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Gratulation: Schwabbrucks Bürgermeister Norbert Essich überbringt neben Glückwünschen im Namen der Gemeinde einen Präsentkorb an Magdalene Rader.

95. Geburtstag in Schwabbruck

Magdalene Rader ist der Queen vier Jahre voraus

„Die Arbeit hat mich ein Leben lang jung gehalten“, ist die spontane Aussage von Magdalene Rader. Pfeilschnell und ohne Herumgeeiere auf die Frage geantwortet, was sie rückblickend als Rezept für ihre erstaunliche Rüstigkeit nennen kann.

Schwabbruck – Und gleich hinterher kommt ihr nächster Ratschlag: „Man soll feiern, so lange es geht.“ Und dieser Tag ist wirklich ein Anlass zum Feiern: Magdalene Rader aus Schwabbruck blickt auf 95 Lebensjahre zurück.

Damit hat sie die „Queen“ um glatte vier Jahre geschlagen. Aber ist geistig mindestens so rege wie die Dame auf der Insel. Das bekommt man sofort zu spüren, als sie ihren Vornamen nennt. „Magdalene, mit einem e am Schluss“, betont die Jubilarin. Rückfragen überflüssig. Auch bei ihrem Lebenslauf lässt sie keine Zweifel aufkommen, ob alles seine Richtigkeit hat. Klar gegliedert und mit charmanter Stimme trägt sie ihren Gästen die Abschnitte ihres Lebens vor.

Geboren wurde Magdalene Rader 1922 in Ilnau in Oberschlesien. Nach der Schulzeit hat sie in einem Haushalt ein Pflichtjahr absolvieren müssen. Arbeit in einem Büro schloss sich an, bis sie ab 1942 im Fliegerhorst Cosel (Oberschlesien) zur Funkerin ausgebildet wurde. Ihr Einsatzort war erst in Köln, dann wurde sie mit dem Dienstgrad „Nachrichten Oberhelferin“ nach Paris versetzt.

„Als die Amis 1944 kamen, mussten wir türmen“, schildert die Jubilarin. Sie landete auf abenteuerlichen Wegen in München. April 1945. Über Nacht hat sie sich mit einer Freundin zu Fuß nach Altenstadt in die Kaserne durchgeschlagen. Militärische Endstation.

„Wo jetzt in Schwabbruck das Feuerwehrhaus steht, war damals das Gemeindehaus. Dort wurden wir untergebracht“, erinnert sich die Jubilarin. Und fügt sofort hinzu, dass die alte Schäferwirtin für die Flüchtlinge gekocht hat, so richtige bayerische Kost. „Sie war eine herzensgute Frau.“ Magdalene verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Hausschneiderin. „Fünf Mark am Tag und ein Essen war mein Lohn, vor allem Brautkleider habe ich genäht“, sagt sie.

Ihr eigenes Brautkleid nähte eine Freundin, „und zwar aus Fallschirmseide“, gibt Magdalene zum Besten. Den Schleier dazu bekam sie von einer Berlinerin. 1948 hat es zwischen der Funkerin und dem ortsansässigen Elektriker Josef Rader gewaltig gefunkt. Hochzeit in Schwabbruck. Der Stammhalter folgt drei Jahre später.

Lange Jahre hat Magdalene alles rund um das Elektrogeschäft ihres Mannes organisiert, Sohn Josef führt es heute noch. Für Bürgermeister Norbert Essich ist es mehr als selbstverständlich, bei so einem Jubiläum präsent zu sein. „Von solchen Bürgern der Gemeinde können wir nur lernen, ihre Lebenserfahrungen sind eine Bereicherung für das Dorf und auch für mich“, betont er. Gratulation der Jubilarin und weiterhin viel Gesundheit! 

Hans-Helmut Herold

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