Marcel Reintsch am Tag nach seiner Rückkehr aus Ungarn in seiner kleinen Werkstatt.
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Marcel Reintsch am Tag nach seiner Rückkehr aus Ungarn in seiner kleinen Werkstatt.

Krankenhausbetten für Ungarn

„Die Helfer haben vor Freude geweint“

Drei Tage lang war Marcel Reintsch in Sachen gespendeter Krankenhausbetten für ein Behindertenheim in Ungarn mit seinem Sattelzug unterwegs. Es war förmlich eine Fahrt ins Ungewisse, da er diese Route mit seinem Sattelzug noch nie gestemmt hat. Aber die Mühen haben sich gelohnt.

Schwabbruck – Das Wort Ruhe muss für Marcel Reintsch ein Fremdwort sein, wahrscheinlich kommt es in seinem Wortschatz überhaupt nicht vor. Hat er vorletzte Woche noch einen Hilfstransport nach Bosnien bewältigt, war er vergangene Woche erneut in Sachen humanitäre Hilfe unterwegs. Der Berufskraftfahrer, der während des Jahres mit seinem 40-Tonner in ganz Europa unterwegs ist, brachte jetzt in einer drei Tage dauernden Tour 30 gespendete Krankenhausbetten mit Elektroantrieb in ein Heim in Ungarn (wir berichteten vor Antritt der Fahrt).

Wetterkapriolen bei der Anfahrt

Die Abfahrt in Richtung Ungarn hatte sich Reintsch wettermäßig auch anders vorgestellt. Anstatt einer klaren Nacht servierten ihm die heimischen Wetterboten starken Regen und heftigen Seitenwind bei zwei bis drei Grad. In Kärnten wechselten die Temperaturen in die Minusgrade, der Himmel war dafür sternenklar. Aber dann an der kroatischen Grenze ein Wetterumschwung, es wurde regelrecht mild. Um 2 Uhr nachts, als Reintsch sich aufs Ohr legte, zeigte das Thermometer 13 Grad an. Weiter ging es am nächsten Tag nach der vorgeschriebenen Ruhepause in Richtung Serbien bei frühlingshaften 19 Grad und strahlendem Sonnenschein. „Da sieht alles gleich viel freundlicher aus“, bemerkt Reintsch.

Langer Stau vor kroatisch-ungarischer Grenze

Doch auch beim schönsten Sonnenschein ist Schluss mit der Freundlichkeit, wenn man in einem Stau steht. Dieser bildete sich vor der kroatisch-ungarischen Grenze bei Udvar. „Drei Kilometer reiner Lkw-Stau, da darf man schon mal tief durchatmen und Luft ablassen“, so Reintsch. Über vier Stunden mussten vergehen, bis Reintsch an der Reihe war. „Die Abfertigung mit der Bezahlung der Maut für die Bundesstraße war dann mit 15 Minuten erstaunlich kurz“, berichtet Reintsch. Drei Euro musste er für die zehn Kilometer lange Strecke bis zum Behindertenheim in Mohács zahlen. Beeindruckend für Reintsch war der Grenzübertritt selbst. „Durch den Grenzzaun führt nur eine schmale Spur. Nach jedem Lkw wird der Zaun sofort wieder geschlossen“, erinnert er sich und denkt dabei an die Flüchtlinge. Ein trostloses Bild.

Landrätin gratuliert am Telefon

Gegen 19 Uhr trifft er dann am Heim in Mohácz ein. „Alles war für das Abladen organisiert, sogar ein Gabelstapler stand bereit“, so Reintsch. Knappe zwei Stunden dauert das Abladen, alles verläuft problemlos. Die begeisterten Gesichter der Helfer brennen sich im Gedächtnis von Reintsch ein. Und etwas später die Situation im Heim selbst, die Reintsch bei einer Führung durch die Zimmer erkennt. „Die Helfer haben vor Freude geweint“, so Reintsch. Das war für ihn Dank genug für die Hilfstour und über 2100 gefahrene Kilometer. „Bis zur ungarisch-kroatischen Grenze hat mich dann sogar ein Begleitfahrzeug gebracht, um nicht mehr im Stau stehen zu müssen“, sagt Reintsch abschließend, den am Freitag spätabends gegen 22 Uhr sein Heimatdorf wieder hat.

Erste „Gratulantin“, die ihre Freude über die gelungene Tour telefonisch zum Ausdruck bringt, ist Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Sie hat mitgewirkt, die großzügige Betten-Spende zu ermöglichen.

HANS-HELMUT HEROLD

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