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Diese Planung ist vom Tisch. Die Lechwerke wollten die neue Stromleitung (rot) zunächst an dem Moorgebiet vorbeiführen. Jetzt soll das Biotop (zwischen Mast 64 und 67) überspannt werden. Die Tra sse weicht dann ein Stück weiter nach Süden von Schwabsoien ab. 

Ärger um Stromleitung

Schwabsoien stimmt neuer Trasse zähneknirschend zu und liest dem Nachbarn die Leviten

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Im Streit um die Führung der 110-kV-Leitung zwischen Schwabbruck und Schwabsoien zeichnet sich ein Kompromiss ab. Der Gemeinderat in Schwabsoien hat einem neuen Vorschlag der Lechwerke zähneknirschend zugestimmt: Ein Moorgebiet soll überspannt werden. Die Genehmigungen dafür stehen freilich noch aus.

Schwabsoien– Es war eine denkwürdige Gemeinderatssitzung in Schwabsoien. Die Vertreter der Nachbargemeinde – unter ihnen Schwabbrucks Rathauschef Norbert Essich, sein Stellvertreter Max Waldmann und mehrere Gemeinderäte – hatten auf den Besucherstühlen im Rathaus Platz genommen. Essich betonte vor Beginn der Sitzung im Gespräch mit der Heimatzeitung einmal mehr, dass man eine gemeinsame Lösung wolle. Er habe alles mit seinem Bürgermeisterkollegen Siegfried Neumann besprochen, wiederholte der Schwabbrucker Gemeindechef. Wie berichtet, war Essich sehr überrascht von dem harschen Gegenwind aus Schwabsoien.

Neumann ließ sich am Montag von seinem Stellvertreter Manfred Schmid vertreten. Und die Schwabsoier Gemeinderäte machten noch einmal sehr deutlich, wie enttäuscht sie von ihrem Nachbarn sind. „Grundsätzlich hat die Leitung da gar nichts verloren“, sagte zum Beispiel Bernhard Starker. Er erinnerte an die alten Pläne der Lechwerke (LEW), die die Leitung ursprünglich weit südlich in gut 800 Metern Entfernung an Schwabbruck vorbei nach Schongau führen wollten. Bekanntlich hatte Schwabbruck aber um sein Alpenpanorama gefürchtet und sich gegen die Planung verwehrt. Es kam der Vorschlag auf, die Kabel südlich von Schwabbruck unterirdisch zu verlegen. Das wiederum scheiterte an den Mehrkosten (rund 1,35 Millionen Euro), die die Gemeinden hätten tragen müssen. Letztlich entschieden sich die LEW für eine Erneuerung der (oberirdischen) Trasse – wenn auch mit einigen „Optimierungen“.

Erster Vorschlag für optimierte Trasse stößt auf Ablehnung

Wir berichtet, lief Schwabsoien Anfang Juni Sturm gegen den Vorschlag, die neue Trasse in Teilbereichen noch näher an den Ort heranzurücken als die alte. Und das mit im Schnitt mindestens drei Meter höheren Masten. Zumindest westlich von Schwabbruck ist diese Planung jetzt vom Tisch. Ein Moorgebiet, das die LEW umgehen wollte, soll überspannt werden. LEW-Projektleiter Werner Lingenfelser, der die neue Trassenführung im Gemeinderat vorstellte, berichtete von bereits geführten Gesprächen mit der Regierung von Oberbayern. Demnach ist die Stromleitung über dem Biotop „wohl genehmigungsfähig“, wenn die Obere Naturschutzbehörde zustimmt. Bei der Planung der Masten ist Lingenfelser zufolge vor allem der Vogelschutz zu beachten. Zu den genauen Masthöhen konnte der Experte am Montag noch keine Angaben machen.

Verbindung beider Ortschaften „zumindest baulich nicht mehr möglich“

Die Begeisterung der Schwabsoier hielt sich zwar weiterhin in sehr engen Grenzen, letztlich freundete sich die Mehrheit der Gemeinderäte aber mit der neuen Planung an. „Lieber aufs schlechte Pferd gesetzt, als weiter zu Fuß gegangen“, sagte Vizebürgermeister Schmid zu dem Kompromiss. Mit Blick auf die Leitung zwischen den beiden Dörfern, die jetzt erneuert wird, meinte er, es sei schade, dass sich der Nachbarort in seinen Entwicklungsmöglichkeiten einschränke. Und dass das gute nachbarschaftliche Verhältnis zwischen Schwabsoien und Schwabbruck einen Knack bekommen haben könnte, darauf deutete der Satz hin, den Schmid hinzufügte: „Eine Verbindung zwischen den beiden Ortschaften ist zumindest in baulicher Art nicht mehr möglich.“

Lesen Sie mehr zu dem Thema:

Das Hauen und Stechen um den Verlauf der zu erneuernden 110-kV-Leitung zwischen Ingenried und Schongau geht in die nächste Runde. Die Gemeinde Schwabsoien ist empört über die jüngste Planung der Lechwerke (LEW) und lehnt sie ab. In Schwabbruck ist man verwundert.

Streit um neue Stromtrasse: Warum Altenstadt der Verlierer ist

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Die Kommunalwahlen 2020 werfen jetzt auch in Schwabsoien ihre Schatten voraus. Rathauschef Siegfried Neumann wagt sich als Erster aus der Deckung und kündigt eine erneute Kandidatur an.

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