Berufskraftfahrer Marcel Reintsch, der seit 2008 jedes Weihnachten die Hilfs-Tour nach Bosnien fährt, ist auch dort schon als „Mr. Moutsch“ bekannt. Er muss in diesem Jahr auf einen Beifahrer verzichten.
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Berufskraftfahrer Marcel Reintsch, der seit 2008 jedes Weihnachten die Hilfs-Tour nach Bosnien fährt, ist auch dort schon als „Mr. Moutsch“ bekannt. Er muss in diesem Jahr auf einen Beifahrer verzichten.

Schwabbrucker fährt seit Jahren bei Johanniter-Aktion mit

Bei den „Weihnachtstruckern“ ist heuer vieles anders

Die Aktion „Weihnachtstrucker“ ist im Kalender von Marcel Reintsch ganz dick notiert. Der Berufskraftfahrer aus Schwabbruck, der unterm Jahr mit seinem Viehtransporter über die Lande fährt, beteiligt sich seit 2008 an der bekannten Aktion, zu Weihnachten Hilfspakete nach Bosnien zu transportieren. In diesem Jahr ist aber alles anders.

Schwabbruck – Marcel Reintsch sitzt auf heißen Kohlen. Mit Sack und Pack. Corona hat dem jungen Mann einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht nur ihm, auch einem großen Teil der anderen ehrenamtlichen Helfer der Aktion „Weihnachtstrucker“, die jedes Jahr von den Johannitern organisiert wird.

Das bedeutete viele Jahre lang, dass am zweiten Weihnachtsfeiertag der große Konvoi von Sattelzügen in Richtung Albanien, Bosnien, Bulgarien und Rumänien losgefahren ist. Teilweise wurden auch Stationen in der Ukraine angefahren. An allen Zielpunkten haben dann die Weihnachtstrucker der notleidenden Bevölkerung mit den gespendeten Hilfspaketen einen Lichtblick beschert.

785 Kilometer für 800 Pakete gefahren

In diesem Jahr verzögert sich alles: Reintsch hat wie jedes Jahr gute Vorarbeit geleistet. Genau 785 Kilometer ist er in den vergangenen Tagen über die Lande gefahren, um von den verschiedenen Abgabestellen die Pakete einzusammeln. Genau gezählt 800 Stück, die im Landkreis Weilheim-Schongau bis in den Schwarzwald hinein verteilt waren.

Die Pakete sind jetzt alle verladen, dazu ein besonderes „Schmankerl“, wie es Reintsch nennt: „Aus dem Lager des ehemaligen Krankenhauses in Peißenberg habe ich 14 Krankenbetten mit elektrischer Hebevorrichtung bekommen“, erzählt Reintsch begeistert. Und setzt sofort nach, dass er bei Landrätin Andrea Jochner-Weiß bei Anfragen immer auf offene Ohren stößt. Diese Betten sind für ein Krankenhaus in Banja Luka bestimmt, das dringend auf diese Spende angewiesen ist. „Nur der Zoll macht noch Probleme, aber das bekommen wir hin“, ist Reintsch zuversichtlich.

Beifahrer muss zuhause bleiben

Denn der Kampf mit dem Zoll ist jedes Jahr angesagt, in diesem kommt noch der Kampf mit Corona dazu. Aus diesem Grund läuft alles anders. „Die Johanniter, die ehrenamtlich arbeiten, mussten die Organisation der Fahrten an Firmen übertragen. Sonst wäre alles ins Wasser gefallen“, berichtet Reintsch. Das heißt, dass nur Berufskraftfahrer auf die große Tour gehen dürfen. „Berufskraftfahrer müssen nicht in Quarantäne.“ Im Klartext: Er muss seinen Beifahrer zuhause lassen.

Doch er hat auf der anderen Seite auch Glück: Sofort nach Anfrage nach einem Transportmittel hat sein Juniorchef Stefan Emter der gleichnamigen Firma aus Altenstadt zugesichert, einen Sattelzug kostenlos zur Verfügung zu stellen. Und der steht jetzt vollbeladen zur Abfahrt bereit.

1000 Kilometer Fahrt vor sich

Wann die Fahrt losgehen kann, steht noch nicht genau fest. „Bis jetzt war Bosnien zu. Da kommt keiner rein noch raus“, so Reintsch. Und fügt schnell hinzu, dass bisher der 11. Januar als Abfahrtstermin festgelegt wurde.

Dann wird er mit seinem Sattelzug die gut 1000 Kilometer in Angriff nehmen, um in Bosnien vor Ort die Pakete abzuladen. „In diesem Jahr ohne Hilfe, ich muss die 800 Stück alleine meistern. Kontakt mit anderen ist nicht erlaubt.“ Punkt, Ende.

Wenn alles wie geplant verläuft, wird Marcel Reintsch nach vier Tagen wieder in heimatlichen Gefilden sein. Doch zur Ruhe wird er nicht kommen. Eine weitere Planung rotiert in seinem Kopf: „Eventuell fahre ich dann noch ins Erdbebengebiet nach Kroatien“, so Reintsch. Hängt alles davon ab, wie die Corona-Lage sich entwickeln wird.

Hans-Helmut Herold

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