Reithalle.

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