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Sein Kampf für die Schülerzeitung "Bazillus" im Jahr 2011 wird gerade wie ein Virus verbreitet: Stephan Albrecht.

Klick-Hit in den sozialen Netzwerken

Schülerzeitungs-Zensur: Uralt-Artikel sorgt für Verwirrung

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Schongau - Zensur in Bayern? Ein uralter Artikel aus Schongau hat sich per Social Media rasend schnell verbreitet und für Verwirrung gesorgt. Wir sind der Sache auf den Grund gegangen. 

„Zeitungs-Zensur: Schüler verklagt den Freistaat – Lehrstück über Demokratie und Pressefreiheit“. So lautet der Online-Titel eines Artikels der Schongauer Nachrichten, der seit Montag tausende Klicks erhalten hat. In rasender Geschwindigkeit verbreitete er sich über Twitter und Facebook. Dabei ist der Erscheinungstag des Artikels der 8. Dezember 2011, er ist also mehr als vier Jahre alt.

Dies scheint jedoch den meisten Twitterern und Autoren entgangen zu sein. So lobt etwa ECPMF, das European Centre für Press and Media Freedom, „he sued – and won!“, „er klagte – und gewann!“ Ein selbsternannter ZDF-Systemjournalist zwitschert privat, wie klasse er es findet, dass „ein Schülerzeitungsjournalist dem Freistaat Bayern zeigt, was Pressefreiheit bedeutet“. Auch der Bayerische Journalistenverband BJV zeigt „Respekt“ vor dem „Lehrstück für Demokratie und Pressefreiheit“. Und „Juramama“ bietet dem Helden der Geschichte sogar ein Referendariat an.

Welle der Aufmerksamkeit - weil ein uralter Artikel getwittert wurde

Einer der ersten, der den Artikel aktuell vor ein paar Tagen wieder hervorgekramt hat, ist der Berliner Grünen-Politiker und Journalist Matthias Oomen mit 50 000 Followern. Er twitterte am 13. Februar, aber offensichtlich ebenfalls ohne gesehen zu haben, dass es sich um einen uralten Artikel handelt. 

13. Februar 2016

Zwischen diesem Tweet und dem letzten Eintrag unter dem gleichen Hashtag liegen knapp drei Jahre. Auch auf Facebook wird der Artikel weiter fleißig geteilt, unter anderem von Junge dju, die zur Fachgruppe Medien bei Verdi gehört, von der Jugendpresse Deutschland und dem Landesschülerrat.

Stephan Albrecht aus Denklingen ist es, der 2011 mehrfach im Mittelpunkt der Berichterstattung stand und dessen Geschichte nun ganz unverhofft wieder ausgegraben wurde. Der damals 12-Jährige hatte den Freistaat verklagt, weil ihm untersagt worden war, an seiner Schule, dem Landsberger Ignaz-Kögler-Gymnasium (IKG), eine eigene Schülerzeitung zu veröffentlichen, da bereits eine existierte. Der Unterstufenschüler bekam Recht.

Publikationen an bayerischen Schulen deutlich einfacher als bundesweit

Wirklich erklären, woher das aktuelle Interesse stammt, kann er sich nicht, wobei er Verbindung zur Jugendpresse Deutschland hat. Schließlich leitet der 16-Jährige aus Denklingen mittlerweile den Landesverband „Junge Presse Bayern“, der ihn damals bei seiner Klage unterstützte. „Ich kriege immer wieder mit, dass es Probleme gibt an den Schulen mit Zensur.“ Wobei Publikationen in Bayern an öffentlichen Schulen deutlich einfacher sind als bundesweit, nachdem sich hier die Schüler entscheiden können, ob ihre Schülerzeitung über die Schule veröffentlicht wird oder in Eigenverantwortung nach dem Bayerischen Pressegesetz – notfalls haften dann die Eltern.

Stephan Albrecht hat der Rummel um seine Person nach eigenen Angaben viele gute Kontakte eingebracht – darunter diverse Praktika wie bei Spiegel online oder beim WDR. Der Landesverband Junge Presse öffnet weitere Türen, wie zuletzt die des Amerikanischen Generalkonsulates in München oder die Möglichkeit, einen Online-Schülerzeitungswettbewerb mit anzuschieben. Sein Schulpraktikum absolvierte Albrecht folgerichtig bei jenem Berliner Fachanwalt für Medienrecht und Urheberrecht, der ihn damals bei seiner Klage gegen den Freistaat unterstützte. Da zeichnet sich eine berufliche Laufbahn bereits ab. „Ich möchte auch Jura studieren“, ist sich der Elftklässler heute schon sicher.

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