Die Weihnachtsgans ist heuer begehrt. Stephan Kögl vom Schäferwirt möchte sie an den Feiertagen zum Mitnehmen anbieten. Fast alle Feiern in der Wirtschaft wurden bereits abgesagt.
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Die Weihnachtsgans ist heuer begehrt. Stephan Kögl vom Schäferwirt möchte sie an den Feiertagen zum Mitnehmen anbieten. Fast alle Feiern in der Wirtschaft wurden bereits abgesagt.

Reservierungen werden abgesagt

„Wie Lockdown“: Storno-Welle in der Gastronomie

  • Elena Siegl
    VonElena Siegl
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Seit Dienstag gibt es in Restaurants wieder eine Regelverschärfung: Statt 3Gplus gilt nun 2G. Wir haben bei Wirten im Landkreis nachgefragt, was die Änderung für sie konkret bedeutet.

Landkreis – „Die nächste Absage“, geht Stephan Kögl durch den Kopf, als das Telefon im Schäferwirt klingelt. Eine Weihnachtsfeier nach der anderen werde derzeit storniert, erzählt er. Auch wenn Kögl darüber traurig ist, hat der Schwabbrucker Wirt Verständnis. Im Arbeitsalltag auf Abstände zu achten und dann zusammenzukommen, um zu feiern, passe eben nicht zusammen. Niemand möchte das Risiko eingehen bzw. die Verantwortung tragen, dass danach die gesamte Belegschaft in Quarantäne muss, erklärt Kögl.

Storno-Welle in der Gastronomie

Die vielen Absagen hängen laut Kögl aber nicht unbedingt mit der Regelverschärfung in Gastronomie und Hotellerie zusammen, wo seit Dienstag die 2G-Regel gilt: Nur noch geimpfte und genesene Personen dürfen mit entsprechendem Nachweis eingelassen werden. Zuvor galt in der Branche bereits die 3Gplus-Regelung, mit der Ungeimpfte noch mit negativem PCR-Test Essen gehen konnten. „Ob 3Gplus oder 2G macht für uns kaum einen Unterschied. Einen kostenpflichtigen Test für 80 Euro, nur um dann Essen gehen zu können, hat keiner gemacht. Insofern hat sich für uns nichts verändert“, sagt Kögl. Allerdings: „2G gibt es ja, weil die Lage jeden Tag dramatischer wird. Und das hat einen großen Effekt: Die Leute bleiben weg, weil sie Angst haben, kein gutes Gefühl, unter Menschen zu gehen.“

Dass die Einhaltung der Regeln kontrolliert wird, weiß Kögl nicht zuletzt, weil auch im Schäferwirt schon eine Kontrolle stattfand. Auch wenn die Situation für die Gastronomie freilich hart sei: „Es dürfen Leute kommen! Das ist viel besser als die Situation, die wir vor einem Jahr hatten“, ist Kögl optimistisch. „Die Hoffnung bleibt. Und vor allem die Gewissheit, dass es wieder andere Zeiten geben wird“, so Kögl. Er hofft nun – trotz ausfallender Feiern – aufs Weihnachtsgeschäft. Denn „was im vergangenen Jahr Klopapier und Hefe waren, ist heuer die Weihnachtsgans“, sagt Kögl. Darauf gebe es bereits so einen großen Run, dass kaum noch welche bestellt werden könnten. Kögl möchte sie an den Feiertagen zum Mitnehmen anbieten.

2G in der Gastronomie ist wie Lockdown

„Für uns ist 2G wie ein Lockdown“, sagt Uschi Daisenberger vom Landgasthof „Zum Eibenwald“ in Paterzell. Nur fünf Essen wurden am Dienstag in der Gastwirtschaft ausgegeben, eine Stornierung nach der anderen erreicht den „Eibenwald“. Ob Einzelreservierungen, Weihnachtsfeiern oder Vereinsversammlungen. Der November sei zwar von Haus aus ein ruhiger Monat für die Gastronomie, doch gerade rentiere es sich gar nicht. Trotzdem mache man weiter und hofft, dass sich die Lage beruhigt, erklärt Daisenberger, die das Gefühl hat, als seien gerade alle in Schock. „Vielleicht wird es am Wochenende wieder besser.“

Nicht nur in der Wirtschaft, auch bei den zugehörigen Gästezimmern spüre man die Regelverschärfung. Dort dürfen nur noch Geimpfte und Genesene aufgenommen werden. Für Menschen, die dienstlich im Hotel einbuchen, und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren wurde das nachträglich revidiert, so Daisenberger. Sie benötigen aber einen PCR-Test. Warum man statt auf 2G nicht viel mehr auf Tests bei allen setzt, kann sie nicht nachvollziehen – „aber ich bin auch kein Virologe“.

Gastronomie: Personal fürchtet erneute Kurzarbeit

Auch für Maria Dehmelt vom Hoisl-Bräu in Penzberg kommt die aktuelle Situation einem Lockdown gleich, sagt sie. Was die Regeln betreffe, 3Gplus oder 2G, mache es für das Speiselokal keinen Unterschied. Nur als auch Schnelltests vor Ort noch möglich waren, kamen noch ein paar ungeimpfte Gäste. „Das wollen sie nicht mehr, weil man hofft, so noch ein paar Menschen zur Impfung zu bringen. Das ist ok.“ Aber in Berlin mache man so einen Wind, dass keiner mehr Essen gehen möchte, sagt Dehmelt. 75 Prozent der Weihnachtsfeiern im Hoisl-Bräu sind bereits abgesagt, die anderen werden noch folgen, befürchtet sie.

Und dann stehe wieder ein Winter mit Kurzarbeit bevor, den ein Teil des Personals wohl nicht mitmachen wird. „Zwei haben bereits angekündigt, dass sie sich bei erneuter Kurzarbeit nach einem anderen Job umschauen“, sagt Dehmelt. Das Kurzarbeitergeld reiche ihnen nicht aus. Noch dazu fehle das Trinkgeld, das sonst zum Lohn dazukommt.

Bereits bei den Lockdowns habe die gesamte Gastronomie viel Personal verloren. „Im Sommer habe ich von Leuten gehört, wir sollen mehr Tische rausstehlen – und ich musste erklären, dass wir nicht genug Personal haben, um mehr Leute zu bedienen“, so Dehmelt.

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