Bürgermeister Guntram Vogelsgesang hebt das Glas Prosecco Rosè zum Wohle der neuen eingemeindeten Hohenfurcher Bürger. Foto: Herold

Schwabniederhofen heimlich nach Hohenfurch "eingemeindet"

Hohenfurch - Ein ausgetauschtes Ortsschild hat in Schwabniederhofen und Hohenfurch für Irritationen gesorgt.

Franziska Lankes konnte die Welt nicht mehr verstehen. Immer wieder versuchte sie, einem Touristen, der den Hohenfurcher Hauptplatz suchte, den richtigen Weg zu erklären. Doch der gute Mann blieb harknäckig, er wollte die Richtungsdeutungen der Schwabniederhoferin nicht akzeptieren. Diese zeigte immer wieder in Richtung Hohenfurch und erklärte dabei, dass der Touri nur noch zirka 500 Meter geradeaus fahren müsse. Dann wäre er beim Hauptplatz.

Der Holländer mit seinem Fahrrad schien es besser zu wissen. Er erklärte mit seinem unverwechselbaren Akzent, dass Hohenfurch in entgegengesetzter Richtung läge und deutete in Richtung Schwabniederhofen. Franziska verneinte wehement, sie fühlte sich schon fast verschaukelt. Doch dann kam ihr die sinnbildliche Erleuchtung, als sie die Ortstafel vor ihrem Anwesen genau betrachtete, auf die der Touri zeigte. Anstatt „Schwabniederhofen“ war mit großen Lettern „Hohenfurch“ zu lesen. Die Ortstafeln der beiden Gemeinden waren vertauscht.

„Vielleicht eine späte Einsicht“, spöttelt Bürgermeister Guntram Vogelsgesang, der zwar täglich an den Ortstafeln vorbeifährt, ihm aber diese „kleine Gebietsreform“ noch nicht aufgefallen ist.

Zur Erinnerung: In Zeiten der Bayerischen Gebietsreform, die 1972 dazu führte, dass aus Teilen der Landkreise Schongau und Weilheim der heutige Landkreis Weilheim-Schongau gebildet wurde, gab es zum Teil hitzige Diskussionen, ob die Gemeinde Schwabniederhofen nach Hohenfurch oder nach Altenstadt eingemeindet werden sollte.

Letztlich entschieden sich die Schwabniederhofer für Altenstadt, denn die Gefahr, dass sie zusammen mit Hohenfurch nach Schongau eingemeindet werden, war ihnen zu groß.

40 Jahre später ist die Zusammenlegung vollbracht, wenigstens bildlich. Die „Kolonie“ Schwabniederhofen ist nun Hohenfurch zugeschlagen, wenn auch nur für kurze Zeit. Sicherlich ein Produkt des „Pfingstlümmelns“, wie es Brauch in Altenstadt und Schwabniederhofen ist und in anderen Orten „Freinacht“ genannt wird. hh

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Max Bertl führt die Verwaltungsgemeinschaft Steingaden
Die Verwaltungsgemeinschaft Steingaden hat in der ersten Sitzung nach der Kommunalwahl eine neue Vorstandschaft gewählt. Auf der Tagesordnung standen zudem der Erlass …
Max Bertl führt die Verwaltungsgemeinschaft Steingaden
Rottenbuch: Der finanzielle Spielraum wird enger
Der Gemeinde Rottenbuch stehen in nächster Zeit große Brocken bevor. Das macht sich im Haushalt bemerkbar. Trotz Corona-Krise rechnet man heuer mit guten …
Rottenbuch: Der finanzielle Spielraum wird enger
Ehrenamtlicher gibt entnervt auf, jetzt übernimmt die Stadt wieder die Regie 
Wenn er offen ist, haben im Schongauer Bike-Park viele ihren Spaß. Bei der Pflege und Instandhaltung hielten sich die Freizeitsportler allerdings zuletzt fein zurück. …
Ehrenamtlicher gibt entnervt auf, jetzt übernimmt die Stadt wieder die Regie 
Kinder stürmen neuen Abenteuerspielplatz in Peiting
Darauf haben die Peitinger Kinder sehnlichst gewartet: Am vergangenen Freitag ist der neue Abenteuerspielplatz neben der Eishalle offiziell eröffnet worden. Rund 80 000 …
Kinder stürmen neuen Abenteuerspielplatz in Peiting

Kommentare