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Sein Schatten war ebenso groß wie die Niederlage. Jochen Trumm ging mit dem gestellten Antrag unter.

Vorgezogene Bürgerversammlung

Vertrauensbeweis für den Schwabbrucker Rathauschef

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Einen denkwürdigen Abend erlebten die Schwabbrucker am Donnerstag bei ihrer vorgezogenen Bürgerversammlung im Schäferwirt. Von einem Telekom-Mitarbeiter, der sich öffentlich für die Verzögerung beim Breitbandausbau entschuldigte, bis zur Forderung, dem Gemeinderat den Geldhahn zuzudrehen, war alles dabei.

Schwabbruck – Die Bürgerversammlung war gut zwei Stunden alt, als Jochen Trumm zu seinem finalen Schlag ausholte: Der 78-jährige Schwabbrucker stellte sich vor die Versammlung und forderte, den Kauf der Flächen für das neue Baugebiet an der Burggener Straße „bis auf Weiteres zurückzustellen“. Obendrein sollten die gut 150 Bürger per Abstimmung beschließen, dem Gemeinderat die Verfügungsgewalt über finanzielle Mittel zu entziehen. Bürgermeister Norbert Essich ließ die Schwabbrucker abstimmen. Nur vier Anwesende – darunter Jochen Trumm selbst, seine Ehefrau und Mitstreiter Robert Kagermeier – hoben die Hände. Deutlicher hätte der Vetrauensbeweis für den Rathauschef und den Gemeinderat nicht ausfallen können.

„Na ja, da kannst nichts machen“, kommentierte Trumm, der zuvor immerhin 99 Unterschriften gesammelt hatte, seine herbe Niederlage. Der Bürgermeister freute sich derweil über den großen Rückhalt, den er spürte. „Ich war absolut zufrieden“, bekannte er tags darauf.

Den Initiatoren Jochen Trumm (r.) und Robert Kagermeier ist das Neubaugebiet ein Dorn im Augen.

Wie berichtet, befürchten Trumm und Kagermeier, dessen Mutter in unmittelbarer Nähe des Neubaugebiets wohnt, dass das Gelände an der Burggener Straße bei künftigen Hochwassern überschwemmt wird. Und, dass das Wasser obendrein noch in den Ort schwappt und Keller volllaufen. Die Gemeinde weist das zurück, hat die Behörden auf ihrer Seite und, wie sich jetzt zeigte, auch die Bevölkerung. „Ich weiß, es ist nicht die beste Lösung, aber es ist eine“, erklärte Essich mit Blick auf die jungen Familien, die bezahlbares Bauland suchen und in Schwabbruck nun im Rahmen des Einheimischenmodells zum Zug kommen werden.

Das Neubaugebiet war nicht das einzige heiße Eisen, das der Bürgermeister bei der Versammlung anpackte: Viel Raum nahm die Verzögerung beim Breitbandausbau mit Glasfaser ein, in den Schwabbruck bekanntlich viel Geld investiert und sich mit 300 000 Euro verschuldet.

Wie berichtet, war die Inbetriebnahme für November vergangenen Jahres zugesagt, „jetzt sind wir bei Ende März“, bedauerte Telekom-Mitarbeiter Klaus Strauß, der sich „in die Höhle des Löwen“ wagte, so Bürgermeister Essich. Ob man den neuen Termin schriftlich bekomme, wollte ein Bürger wissen. Ob die Telekom damit März 2018 oder 2019 meine, ein anderer. Telekom-Mann Strauß konnte über den Witz nicht lachen. Man müsse dokumentieren und nacharbeiten, bedauerte er und merkte an, dass Schwabbruck mit 16 Mbit schon jetzt „nicht ganz so schlecht versorgt“ sei. Wenn das Glasfasernetz in Betrieb ist, werden es bekanntlich je nach geschlossenem Vertrag 100 oder 200 Mbit pro Sekunden sein.

Der dritte große Brocken, den sich der Rathauschef vornahm und bei dem die Bürger ganz genau zuhörten, war der vom Gemeinderat beschlossene Anschluss an das Schongauer Klärwerk. Die bestehende Schwabbrucker Teichkläranlage erfüllt laut Bürgermeisters nicht mehr die zukünftigen Anforderungen. Rund 2,9 Millionen Euro wird die Gemeinde der Anschluss an Schongau in den nächsten 60 Jahren kosten; abzüglich eines staatlichen Zuschusses in Höhe von 500 000 Euro. Der Kanal wird entlang der Schönach gebaut. Auf die Schwabbrucker Haushalte kommt eine Einmalzahlung zu: 4,49 Euro je Quadratmeter Geschossfläche sowie 1,10 Euro je Quadratmeter Grundstückfläche. Essich schätzt, dass so im Durchschnitt auf die Haushalte 2000 Euro zukommt. Die Bürger nahmen es grummelnd zur Kenntnis, ein paar äußerten Zweifel. „Es ist kein Zuckerschlecken, aber ich mache das, damit es weitergeht“, warb der Rathauschef um Verständnis.

Der übrige Abend war für ihn angenehm. Unter anderem informierte Essich über notwendige Baumfällarbeiten, neue Lampen und eine Straßensperrung. Und er dankte den vielen Ehrenamtlichen. Am Ende gab es auch für den Rathauschef Applaus.

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