1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schwabsoien

Gemeinde Schwabsoien setzt Punkt hinter Neubaugebiet Kirschbichel

Erstellt:

Von: Jörg von Rohland

Kommentare

Neubaugebiet Kirschbichel in Schwabsoien
Baugrundstücke mit Aussicht: Die Flächen unterhalb der Straße Am Kellerberg sind heiß begehrt. © Jörg von Rohland

Es ist vollbracht: In einem schier endlos langen Verfahren hat die Gemeinde Schwabsoien den Billigungs- und Aufstellungsbeschluss für das Neubaugebiet „Kirschbichel“ gefasst. Allerdings könnte neues Ungemach drohen: in Form einer möglichen Normenkontroll-Klage einer beteiligten Familie.

Schwabsoien – Manfred Schmid hatte sich vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung durchs Archiv im Rathaus gewühlt. Und der Bürgermeister fand heraus, dass man in Schwabsoien schon vor mehr als 50 Jahren mit einem Neubaugebiet am östlichen Ortsrand geliebäugelt hatte. Sogar eine Planung fürs „Kirschbichel“ war in den Jahrzehnten darauf bereits ausgearbeitet worden. Jetzt soll sie endlich umgesetzt werden.

In der jüngsten Sitzung galt es, die finalen Beschlüsse zu fassen. Die Träger öffentlicher Belange hatten im Großen und Ganzen kaum etwas gegen den Bebauungsplan einzuwenden. Er wird auf 24 Grundstücken Baurecht schaffen. Die Gemeinde vergibt davon 14 nach den Richtlinien ihres EU-konformen Einheimischenmodells, zehn Parzellen bleiben in privater Hand.

Neubaugebiet Kirschbichel in Schwabsoien
Streit ums Filetgrundstück: Die schraffierte Fläche sorgte für viel Ärger im Bauleitverfahren. © Bayernatlas/jvr

Dagegen hatten auch nahezu alle Nachbarn und Grundstücksbesitzer nichts einzuwenden. Nach Angaben der Verwaltungsgemeinschaft (VG) in Altenstadt ist das auch einer „sehr transparenten Öffentlichkeitsbeteiligung“ zu verdanken. Die Pläne lagen demnach nicht nur zur Einsicht im Rathaus aus. Alle Grundstückseigentümer seien zudem persönlich angeschrieben worden, betont VG-Bauamtschef Rainer Seidl auf Anfrage.

Nur ein Grundstückseigentümer wollte partout nicht mitspielen. Er wohnte an der Grenze zum Neubaugebiet, in dem auch er Grund besaß. Und Seidl zufolge verlangte der Hausbesitzer im „Kirschbichel“ dasselbe Baurecht wie auf seinem Anwesen daneben. Das war dem VG-Bauamtsleiter zufolge aber nicht möglich. Den gegenüber liegenden Nachbarn am Kellerberg wäre die Aussicht verbaut worden.

Dem Vernehmen nach ist der Grundstückseigentümer im vergangenen Jahr gestorben. Die Familie macht aber offensichtlich ganz in seinem Sinne weiter und überzog das Bebauungsplanverfahren mit etlichen Einwänden. 15 Seiten galt es, in der Gemeinderatssitzung abzuwägen. Von „Ungleichbehandlung“ und „Eingriff ins Eigentum“ war darin unter anderem die Rede.

Der Protest blieb ohne Folgen: Planer Martin Eberle wog die Einwände der Familie allesamt ab, der Gemeinderat beschloss, den Bebauungsplan so zu belassen, wie er ist.

Gemeinderat in Schwabsoien tagt zu Neubaugebiet Kirschbichel
Finale Sitzung: Der Gemeinderat hat nach mehr als 50 Jahren den Billigungs- und Satzungsbeschluss gefasst. © Jörg von Rohland

Es folgte eine unschöne Szene in der Gemeindehalle. Bürgermeister Manfred Schmid verkündete erfreut, dass nach 51 Jahren nun endlich ein Punkt hinter dem Bebauungsplanverfahren sei. „Das ist noch nicht sicher“, bekam er von den Zuschauerplätzen zu hören. Die Angehörigen des Verstorbenen standen auf und verließen demonstrativ die Sitzung. Schmid erklärte ihnen dabei merklich angefressen, dass sie in der Sitzung kein Rederecht haben.

Als das Duo die Halle verlassen hatte, sagte der Bürgermeister mit Blick auf den einstimmig gefallenen Billigungs- und Satzungsbeschluss fürs „Kirschbichel“: „Mir fällt gerade ein Stein vom Herzen.“

Ob und wie die Familie nun gegen die Beschlüsse vorgehen wird, wird sich jetzt noch zeigen. „Es könnte sein, dass sie es beabsichtigt“, sagt VG-Bauamtschef Seidl mit Blick auf eine mögliche Normenkontrollklage der Erben. Seidl hat so eine Klage noch nicht erlebt. Und er sei jetzt schon seit 2011 Baumtsleiter der VG, sagt er. Er lässt aber durchblicken, dass Gemeinde und VG gewappnet sind. Wenn notwendig, werde man sich auch eine juristische Begleitung holen, „damit keine Formfehler passieren“. Klar ist indes, dass bei einer Anfechtung des Bebauungsplans die Bauwerber noch länger warten müssen. Wie berichtet, war man ursprünglich davon ausgegangen, dass schon im Sommer diesen Jahres die ersten Eigenheime entstehen könnten. Das wird nun mindestens ein Jahr länger dauern.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Schongau finden Sie auf Merkur.de/Schongau.

Auch interessant

Kommentare