Eheglück zwischen Himmel und Erde: Dieter als Tandempilot mit seiner Ehefrau Simone bei einem gemeinsamen Sprung. Simone selbst ist ebenfalls erfahrene Freifallspringerin. 
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Eheglück zwischen Himmel und Erde: Dieter als Tandempilot mit seiner Ehefrau Simone bei einem gemeinsamen Sprung. Simone selbst ist ebenfalls erfahrene Freifallspringerin. 

Mit einem Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe hat er diesen Rekord aufgestellt

Dieter Dankesreiter absolviert 20 000. Sprung

Es gibt Rekorde, die sind einfach unvorstellbar, wenn man sich die Zahlen durch den Kopf gehen lässt. So einen Rekord hat vor wenigen Tagen Dieter Dankesreiter (55) hingelegt, der die Schallmauer von 20 000 Fallschirmabsprüngen durchbrochen hat. Mit einem Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe hat er diesen Rekord aufgestellt. Selbstverständlich als Tandempilot.

Schwabsoien – Es ist wirklich kein Schreibfehler oder gar Jägerlatein. Diese Zahl stimmt bis auf die letzte Null. Da heißt es, erst mal richtig durchzuatmen, um sich diese Meldung vorstellen zu können: Ein Fallschirmspringer, der sich mit Haut und Haaren dieser Sportart zwischen Himmel und Erde verschrieben hat, hat vor wenigen Tagen seinen 20 000. Fallschirmsprung absolviert.

Dieter Dankesreiter, der seinen Wohnsitz in Schwabsoien hat, ist dieser „Luftikus“. Er hat mit dieser Sprungzahl einen Rekord hingelegt, den vorher in Deutschland noch keiner geschafft hat. Dass auch er am Anfang ganz kleine Brötchen gebacken hat, ist klar. „Kein Meister fällt vom Himmel“, so das bekannte Sprichwort, das auch für ihn gegolten hat.

Erster Sprung im Jahr 1986

Es war im Januar des Jahres 1986, als er in Nagold zur Bundeswehr eingezogen wurde. Schon zwei Monate später schickte man ihn zum Springerlehrgang nach Altenstadt. Dankesreiter erinnert sich noch genau an seinen ersten automatischen Absprung, den er aus einem Hubschrauber absolvierte, als wäre es gestern gewesen.

Dankesreiter war als zweiter Springer eingeteilt und musste sich im Anflug in 400 Metern Höhe bei offener Türe auf den Boden setzen. Sein Gedanke. „Ach du Sch…“, dann Abschlag auf die Schulter und weg war er. „Die Stille am Schirm war faszinierend, da muss es mich gepackt haben“, schildert er es heute.

Dieter Dankesreiter nach seinem Fallschirmsprung. Auf seinem „Glücksbringer-Shirt“ die Formel für Adrenalin.

In den nächsten drei Monaten klopfte er über 50 Sprünge raus, was für einen jungen Soldaten damals sehr viel war. Dankesreiter aber wollte mehr, er hatte Blut geleckt, wollte Freifallspringer werden.

Sein Ausbilder war damals der Schongauer Hauptmann Hans Hartung. Auch an den ersten Freifallsprung erinnert sich Dankesreiter noch ganz genau, den er aus Wettergründen in Mittenwald absolvierte. „Am Boden zeigte uns Hartung die ,Toni Hof- Hütte’ mit der Bemerkung, dass wir einfach daneben landen sollen“, erinnert sich Dankesreiter. Es ging hoch auf 1000 Meter, nach dem Absprung einige Sekunden freier Fall, dann Öffnung des Schirmes. „Ich hätte mir nie vorstellen können, wie viele ,Toni Hof-Hütten’ von oben zu sehen waren“, so Dankesreiter. Nur, die richtige hat er damals nicht angesteuert.

Fester Platz in der Nationalmannschaft

Ab dem Jahr 1989 wurde Dankesreiter Mitglied der Sportgruppe Heer Fallschirmspringen und ergatterte sich einen festen Platz in der Mannschaft. Ein Freund überredete ihn zwei Jahre später, an einen Kurs für Tandemmaster teilzunehmen.

Beim Prüfungssprung wurde ihm ein junger Mann zugeteilt, der diesen Sprung als Therapie machen sollte. Alles verlief bestens, Dankesreiter hatte seine Passion gefunden. Er wollte in Zukunft Personen dieses Gefühl von Glück im freien Fall möglich machen.

Im Jahr 2018 kommt der große Schlag

Einer seiner Lieblingspassagiere wurde Geni Markert aus Schwabsoien, die sich von Dankesreiter genau 230 Mal vom Himmel auf die Erde transportieren ließ. Und das im Alter von über 80 Jahren.

Der große Schlag dann im Juli 2018 im Garten seiner Mutter: Dankesreiter stand auf einer Leiter neben dem Kirschbaum und pflückte seine geliebten Sauerkirschen. Ein Fehltritt, Absturz und Lähmungserscheinungen in der rechten Hand und im rechten Bein. Sein erster Gedanke galt natürlich seiner Springer-Leidenschaft. 2020 wollte er den 20 000. Sprung absolvieren. Aus der Traum.

Doch Dankesreiter gab nicht auf. Acht Monate Reha mit dem Gedanken, sein Vorhaben doch noch zu verwirklichen. Und er schaffte es, natürlich auch durch große Unterstützung seiner Ehefrau Simone, selbst eine erfahrene Springerin.

400 Absprünge mit Rollstuhlfahrern

Dankesreiter hat jetzt sein Ziel erreicht, die magische Sprungzahl von 20 000 Sprüngen ist geknackt. In den Genuss des Jubiläumssprungs, den er in Leutkirch absolvierte, kam ein junger Leutnant der Bundeswehr. Quasi Nachwuchswerbung für die Fallschirmspringerei.

Übrigens: Dankesreiter hat insgesamt 5600 Tandemsprünge, davon 400 Absprünge mit Rollstuhlfahrern, absolviert. Wie schon gesagt, er wollte den Menschen, die es nicht aus eigener Kraft schaffen, diesen Traum vom Springen ermöglichen.

Hans-Helmut Herold

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