Aus dem Gericht

Bewährung für Schlag ins Gesicht

Ein 45 Jahre alter Mann aus Schwabbruck hat bei einem Konzert in Garmisch-Partenkirchen andere Besucher verletzt. Deswegen ist er jetzt verurteilt worden zu einer Geldstrafe auf Bewährung und 500 Euro Geldauflage.

Schwabbruck/Garmisch-Partenkirchen – Wenn bei einem Konzert Pogo getanzt wird, geht es zur Sache. Da wird geschubst, gerempelt und gedrückt. Was aber am 8. Dezember vergangenen Jahres in Garmisch-Partenkirchen passierte, hatte mit Tanzen aber nichts mehr zu tun.

Ein 45-jähriger Mann aus Schwabbruck war mit ein paar Bekannten zu einem Auftritt der Gruppe Freiwild nach Garmisch-Partenkirchen gefahren. Die Südtiroler Band, der immer wieder eine Nähe zu politisch rechten Motiven vorgeworfen wird, spielte in einem Zelt an der Kreuzeckbahn. Um die 600 bis 700 Fans waren da. Das Zelt war also gut gefüllt, vor allem vor der Bühne soll es eng hergegangen sein. Dort im Getümmel hielt sich der Schwabbrucker auf. Plötzlich schlug der Lagerist gegen 21.45 Uhr einem 29-jährigen Regensburger mit der Faust auf die Nase.

„Das war eine richtige Gerade“, erklärte das Opfer im Rahmen der öffentlichen Hauptverhandlung am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen. „Ich glaube, das war nicht gezielt gegen mich, ich stand halt gerade da.“ Die Menge habe geschoben, der Angeklagte „hat sich umgedreht und mir eine betoniert“. Die Folge: Schwellungen und Rötungen an der Nase, das Opfer hatte nach eigenen Angaben zwei bis drei Tage lang Schmerzen.

Der Alkoholtest ergab 1,3 Promille

Der Schwabbrucker konnte sich hingegen nicht daran erinnern, dem anderen einen Faustschlag verpasst zu haben. Jedenfalls erschien die Security und forderte ihn auf, das Zelt zu verlassen. „Dann kam die Polizei und sagte, ich hätte jemanden auf die Nase geschlagen“, erzählte der Lagerist vor Gericht. Er hatte kräftig Alkohol konsumiert. Ein Test ergab 1,3 Promille.

Mehrere Zeugen gaben an, dass der Angeklagte sich auch vor dem Hieb schon auffällig verhalten habe. So habe er „ständig Gäste angepöbelt“ und Richtung Musiker geschimpft, hatte das Opfer bei der Vernehmung gegenüber der Polizei erklärt. Dem Schwabbrucker dagegen blieb anscheinend nichts dergleichen im Gedächtnis.

Der Regensburger konnte sich die Attacke, die er abbekam, nicht recht erklären. Entweder sei der Angeklagte „drauf aus“ gewesen, oder es habe daran gelegen, dass er „besoffen war“.

Anwalt forderte Einstufung als fahrlässige Körperverletzung

Anwalt Winfried Folda, der den Angeklagten vertrat, hielt es für nicht ausgeschlossen, dass es sich bei dem Schlag vielleicht um eine „Abwehrbewegung gegen Druck“ gehandelt habe. Bei dem Konzert habe es „eine körperbetonte Grundstimmung“ gegeben. „Da kann es zu Blessuren kommen.“ Es sei sicher keine persönliche Aggressivität gegenüber dem Regensburger vorhanden gewesen. Der Fall sei allenfalls als fahrlässige Körperverletzung einzustufen, 60 Tagessätze à 40 Euro seien angemessen.

Staatsanwältin Claudia Karl vertrat dagegen die Meinung, dass sich der Tatvorwurf vollumfänglich bestätigt habe. Daher sei der 45-Jährige wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 90 Tagessätzen à 45 Euro zu verurteilen.

Amtsrichter Andreas Pfisterer sah es wie die Staatsanwältin. Es stand für ihn außer Frage, dass der Schwabbrucker dem Regensburger gezielt mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Pfisterer beließ es letztlich aber bei einer Verwarnung, verbunden mit 90 Tagessätzen à 40 Euro.

Die 3600 Euro muss der Schwabbrucker jedoch nicht bezahlen, wenn er sich ein Jahr lang nichts weiteres mehr zuschulden kommen lässt. Er steht also zwölf Monate lang unter Bewährung. Allerdings muss der Verurteilte 500 Euro an die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen überweisen.

Roland Lory

Rubriklistenbild: © dpa

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