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Das Ehren-Buch für Kriegsteilnehmer aus Schwabsoien.

Ebay-Fundstück

Ehren-Buch hat nur Sammler-Wert

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Altenstadt - Als Schnäppchen wird derzeit im Internet ein Ehren-Buch für Kriegsteilnehmer von Schwabniederhofen aus dem Jahr 1916 angeboten. 20 Prozent Rabatt bietet der Verkäufer – doch auch die 1512 Euro sind für die Gemeinde viel zu viel Geld, zumal das Buch nicht vollständig ist.

Ob Fotos, Ansichtskarten, Bücher oder Uniformen – Sammler zahlen teilweise horrende Preise für militärische Fundstücke aus dem Nachlass. Wer in Kleinanzeigen oder im Internet auf die Suche geht, findet auch immer wieder regionsbezogene Sachen. Erneut zum Angebot steht auch ein Ehrenbuch für die Gemeinde Altenstadt-Schwabniederhofen, wobei der Verkäufer in der Anzeige mit Angaben geizt. Viel mehr als ein „Zustand top. Mit vielen Seiten voller Aufzeichnungen. Top Abbildungen, die super beschrieben sind“ ist nicht zu erfahren.

Mit Informationen bestens versorgt

Für 1512 Euro – statt ehemals 1890 Euro ein Superschnäppchen? Dieser Meinung ist Heinz Dobija vom Altenstadter Archiv ganz und gar nicht. Im Gegenteil: „Das steht immer wieder drin, die gehen immer wieder hausieren damit, dem sollte man keine Bedeutung beimessen“, ärgert er sich. Altenstadt selbst sei mit Informationen über den Ersten wie den Zweiten Weltkrieg bestens versorgt.

Hedwig Göttler, verstorben im Jahr 1959, hat für die Gemeinde ganze Arbeit geleistet und alle Kriegsteilnehmer, Gefallene und Vermisste akribisch aufgelistet. Die ehemalige Lehrerin, aktiv im Dienst zwischen 1920 und 1955, hatte Gespräche mit Angehörigen geführt, Fotos und Erinnerungsstücke gesammelt – lückenlos. Das angebotene Ehrenbuch hingegen sei nicht einmal vollständig und „nicht aus Liebe auf dem Markt“, wird Dobija konkret: „Da will jemand Geld machen. Das möchte man nicht unterstützen, es gibt bestimmt Seriöseres.“

Ähnlich schätzt dies Dieter Marczinek ein, der als Vorstand des Veteranenvereins Schwabniederhofen grundsätzlich durchaus Interesse hätte. „Es ist etwas dubios, denn das Buch war schon einmal bei uns unterwegs, ist dann wieder verschwunden und ist nun plötzlich wieder aufgetaucht“, so der Schwabniederhofener. Auch nach seinen Informationen sei das Jahrbuch „nicht komplett und daher der Preis zu hoch“. Er vermutet, dass es entweder aus einem Nachlass verschenkt oder verkauft wurde oder auch von einem Erben entsorgt worden war.

Ein Ehrenbuch in der Form wie es angeboten wird, gibt es für Schwabniederhofen nicht. „Leider Gottes ist der Nachlass der Veteranenvorstände nach dem Krieg eine sehr magere Ausbeute, deshalb haben wir auch immer wieder versucht, bei den Nachfahren etwas aus den Nachlässen zu bekommen“, so Marczinek. Immerhin existieren jedoch Tafeln der Kriegsteilnehmer aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wie auch aus dem Krieg 1870/71.

„Es ist ein einzigartiges Dokument.“ 

Auf telefonische Nachfrage zeigt sich der Verkäufer des Ehrenbuchs, ein Händler aus Altenstadt, zunächst offen und freundlich, berichtet, wie er an das Ehrenbuch gekommen sei: Er habe es vor fünf oder sechs Jahren am Flohmarkt in Schongau erworben, vermutlich aus dem Nachlass eines ehemaligen Bürgermeisters von Schwabniederhofen. Er habe es damals auch der Gemeinde Altenstadt zum Kauf angeboten, nach seinen Angaben für 2000 Euro, und eine Absage mit Hinweis auf den gemeindlichen Haushalt erhalten. Der Kreis der Liebhaber für solche Stücke sei groß.

Die meisten Anfragen kämen dabei nicht einmal aus Deutschland, sondern aus den USA, Belgien und Frankreich. „Die Nachfrage wäre noch größer, wenn ich es verschenken würde“, so der Händler. Oder das Buch komplett wäre, was es nach einer kurzen Sichtung jedoch nicht zu sein scheint. Eine eingehende Prüfung und weitere Auskünfte lehnt der Händler dann jedoch ab. Wie groß der Wert für einen Sammler ist, wird sich also zeigen.

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