1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schwabsoien

Firma will Schwabsoiener mit Fernwärme versorgen: Bauarbeiten sind gestartet

Erstellt:

Von: Elena Siegl

Kommentare

Die Arbeiten für das neue Fernwärmenetz in Schwabsoien sind gestartet. Daran beteiligt (v.l.): Andreas Scharli (Energiewende Oberland), die Betreiber Herbert Hefele und Markus Eirenschmalz (beide Dorfenergie GmbH), Norbert Schmid (Gemeinderat) sowie Anton Eirenschmalz vom gleichnamigen Unternehmen, das die Wärme liefert.
Die Arbeiten für das neue Fernwärmenetz in Schwabsoien sind gestartet. © Elena Siegl

Spatenstich für ein großes Projekt in Schwabsoien: Dort entsteht ein Fernwärmenetz. Zwar beteiligt sich die Gemeinde nicht wie zunächst geplant am Betrieb, dennoch steht sie hinter dem Projekt.

Schwabsoien – Ein großes Loch klafft in der Blumenstraße in Schwabsoien, der Bagger befördert eine Schaufel Erde nach der anderen heraus. Es sind die ersten Arbeiten für das Fernwärmenetz, das künftig von der Firma Eirenschmalz aus zahlreiche Schwabsoiener Haushalte versorgen soll.

Schon bei den ersten Planungen des Neubaugebietes „Kirschbichel“ war dem Gemeinderat klar, dass man auf regenerative Energien setzen will und eine zentrale Versorgung anstrebt, sagt Norbert Schmid, der beim Spatenstich den beruflich verhinderten Bürgermeister Manfred Schmid vertritt. Herbert Hefele, einst selbst Gemeinderat und Inhaber einer Firma, die sich unter anderem auf Wärmenetze spezialisiert hat, übernahm die ersten Planungen und prüfte, ob Fernwärmeleitungen überhaupt in Betracht kommen würden.

Heizung der Firma Eirenschmalz wird genutzt

Ins Spiel kam dann auch schnell die Firma Eirenschmalz. Denn: Die Heizung des Blechbearbeitung-Betriebs sei recht groß und könne bei erhöhter Nutzung neben dem Unternehmen ein Wärmenetz leicht versorgen, so Markus Eirenschmalz. Zusammen mit Hefele gründete der Junior-Firmenchef die Dorfenergie GmbH. Zunächst wollte sich auch die Gemeinde mit fünf bis zehn Prozent Minderheitsbeteiligung an dem Projekt Fernwärme beteiligen, erklärt Norbert Schmid. Doch die Umsetzung in Bayern sei quasi unmöglich. „Es wäre verwaltungstechnisch ein sehr großer Aufwand, der es für die Betreiber unwirtschaftlich machen würde.“

Das bestätigen auch Hefele und Eirenschmalz. Trotzdem stehe die Gemeinde voll und ganz hinter dem Projekt, betont Schmid. Es sei eine tolle Sache für den ganzen Ort. Kommunale Gebäude, etwa der Kindergarten, sollen an das Netz angeschlossen werden. Für die Schule wird dieser Schritt noch überlegt.

Aktuell wünschen 21 Haushalte in Schwabsoien einen Anschluss ans Fernwärmenetz, sagt Eirenschmalz. Und zu den 24 Grundstücken des Neubaugebiets „Kirschbichel“ werden Leitungen verlegt. Interessierte können sich weiterhin bei der Dorfenergie melden – ein nachträglicher Anschluss ist immer möglich, so Eirenschmalz.

Zunächst werden die Leitungen im Bereich zwischen Schongauer- und Landsberger Straße verlegt. Sollte es auch außerhalb dieses Gebietes eine zunehmende Nachfrage geben, könne das Fernwärmenetz peu à peu auf weitere Ortsteile ausgeweitet werden.

Förderung bei Anschluss möglich

Die politische Lage mit steigenden Gas- und Ölpreisen und einem diskutierten Bezugsstopp aus Russland war bei den ersten Planungen freilich noch nicht abzusehen. „Eine Punktlandung“, umschreibt es deshalb nun Andreas Scharli von der Energiewende Oberland, der bereits früh in die Planungen miteinbezogen wurde. Unter anderem erstellte er Fragebögen, um den Bedarf in Schwabsoien abzuklären, organisierte eine Infoveranstaltung und vermittelt, wenn es um Fördergelder geht. Denn da schaut es im Moment sehr gut aus, sagt Scharli.

So gibt es im Straßenbereich Unterstützung durch die KfW. Und seit zwei Jahren wird auch der Hausanschluss von Fernwärme bezuschusst. Früher gab es das Geld nur für eigene Heizungen, so Scharli. Wer von Gas auf Fernwärme umstellt, könne 35 Prozent Förderung in Anspruch nehmen. Beim Wechsel von Ölheizungen sind es sogar 45 Prozent.

Dass durch den Wunsch, sich unabhängiger von russischem Öl und Gas zu machen, die Fernwärme-Nachfrage in Schwabsoien steigt, können er und die Betreiber sich gut vorstellen.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Schongau-Newsletter.

Regionalität ist Fernwärmenetz-Betreibern wichtig

Regionalität steht für sie an vorderster Stelle: Lokale Unternehmen stemmen den Bau der Leitungen – darunter die Firma Nowotny aus Osterzell und Helmer aus Schwabniederhofen. Auch das Holz soll später aus der Region kommen, betonen Markus und Anton Eirenschmalz – etwa aus dem Gemeindewald.

Zum Ende der Sommerferien hin sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, sagt Markus Eirenschmalz. Einen Großteil des Materials habe man bereits vorrätig, auf andere Bauteile müsse man noch warten. Da es auch in der Baubranche Lieferschwierigkeiten gibt, hofft Eirenschmalz, dass dennoch alles glatt läuft. Die Bauarbeiter habe man bereits im vorherigen Sommer reserviert, damit es nun pünktlich losgehen konnte, erzählt Hefele. Derzeit rechne man mit Baukosten von 800 000 bis 900 000 Euro.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem der Region rund um Schongau finden Sie hier.

Auch interessant

Kommentare