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Idyllischer Ort mit grandioser Aussicht: Schäferwirt Stephan Kögl wird nach dem geplatzten Tauschgeschäft den Grund, auf dem die Kapelle steht, der Gemeinde nun schenken.

Grundstückstausch geplatzt

Gemeinderat erzürnt den Schäferwirt

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Schwabbrucks Schäferwirt Stephan Kögl ist maßlos enttäuscht vom örtlichen Gemeinderat, weil der ein Tauschgeschäft abgelehnt hat. Kögl wollte ein Grundstück an der Leithe, auf der die kleine Herz-Jesu-Kapelle steht, der Allgemeinheit für immer erhalten. Nach dem geplatzten Tausch gibt es für die Gläubigen dank Kögl dennoch ein „Happy End“.

Schwabbruck– Es ist ein Ort zum Innehalten: Die kleine Herz-Jesu-Kapelle an der Leithe ist nicht nur den Schwabbruckern ans Herz gewachsen. Viele Gläubige kommen zum Beten heraus ans freie Feld und zünden eine Kerze an. Kinder ziehen mit Begeisterung an einem Drahtseil und bringen so die kleine Glocke im Turm zum Läuten. Andere nehmen auf den Holzbänken Platz, packen ihr Picknick aus und genießen den freien Blick in die Alpen. So wie Schäferwirt Stephan Kögl. Seiner Familie gehört das Grundstück, auf dem der Schwabbrucker Heizungsbauer Wolfgang Leier vor knapp drei Jahren aus purer Dankbarkeit über sein Leben die Kapelle setzte. Ein 55 Tonnen-Kran hob sie damals von einem Tieflader sanft an ihrem Bestimmungsort.

Auch der Bürgermeister fand die Idee gut

Jüngst saß Kögl wieder einmal in Gedanken versunken auf der Bank und ließ seinen Blick über Felder und Wiesen in die Berge schweifen. Da kam ihm die Idee, diesen Ort ein für allemal der Gemeinschaft zu erhalten. Er bot das kleine Grundstück der Gemeinde zum Tausch gegen Flächen an seinem Gasthaus im Ort an. Weitere an die Kapelle grenzende 0,7 Hektar Grünland der Kögls sollte die Gemeinde obendrein kaufen dürfen. Schließlich ist die ja immer auf der Suche nach Ausgleichsflächen. Kögl hielt das alles für eine hervorragende Idee. Ganz nach dem Motto: Flurbereinigung im Sinne von dort, wo sie eigentlich hingehöre, sagt er. Auch Bürgermeister Norbert Essich habe die Idee gut gefunden und sich für die Realisierung stark gemacht, weiß Kögl.

Gemeinderat machte Kögl einen Strich durch die Rechnung

Die beiden hatten die Rechnung allerdings ohne den Gemeinderat gemacht. In nichtöffentlicher Sitzung machte das Gremium Kögl jüngst einen dicken Strich durch die Rechnung. Die Flächen rund um das Gasthaus sollte der Wirt gefälligst kaufen, und das zum marktüblichen Preis. Kögl hat die rund 500 Quadratmeter, unter denen eine Wasserleitung Schwabbrucks verläuft, seit jeher von der Gemeinde gepachtet. Das Verkaufsangebot, das er nun unterbreitet bekam, sei „finanziell inakzeptabel“, macht er klar. Denn der Wirt hat genau nachgerechnet: „Dafür kann ich 259,5 Jahre Pacht zahlen“, echauffiert sich der Schwabbrucker, der keinen Hehl daraus macht, wie enttäuscht er von den Gemeinderäten ist.

Bei der Bürgerversammlung den Frust herausgelassen

„Es hat mich eine Woche lang schwer belastet, dass man mich so negativ behandelt“, sagt der Schäferwirt, dessen Kulturangebot im „Kuhstall“ Schwabbruck weit über die Ortsgrenzen bekannt gemacht hat. Lange hatte Kögl überlegt, ob er zudem geplatzten Tausch öffentlich etwas sagen soll. Dann, bei der Bürgerversammlung am Donnerstag vor einer Woche, ließ der Schwabbrucker seinen Frust raus. „Ich habe mich maßlos geärgert und fühle mich nicht schön behandelt“, sagte er vor versammelter Mannschaft. Dennoch kündigte er im Saal ein „Happy End“ an: „Ich möchte Sicherheit für die Kapelle, sie gehört zur Gemeinde. Deshalb werde ich ihr das Grundstück von ganzem Herzen schenken.“

Bürgermeister Norbert Essich ist die Angelegenheit merklich unangenehm. Man habe das bestmögliche gemacht, sagt er auf Anfrage. Und: Im Gemeinderat sei man nun mal zu neunt, lässt der Rathauschef durchblicken, dass er sehr unglücklich mit der Mehrheitsentscheidung war.

Womöglich werden die Gemeinderäte heute nocheinmal über die Sache reden – freilich wieder im nichtöffentlichen Teil ihrer Sitzung. Und Stephan Kögl hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. „Acht Leute sind ja nicht unfehlbar“, meint er und fügt hinzu: „Und vielleicht lernfähig.“

Lesen Sie auch:  Schwabbrucker blicken bei Bürgerversammlung auf ein anstrengendes Jahr zurück.

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