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Legt selbst Hand an: Hausherr und Baumeister Gerald Siegl hat gute Vorarbeit für den Turmumzug geleistet.
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Schwerst- und Millimeterarbeit: Mittels Schwerkran ist der frühere Trafoturm an der Bahnhoffstraße in Schwabbruck ab- und an der Dorfstraße bei Gerald Siegls neuem Haus wieder aufgebaut worden.
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Der Trafoturm als experimenteller Wohn– oder Nutzraum – wie ihn sich Gerald Siegl vorstellen kann.
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Ungewöhnlicher Umzug in Schwabbruck

Aus Trafoturm wird Villa Electrica

Langsam werden die Schwabbrucker für außergewöhnliche Umzüge bekannt. Hat doch vor zwei Jahren Wolfgang Leier seine vor dem Haus gebaute Herz-Jesu-Kapelle per Tieflader auf sein Feldstück transportiert, kommt jetzt eine andere Variante eines Umzugs dazu: Gerald Siegl hat einen Trafoturm zerlegt und die sechs großen Betonelemente zum neuen Standort gebracht. Mögliche Nutzung vielleicht als Ferienwohnung oder Hochzeitssuite.

Schwabbruck – Es gibt Erinnerungen an die Kindheit, an die man immer gerne zurückdenkt. Geliebtes Spielzeug, lustige Episoden und Abenteuer oder wie bei Gerald Siegl ein Trafoturm. Ungewöhnlich, stimmt. Aber seit sich Siegl zurückerinnern kann, hatte er diesen Turm direkt vor der Haustüre seines Elternhauses immer im Blick. Der Turm war zwar verschlossen, aber die Jungs hatten ihn als Zentrum für ihre Abenteuerspiele ins Herz geschlossen. Nur einen Steinwurf von seiner Haustüre entfernt, war dieses Bauwerk ein Stück seiner Kindheit und Jugend geworden.

Umso mehr traf es ihn jetzt, als er hörte, dass der Turm durch einen modernen Stromkasten ersetzt und abgerissen werden soll. Unfassbar für Siegl. Er fasst einen kuriosen und gewagten Plan: Der sah vor, den Turm in seine sieben Teile zu zerlegen und neben seinem neuen Wohnsitz in Schwabbruck wieder aufzustellen. Direkt neben der Bäckerei Feustle in der Dorfstraße. Jetzt ist der Umzug in die Realität umgesetzt worden.

Gute Vorarbeit hat Siegl geleistet: Alles mögliche an Stabilisierungsstreben innen angebracht, Innenleben ausgebaut und vor allem die gesamte Familie zum Mitmachen mobilisiert. Punkt 7 Uhr steht Benedikt Rohrmoser mit seinem 45 Tonnen-Autokran der Firma Resch vor der Tür. Ratzfatz ist das gelbe Monstrum aufgebaut, sind die Ketten eingehängt und Haltegurte befestigt. Birgitta Siegl hält die Führungsseile auf Spannung und gibt klare Kommandos.

Bruder Rainer Siegl mit Partnerin Marlene will nichts von Schwerarbeit wissen: Er kümmert sich lieber um die Dokumentation per Video. Alles hat er aufgefahren. 360 Grad- und Zeitrafferkameras, dazu auf jedem Betonteil eine Videokamera.

7.45 Uhr: Birgitta hat für kurze Zeit die Übersicht verloren. Ein Wirrwarr aus Kommandos wie „langsam auf“, „locker lassen“, „bleib amol“, „zieh“ und dann noch „genauso“ ist zu hören. Sie holt sich die Kommando-Hoheit zurück. Ein lautstarkes „perfekt“ lässt alle anderen verstummen. Das Oberteil wird abgehoben. Zwei Minuten später steht der Turm ohne Dach da. Ohne Komplikationen.

Vater Karl Siegl betritt die Baustelle. Gebügeltes Hemd, kurzärmlig, er wird sich sehr wahrscheinlich nicht an der Schwerarbeit beteiligen. Auch nicht Bürgermeister Norbert Essich, der Punkt 9 Uhr aufschlägt. Als ob es nicht schon genug wäre. Da gesellt sich auch noch Ruheständler Gotthard Leichter mit Enkel Tobias dazu. Für Zuschauer ist also gesorgt.

Kranführer Benedikt Rohrmoser zeigt Fingerspitzengefühl: Stück für Stück hebt er die quaderförmigen Betonteile ab und setzt sie auf den Tiefladeranhänger von Peter Assner. Insgesamt vier Stück kann der mit einer Fracht zum neuen Bestimmungsort transportieren.

Jetzt kommt Kranführer Rohrmoser ins Schwitzen: Alles an seinem 45-Tonner abbauen – Stellungswechsel. Die vier Betonteile müssen neben dem neuen Standort zwischengelagert werden. Deshalb ist auch hier der Kran nötig. Aufbau, und ab geht’s.

Dann erneuter Stellungswechsel, es geht zurück. Die letzten beiden Teile inklusive Kellerteil warten. Jetzt wird’s zäh: Da tauchen plötzlich Gewindestangen im Betonteil auf, wo man sie nie vermutet hätte. Mit satten 46er-Muttern. Da steckt der Teufel im Detail. Rohrmoser macht relativ kurzen Prozess. Metallscheibe in die Flex – Problem gelöst.

Etwas kniffliger sieht die Lage ganz unten am Bodenstück aus: Die Betonteile müssen von der Bodenplatte getrennt werden. Hier greift Hausherr und Baumeister Siegl zum Gerät. Eine staubige Angelegenheit im Schacht.

Exakt 11.30 Uhr: Der Trafoturm in der Bahnhofstraße in Schwabbruck ist Geschichte. Ein neues Kapitel wird in der Dorfstraße geschrieben. Nach der kurzen Mittagspause Aufbau in umgekehrter Reihenfolge: Das Fundament in Maßarbeit vorgefertigt, darauf werden die anderen Teile gehoben. Klingt einfach, ist es aber nicht. Die Führungs- und Gewindestangen müssen an den vier Ecken durch die Betonhülsen gleiten, um danach wieder verschraubt zu werden. Eine letzte Herausforderung für den Kranführer, denn hier geht es wirklich um Millimeter.

Rohrmoser ist die Ruhe selbst. Das Einführen für ihn die normalste Sache der Welt. Er schafft es. Die anderen sind geschafft. Genau um 17.23 Uhr löst Gerald Siegl die Gurte vom letzten gesetzten Turmteil. Der Turm steht – der Jugendtraum ist versetzt.

Hans-Helmut Herold

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