Der „Weiherer“, wie man ihn kennt: Lange Haare, Gitarre und mit einem Jutebeutel mit der Postleitzahl von Brunsbüttel drauf.
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Der „Weiherer“, wie man ihn kennt: Lange Haare, Gitarre und mit einem Jutebeutel mit der Postleitzahl von Brunsbüttel drauf.

Der „Weiherer“ beim letzten Konzert des Kulturfrühlings im Schäferwirt-Kuhstall

Irgendwie schräg, aber schön

Christoph Weiherer aus Burghausen hat lange Haare, eine Gitarre und eine Mundharmonika – und viel zu sagen. Er ist ein bayerischer Hannes Wader, mit etwas mehr Humor als sein norddeutscher Kollege kann man sagen, denn die Musikstücke, die Weiherer präsentiert, sind handfeste Liedermacherkunst mit intelligenten Texten und einprägsamer Musik. Damit trat Weiherer jetzt im „Kuhstall“ in Schwabbruck auf.

Schwabbruck - Es war das letzte Konzert des wegen des Lockdowns verspätet gestarteten Kulturfrühlings im Schäferwirt. Wirt und Kleinkunstinitiator Stephan Kögl hatte die Veranstaltung wetterbedingt vom Biergarten nach innen verlegt und die Gäste, noch wegen der Abstandsregeln in verminderter Zahl, waren glücklich, endlich einmal wieder die urige besondere Atmosphäre der Kultkneipe genießen zu können.

„Ich warte schon seit Oktober auf Euch“, rief Weiherer dem Publikum zu. Denn da sollte er eigentlich im „Kuhstall“ auftreten. Nun freute er sich riesig, dass er endlich wieder arbeiten durfte.

Der 40-jährige bayerische Barde redet und singt Klartext – und das ausschließlich im Dialekt. Er hat jede Menge politische Themen drauf, mixt aber auch herrliche Weisheiten und tiefgründige Gedanken mit in seine Lieder ein. „Ich kann mein Maul nicht halten, auch nicht für dich“, sagte der Weiherer und legte los.

Eine Erklärung ist hier von Nöten: Der Einfachheit halber, begründet durch die Tatsache, dass der Autor dieses Textes den bayerischen Dialekt als Nordlicht zwar gut versteht, ihn aber nicht, ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben, schreiben kann, werden die Gedanken und Sprüche des Liedermachers hier in Schriftdeutsch wiedergegeben.

„Versteht Ihr mich?“, fragte der Weiherer in die Runde, als er sein Lied „Meng, meng, meng“ präsentieren wollte. Meng im Sinne von mögen, kennt man auch in Schwabbruck, wobei man dort laut Zuruf aus dem Publikum eher „mega“ sagt. In Würzburg, wie man erfährt, heißt es „möch“, und anderswo wiederum „ming“.

Der Liederpoet zwirbelt aus all’ diesen unterschiedlichen Dialekten eine höchst vergnügliche Geschichte zusammen, die bis nach China reicht, was naheliegend ist bei all dem „meng“ und „ming“.

Zwei große Themen hat Christoph Weiherer schon seit Jahren im Gepäck. Da ist einmal Alexander Dobrindt: „Mei, ist der heute hier anwesend?“, fragte er vorsichtig. Die Politik des ehemaligen Verkehrsministers aus Peißenberg hatten es dem Liedermacher so sehr angetan, dass er dem Politiker nicht nur ein Lied widmete, sondern auch eine Band gründete mit dem Namen „Weiherer und die Dobrindts“.

Scharf nimmt der bayerische Barde Dobrindt da auf ‘s Korn. „Importstrom aus der Tschechei, weil man so fortschrittlich ist, wie der Dobrindt beweist“, heißt da eine Textzeile. Der Liedermacher will jetzt aber seine Band in „Weiherer und die Zeugen Seehofers“ umbenennen.

„Wie gefällt Euch das?“, rief er ins Publikum. Tosender Applaus war die Antwort. „Wie kann ich lustig sein, wenn es nichts zu lachen gibt. Wie kann ich glauben, wenn alles schon längst zum Himmel stinkt?“. Die Texte gehen unter die Haut, machen nachdenklich, berühren. Aber es kommt auch immer wieder die humorige Seite des bayerischen Barden durch.

Denn: Vor Jahren hatte er die Idee, die Postleitzahl 25541 von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein überall kundzutun. Brunsbüttel wurde bekannt wie ein bunter Hund. Weiherer verkauft nun T-Shirts mit der Postleitzahl, oder einfache Jutetaschen als sogenannte BioBrunsBeutel, und Bruns-Spielkarten hat er im Sortiment. Irgendwie schräg, aber schön.

REGINA WAHL-GEIGER

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