Im frisch bepflanzten Wald stehen (v.l.) Christoph Renböck, Manfred Schmid und Stefan Hazucha.
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Im frisch bepflanzten Wald stehen (v.l.) Christoph Renböck, Manfred Schmid und Stefan Hazucha.

Aufforstung für den Waldumbau

Auf dem Netzenberg in Schwabsoien sprießt es wieder

  • VonTheresa Kuchler
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Es wird wieder grün auf dem Netzenberg: Vor wenigen Tagen haben die Aufforstungsarbeiten auf der einstigen Waldfläche am Schwabsoier Ortsrand begonnen. Kurz zuvor war noch ein weiterer Fichtenbestand gefallen, der bis dato nicht entfernt werden konnte.

Schwabsoien – Ein wenig trist sah es schon aus, das Bild, das sich zuletzt am Netzenberg bei Schwabsoien abzeichnete. Grauer Himmel, Nieselregen und ein Haufen toter Fichten. Die vielen aufeinandergestapelten Bäume zeugten von den Fällarbeiten, die nur wenige Tage zuvor beendet worden waren – kurz bevor sich die Gemeinde an die Wiederaufforstung ihres Hügels am Ortsrand machte.

Die frisch abgeholzte Fläche war im Februar verschont geblieben, als der rigorose Kahlschlag des Netzenbergs allen Fichten den Garaus gemacht hatte. „Diesen Bereich mussten wir damals stehen lassen aus Sturmschutz-Gründen“, erklärte Manfred Schmid, der sich von Revierförster Christoph Renböck ins Bild setzen ließ.

Auch die letzten Fichten mussten weichen

Schützen sollte der nun gefallene Baumbestand den bewaldeten Grund im Westen, den die Gemeinde im vergangenen Jahr zukaufen und heuer bearbeiten konnte. Freilich hatte auch diese Abholzung ihren Grund: „Der gesamte Fichtenbereich ist recht gebeutelt“, erklärte es Renböck. Unter anderem Käferbefall habe den Bäumen zunehmend zu schaffen gemacht und für eine hohe Instabilität im Wald gesorgt. So fielen auch diese Fichten.

Doch nicht alle der emsigen Arbeiter waren zum Fällen da: Fünf Männer der Baumschule Sailer haben sich unter der Leitung von Stefan Hazucha bereits an die Aufforstung des Netzenbergs gemacht. Sie setzten zahlreiche junge Eichen, Winterlinden, Vogelkirschen, Eisbeeren und Hainbuchen in die Erde, die im Laufe der kommenden Jahrzehnte zu einem ökologisch wertvollen Mischwald heranwachsen sollen.

Vor allem Eichen spielen eine wichtige Rolle bei der Aufforstung des Netzenbergs.

6500 neue Bäumchen gepflanzt

„Insgesamt werden gut zwei Hektar wieder aufgeforstet mit rund 6500 Pflanzen“, sagte der Förster. Das Ziel ist ein sogenannter Eichen-Lebensraumtyp. Knapp die Hälfte der neu gepflanzten Bäume sind also Eichen – eine besonders zukunftsweisende Art, die gut mit den Auswirkungen des Klimawandels umgehen kann.

Auch die Bienen sollen von der Waldumgestaltung profitieren: durch die blütentragenden Mischbaumarten und einen Blühstreifen am Waldrand. Auf den Nagelfluhfelsen wird bei der Bepflanzung ebenfalls Rücksicht genommen. „Der wird durch Wildobstbestand eingerahmt, der nicht so hoch wird“, sagte der Experte. So bleibe das Relikt aus der Eiszeit auch dann gut sichtbar, wenn die Bäume schon groß sind.

Das Ziel: Ein ökologisch wertvoller Eichen-Mischwald

Doch die Hanglage, der südexponierte Standort und kiesiger Boden machen es den Jungpflanzen nicht gerade leicht, schnell Wurzeln zu schlagen. „Wir haben deshalb Ballenpflanzen gewählt“, erklärte Renböck. Diese seien mit bis zu einem Euro Aufpreis zwar teurer als die gängige Wurzelware, würden sich aber besser in der neuen Umgebung zurechtfinden.

Die weißen Farbflecken auf den Bäumchen kann der Förster ebenfalls erklären: „Das ist Verbissschutzmittel, wegen der Rehe.“ Schließlich habe man sich bewusst gegen eine Umzäunung entschieden – auch, wenn das gerade bei größeren Flächen ein probates Mittel sei, so der Förster. Am Netzenberg wünsche man sich aber einen angewandten Naturschutz. „Wir hoffen einfach, dass es so funktioniert“, meinte dazu der Bürgermeister. Insgesamt sieht Christoph Renböck eine große Chance in dem Waldumbau auf dem Netzenberg. „Es ist weniger ein Umbau als eine Umwandlung“, sagte er. „Von einem nicht zukunftsträchtigen Fichtenwald zu einem ökologisch wertvollen Eichenbestand.“

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