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Der Trafo-Turm als experimenteller Wohnraum – eventuell als Hochzeitssuite – wie ihn sich Gerald Siegl vorstellt.

Gemeinderat Schwabbruck

In Schwabbruck: Aus Trafo-Turm soll Hochzeitssuite werden

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Es gibt sie fast in jedem Ort, aber ihre Zahl wird abnehmen, irgendwann sind sie vermutlich ganz verschwunden: Die Rede ist von Trafo-Häuschen oder -Türmen zur Stromversorgung. In Schwabbruck könnte ein solcher Trafo-Turm jedoch erhalten bleiben.

Schwabbruck – „Abbau Trafo-Turm Bahnhofstraße“ lautete nüchtern ein Tagesordnungspunkt in der jüngsten Sitzung des Schwabbrucker Gemeinderates. Dahinter verbirgt sich jedoch eine – wenn auch etwas kuriose – Geschichte, mit der Schwabbruck auf sich aufmerksam machten könnte.

Zunächst die Fakten: An der Bahnhofstraße in Schwabbruck steht seit vielen Jahren ein acht Meter hoher Trafo-Turm. In dem liefen bislang die überirdisch geführten Stromleitungen zusammen bzw. wurden von dort aus verteilt. Im Zuge der Verlegung von Stromleitungen unter die Erde ist dieser Trafo-Turm überflüssig bzw. durch eine kleinere Kompakttrafostation ersetzt worden.

„Da die LEW-Verteilnetz GmbH (LVN) den Turm nicht mehr braucht, und der Grundstücksbesitzer ihn auch nicht unbedingt behalten will, soll der Turm abgerissen werden“, erklärte Schwabbrucks Bürgermeister Norbert Essich den Gemeinderäten. „Ein Schwabbrucker Bürger hat sich jetzt aber mit einer Idee an uns gewandt“, leitete Essich zu einem Brief von Gerald Siegl über: „Er möchte den Turm erwerben, abbauen und an einer anderen Stelle im Ort wieder aufstellen. Daher hat er uns gefragt, ob wir einen Platz für ihn haben.“

Doch was will Siegl mit einem ausgedienten Trafo-Turm? „Egal ob Bahnwärterhäuschen oder Trafo-Türme, diese kleinen Gebäude faszinieren mich schon seit meiner Kindheit“, begründet Siegl seine etwas kurios klingende Idee. „Er möchte den Turm als Ferienwohnung, vielleicht sogar als Hochzeitssuite umbauen“, erklärte Bürgermeister Essich.

Gerald Siegl.

Siegl, von Berufswegen Software-Entwickler in Haldenwang, Hobby-Häuslebauer sowie Klärwärter und Wasserwart der Gemeinde, ist in der Bahnhofstraße in Schwabbruck aufgewachsen. Der besagte Trafo-Turm steht bei seinem Elternhaus direkt gegenüber, gehört damit quasi seit Kindertagen zu seinem Leben mit dazu.

Was stellt sich Gerald Siegl mit dem Trafo-Turm vor? Der acht Meter hohe und jeweils 2,50 Meter lange und breite Turm soll zu einer Ferienwohnung umgebaut werden. Dazu werden mehrere große Fenster eingebaut und das Flach- durch ein Satteldach ersetzt. Vorstellen kann sich Siegl auch eine gläserne Eingangstür, historisch-wirkenden Außenputz sowie einen Garten zum Beispiel mit Springbrunnen. „Ich könnte mir schon vorstellen, dass das ein Blickfang im Ort sein könnte“, so Bürgermeister Essich.

Nachdem Siegls „Traum vom Turm“ und der „Villa electrica“, wie er es selbst nennt, den Brucker Gemeinderäten mittels Power-Point-Präsentation vorstellbar geworden war, begann im Gremium die Suche nach einem geeigneten Ort. Zwei Vorschläge waren nach einem Ortstermin schnell gefunden: Der ehemalige Maibaumplatz gegenüber des Schäferwirts sowie der neben dem Lagerhaus – beide an der Schönach gelegen.

Der ausgediente Trafo-Turm in der Bahnhofstraße in Schwabbruck, wie er derzeit aussieht.

Und genau darin sieht Gemeinderat und Feuerwehr-Kommandant Hubert Pfettrisch ein Problem: „Beide Bereiche sind wichtige Saugstellen für die Feuerwehr im Brandfall, in diesem Bereich des Dorfes ist das Hydrantennetz nämlich sehr schlecht“, gab er zu bedenken. Pfettrischs Vorschlag: „Den Turm am ehemaligen Maibaum weit links oder rechts platzieren, dass daneben noch ausreichend Platz für eine Saugstelle und zwei Feuerwehr-Fahrzeuge bleibt.“

Christian Huber war wichtig, dass vor einer Entscheidung mit den umliegenden Anliegern gesprochen werden müsste: „Denn es kann ja sein, dass es ein Nachbar nicht toll findet, wenn man ihm auf der Südseite seines Hauses einen acht Meter hohen Turm hinstellt.“

Da in dieser Gemeinderatssitzung noch keine Entscheidung getroffen werden sollte, gab Bürgermeister Essich den Gemeinderäten als Hausaufgabe mit auf den Weg, sich Gedanken über Alternativplätze zu machen.

Der Reiz der Enge - Mit Legosteinen nachgebaut - Drei Etagen

Der Schwabbrucker Gerald Siegl (38) ist in seinem Elternhaus in der Bahnhofstraße aufgewachsen – immer im Blick den großen Trafo-Turm direkt gegenüber. Die regelrechte Faszination solch kleiner Gebäude entwickelte sich dann etwas später, mit 16, 17 Jahren: „In meiner Ausbildung bin ich wöchentlich mit dem Zug nach München gefahren und hab’ dann immer die vielen Bahnwärter-Häuschen auf der Strecke gesehen“, sagt der Vater dreier Söhne. Diese kleinen Häuschen zwischen den Schienen haben ihn fasziniert, seine Gedanken kreisen seitdem immer darum, wie es ist, in solch kleinen Gebäuden zu leben oder zu arbeiten, wie sie eingerichtet sind bzw. werden können. „Das besondere ist das Kleine, die Enge“, sagt Siegl. „Ich wollte immer schon klein bauen.“

Ursprünglich hatte Siegl den Gedanken, das Grundstück von der LEW-Verteilnetz GmbH (LVN) zu erwerben, auf dem der Trafo-Turm steht. Das geht aber nicht: Das bekommt ein anderer Schwabbrucker. Denn der hat für die neue und kleinere Kompakttrafostation, die den alten Trafo-Turm ersetzt, einen Teil seines Grundstücks hergegeben und bekommt nun als Gegenleistung das Grundstück, auf dem der alte Trafo-Turm steht. „Im Gespräch mit ihm hat sich aber herausgestellt, dass ich den Turm durchaus haben könnte“, so Siegl.

Den Turm ab- und an einer anderen Stelle im Ort wieder aufzubauen ist – eigentlich – gar nicht so schwer: „Er besteht aus sechs Fertigbetonteilen inklusive einem 1,80 Meter tiefem Keller“, sagt Siegl. Diese Teile müssten also mit einem Kran angehoben, irgendwie transportiert und dann wieder zusammengesetzt werden.

Siegls Vision ist es, den Turm irgendwie bewohnbar zu machen. Um sich das vorzustellen, hat er sich die Maße 8 x 2,50 x 2,50 Meter hergenommen und mit seinen Söhnen mit Lego-Steinen quasi Räume maßstabsgetreu gebaut.

Vorstellen kann sich der 38-Jährige im Erdgeschoss des Turmes eine Küche samt Tisch und zwei Stühlen, im 1. Stock die Sanitäranlagen sowie einen Kleiderschrank und im Dachgeschoss einen Wohnraum inklusive Ausziehcouch. Und im angedachten Satteldach könnte dann noch eine weitere Schlafmöglichkeit untergebracht werden – eventuell für ein Kind.

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