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Eine teure Alarmanlage soll nicht nur dieses wertvolle Mountainbike vor professionellen Einbrechern schützen. Helmut Lerf nimmt dafür eine ganze Stange Geld in die Hand. 

Schutz vor Einbrecher

So teuer ist der Kampf gegen Radldiebe

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Schongau - 30 Räder im Wert von 70 000 Euro: In Holzkirchen räumten professionelle Einbrecher ein komplettes Radlgeschäft leer. Das ist kein Einzelfall. Zwar blieben die Schongauer Händler von solch einem Verbrechen bislang verschont. Davor Angst haben sie aber trotzdem.

Vier Wochen lang spielte Helmut Lerf den Wachhund. Als er im November 2014 mit seinem Radlgeschäft umzog, schlief er 28 Tage lang im neuen Gebäude. Erst als die Sicherheitsanlage installiert war, traute er sich wieder zurück ins gewohnte Schlafgemach. „Ruhig schlafen kann ich trotzdem nicht“, sagt der 52-Jährige. Klar, Lerfs Existenz hängt voll und ganz an seinem Geschäft. Nicht auszumalen, wenn eine organisierte Verbrecherbande eines Nachts seinen Laden stürmt, die wertvollen Räder, Radlhosen, Werkzeuge und Bürocomputer stiehlt.

Deshalb überlässt der Schongauer Fahrradhändler- und -mechaniker in Sachen Schutz vor Einbrechern nichts dem Zufall. Lerf legt allergrößten Wert auf eine professionelle Ausstattung: Überwachungskameras, pilzzapfenverriegelte Fenster und Türen, Scheinwerfer im Außenbereich, Sicherheitsglas und eine Alarmanlage, die direkt an einen Wachdienst geschaltet ist. All das schützt seine wertvolle Radl- und Bergsteigerware vor möglichen Langfingern. Und kostet ihn viel Geld.

Sicherheitstechnik kostet zwischen 10.000 und 20.000 Euro

„Zwischen 10 000 und 20 000 Euro muss man schon hinlegen“, sagt Lerf. Hinzu kommen Wartungs- und Instandhaltungskosten von bis zu 2000 Euro jährlich. Aber ohne geht’s nicht. Vor allem bei Lerf, „weil unser Geschäft sprichwörtlich am A... der Welt liegt.“ Deshalb verlangt auch die Diebstahl-Versicherung von Lerf die mit höchsten Sicherheitsstandards.

Tatsächlich befindet sich Lerfs Gebäude am äußersten Rand des großen Gewerbegebiets Lerchenfeld in Schongau-West. Dahinter: Sträucher, Abhang und dann schon die B17. Der Fluchtweg für mögliche Einbrecher wäre an diesem Ort ideal. Da nimmt Lerf gut und gerne auch mal einen Fehlalarm in Kauf. „Das passiert schon des Öfteren“, sagt er. Ausgelöst zum Beispiel durch eine kleine Maus, die der Infrarotsensor nicht wirklich von einem Mensch mit böser Absicht unterscheiden kann.

Bewegungsmelder in allen Winkeln

In allen Winkeln sind bei Lerf Bewegungsmelder installiert. Sobald er oder einer seiner Mitarbeiter als letzter den Laden verlässt, gilt es vor dem Zusperren, die Alarmanlage mittels Code und Sicherheits-Chip scharf zu schalten. Eine winzige Bewegung im Gebäudeinneren reicht dann aus, um den blinkenden und heulenden Alarm auszulösen.

Zeitgleich wird der Wachdienst informiert. Der dann blitzartig ausrückt und nach dem Rechten sieht? „Nein. Die haben Zugang auf unsere Videoüberwachung, können also von ihrem Büro aus überprüfen, ob sich tatsächlich Personen im Laden befinden.“ Erst wenn das der Fall ist, wird die Schongauer Polizei verständigt.

Die war in den vergangenen Jahren schon öfter bei Lerf. „Zum Glück ohne Not.“ Bei Gelegenheit kommen die Beamten vorbei, geben Tipps und warnen vor aktuellen Einbruchserien. Der Fall in Holzkirchen vom vergangenen Wochenende – 30 gestohlene Räder im Gesamtwert von 70 000 Euro – ist nur ein abschreckendes Beispiel von vielen. Und es zeigt: Fahrräder werden bei organisierten Einbrecherbanden immer beliebter. Aber warum? „Weil der Fahrradmarkt boomt, vor allem wegen den E-Bikes, und das ruft auch die Kriminellen hervor.“

Fahrradmarkt boomt vor allem in China

Allerdings nicht wegen der guten Geschäfte in Deutschland. Laut Lerf wurden 2014 weltweit 32 Millionen E-Bikes gebaut, davon gingen 28,7 Millionen nach China, nur 500 000 in die USA, nach Deutschland noch weniger. Lerf sagt, dass die Chinesen so viel radeln, weil sich 90 Prozent dieser Bevölkerung gar kein Auto leisten kann. Ob dort auch die in Holzkirchen gestohlen Räder ankommen? Lerf möchte sich nicht festlegen, ist sich aber sicher: „Radldiebstähle in großem Umfang werden in einer organisierten Kette so schnell abgewickelt, dass man kaum etwas dagegen tun kann.“

Umso besser, dass Lerf bislang von organisierten Einbrecherbanden verschont geblieben ist. „Im alten Laden waren einige Einbruch-Versuche erkennbar, ins Ladeninnere hat es aber noch keiner geschafft.“ Und dass soll auch so bleiben – dank professioneller Sicherheitstechnik, die Lerf zwar nicht besser, aber immerhin wieder zuhause schlafen lässt. 

Johannes Schelle

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