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Ein starkes Duo: Hans Schütz (links) und Karl Michael Ranftl bei der Präsentation von „Kieselklang und Wortgesang“.

Kieselklang und Wortgesang

Zwei Künstler im Zeichen des Lechs

Zwei Künstler, ein Fluss: In Schwabbruck zogen Hans Schütz und Karl Michael Ranftl ihre Zuhörer in den Bann. Und immer wieder drehte es sich um den Lech.

Schwabbruck – Es war kein Märchen, sondern eine wahre Geschichte, die die zahlreichen Gäste am vergangenen Sonntag in Schwabbrucks Kultkneipe „Kuhstall“ aufgetischt bekamen. Und die begann so: Es waren einmal ein Ostallgäuer und ein Oberbayer, die vor langer Zeit auf einer Ausstellung über Steine aus Isar, Ammer und Lech im Schongauer Stadtmuseum die Besucher zusätzlich mit ihrer Kunst unterhalten sollten. Der eine trug zum Thema Steine Gedichte und Geschichten vor, der andere präsentierte eine besondere Art von Musik auf gesammelten Kieselsteinen.

Die Besucher waren begeistert und fragten, wo das Duo denn noch auftreten würde, um es noch einmal hören zu können. Die beiden mussten gestehen, dass sie sich gar nicht kannten, sondern zufällig sich auf dieser Ausstellung trafen. Das Kennenlernen holten der aus Lechbruck stammende und nun in Peiting lebende Hans Schütz und der oberbayerische Landsberger Karl Michael Ranftl dann noch am selben Abend in einem Biergarten in Schongau nach. Dabei stellten sie ihre tiefe Verbindung zu einem besonderen Fluß fest – dem Lech.

So erzählt Hans Schütz an diesem Sonntagabend im „Kuhstall“ die Geschichte von „Kieselklang und Wortgesang, einem Programm der beiden Künstler, das seit dem Tag vor zehn Jahren die Menschen verzaubert.

Das präsentierte Jubiläums-Programm von Schütz und Ranftl war für eingefleischte Fans und auch für Neulinge gleichermaßen interessant. Denn auch schon häufig Gehörtes, wie das einfühlsame Lied „Panta rhei – alles fließt“ von Ranftl auf der Gitarre wunderbar feinfühlig gespielt und gesungen, ist immer wieder genauso beeindruckend, wie Hans Schütz‘s amüsante Erzählung eines gescheiterten Floßbauversuchs am Lech in seinen Kinderzeiten.

Immer wieder verfällt man bei Wort und Klang dem Bedürfnis nach dem Suchen der „richtigen“ aufgelesenen Kieselsteine an Lech, Ammer und Isar, die den Garten und das Haus der Künstler langsam befüllen. Aber wegwerfen kann man sie nicht, diese handverlesenen ausgesuchten Steine, die mit so viel Erinnerungen verbunden sind, die so einzigartig in Maserung und Farbe und dann sogar Klang sind, wie Ranftl beeindruckend zeigte. Auf einer Kieselstein-Tonleiter spielte er ein imposantes Volkslied aus dem Balkan, der Route, aus dem auch die Flößer vor langer Zeit über den Lech nach Bayern kamen.

Aber Ranftl hatte auch noch andere „Klänge“ zu bieten. Er spielte gleichzeitig Maultrommel und jodelte dazu – eine nahezu unvorstellbare Kombination. Er erzeugte alte, früher so häufig in diesen ländlichen Gegenden gehörte Töne, in dem er eine Sense mit einem Wetzstein bearbeitet, eine Steinflöte kam zum Einsatz, und zwei rasselnde mit Kieselsteinen gefüllte Netze interpretierten ein altes indianisches Beschwörungsritual der Flussgeister.

Schütz erzählte liebevolle, wundersame, schöne und auch kritische Geschichten und Gedichte vor allem zum Thema Lech. Unausschöpflich dabei seine Phantasie. Da hörte man mit „Oh Lech – welch Pech“, das Drama um die „Bezähmung“ des Lechs als ehemaligem Wildfluss, nun einer der Flüsse in Deutschland mit den meisten Staustufen zur Energiegewinnung.

Die „Flusssymphonie“ hingegen war eine wehmütige Erinnerung an all das Schöne, das so ein Wildfluss wie einst der Lech zu bieten hatte, mit seiner Artenvielfalt, seinen besonderen Geräuschen und Gerüchen, die in dem nun gezähmten Fluss nicht mehr vorhanden sind.

Kein Wunder, dass sich da im „Klagelied der Lechgeister“ die Elfen, Nymphen und andere Wassergeister beschweren, wie furchtbar nun die Zeit in dem ehemaligen Wildfluss ist. Ranftl rief gar singend zu einem utopischen „Weckruf zur Freilassung des bayerischen Lechs“ auf. Und Schütz präsentierte eine Alliteration, ein rhetorisches Schmuckelement in W zur Wildnis des Flusses: „Wo Wälder wieder wilder wachsen...“ startete das Ganze. Wunderbar!

Regina Wahl-Geiger

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