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87 000 Liter Milch verarbeitete Samuel Graf in der Saison zu Hartkäse.

Arbeitsplatz auf 1700 Metern

Eine Saison als Senn: Wie es dem Schwabbrucker Samuel Graf auf einer Schweizer Alm erging

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Drei Monate lang hatte er einen 13-Stunden-Tag und ist um zehn Kilogramm abgemagert. Dennoch würde Samuel Graf am liebsten sofort wieder die Koffer packen und zurück auf die Alm in der Schweiz reisen, auf der der Schwabbrucker eine Saison als Senn gearbeitet hat.

Schwabbruck – Der 21-jährige Schwabbrucker sitzt zu Hause am Küchentisch und blickt lächelnd auf die vielen Bilder, die er auf seinem Laptop gespeichert hat. Stolz zeigt er all die Fotos aus der Saison auf der Alm in der Schweiz: Käselaib um Käselaib, Kühe, Schweine, fröhliche Menschen. Und eine Landschaft, die das Herz eines jeden Bergwanderers höher schlagen lässt. „Es war eine stressfreie Arbeit“, sagt Samuel Graf. Doch trotz all der Schönheit, die der Arbeitsplatz auf 1700 Metern zu bieten hat, möchte man ihm das kaum glauben.

Ruheplatz nach getaner Arbeit: Von der Bank aus genoss Samuel den Blick auf den Vierwaldstättersee.

87 000 Liter Milch hat der Schwabbrucker von Juni bis September auf der Musenalm zu Käse verarbeitet. Der Wecker klingelte jeden Morgen um 4.40 Uhr, 15 Minuten später stand der 21-Jährige schon in der Käserei. Wenn er mit der Produktion fertig war, ging es ans Aufräumen und Putzen. Selten kam er vor 19.30 Uhr wieder heraus. Ein Knochenjob.

Dennoch war der bei Hochland in Schongau ausgebildete Milchtechnologe so glücklich wie selten zuvor in seinem Arbeitsleben. Das bestätigt auch seine Mutter Doris Graf, die ihn wie viele andere in der Schweiz besuchen durfte: „Er stand da in der Käserei, und man hatte gleich das Gefühl, da gehört er hin.“

Kaum mehr wegzudenken: Der junge Schwabbrucker ist auf der Alm herzlich aufgenommen worden. Alle hoffen, dass er noch eine Saison als Senn dranhängt.

Der Sohn sieht es genauso. Die Zeit sei wie im Flug vergangen, sagt er und schwärmt vor allem von dem Familienanschluss, den er auf der Alm hatte. „Sowas findest du bei uns nicht“, sagt Graf mit Blick auf die Besitzer der Alm: „Die Edid und der Jost“, die trotz ihres Erfolgs immer auf dem Teppich geblieben sind. 80 Hektar gehören zu der Alm. Eigentlich ist es ein ganzer Berg, auf dem 50 Kühe grasen und der ein beliebtes Zielt von Wanderern ist.

Die Tiere jeden Morgen zu melken, war die Aufgabe der Zusennerin Jolanda, die Samuel zur Hand ging. Der Schwabbrucker war alleinverantwortlich für die Produktion des „Sbrinz“ – ein Hartkäse, der zu den ältesten Käsesorten Europas zählt. Und die Familie auf der Alm war höchst angetan von der Arbeit des 21-jährigen Oberbayern. Ihm musste man nicht viel erklären, er packte als Senn sofort an.

Mit dem Käsemachen allein war es freilich nicht getan. Bevor die Kühe auf die Alm getrieben wurden, mussten zunächst die Zäune auf dem Berg erneuert werden. Von morgens bis abends ging es für den 21-Jährigen eine Woche lang bergauf, bergab. „Da ist mir ganz schön die Pumpe gegangen.“

Für den Almabtrieb reiste der 21-Jährige extra noch einmal in die Schweiz.

Samuel strahlt, wenn er von all seinen Erlebnissen erzählt; und von der Bank auf der er abends nach getaner Arbeit saß und den Blick auf den Vierwaldstättersee genoss. An Urlaub hatte der 21-Jährige in den drei Monaten erst gar nicht gedacht. Und so war er schon früher wieder zu Hause in Schwabbruck, als ihm lieb war. Den Almabtrieb Ende September wollte er aber auf keinen Fall verpassen und reiste dafür extra noch einmal in die Schweiz. „Das war wichtig für die Seele“, sagt Samuel, den schon jetzt wieder die Wehmut packt.

Die wird Samuel womöglich stillen können. Er spielt mit dem Gedanken, eine zweite Saison auf der Mussenalm zu arbeiten und vielleicht im Anschluss auf die Meisterschule in Kempten zu gehen. Jost Barmettler und alle anderen auf der Alm würden das sicher begrüßen: „Entweder wir kaufen ihn Euch ab, oder wir klonen ihn“, hatte der Seniorchef der Musenalm Samuels Mutter bei ihrem Besuch im Sommer gesagt.

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