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Eine Klasse mit Lehrer Karl Metzger um das Jahr 1910.

Historischer Kreis Schwabsoien

480 Jahre Dorfschul-Geschichte

„Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss“, heißt es schon bei Wilhelm Busch. Und: „Dass dies mit Verstand geschah, war der Lehrer Lämpel da“. Der Geschichte der Dorfschule Schwabsoien in den Jahren von 1520 bis 2000 hat sich der Historische Arbeitskreis der Gemeinde gewidmet.

Schwabsoien – Das Ergebnis der jüngsten intensiven Arbeiten des historischen Kreises in Schwabsoien ist ein 129 Seiten umfassendes Werk, geschrieben von Juditha Wolf, das ein weiteres Schmuckstück im geschichtlichen Schätzkästchen der Gemeinde Platz findet. Zugrunde liegen dem Werk verschiedene Aufzeichnungen, Urkunden und Fotografien aus dem Archiv, die zusammen ein aufschlussreiches wie mitunter amüsantes Heft ergeben.

Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1520, worin ein gestiftetes Mesnerhaus erwähnt wird. Denn das Schulwesen wurde seinerzeit von der kirchlichen Obrigkeit angeordnet, Schreiben und Lesen lernte man beim Pfarrer. Ob das erwähnte Mesnerhaus das spätere alte Schulhaus ist, konnte nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden, sei aber anzunehmen, so Wolf. Erst gut 100 Jahre später findet sich eine Aufzeichnung über einen Lehrer im Dorf, in der „mir ainem armen Schulmeister gegeben 4 kr.“

Beim großen Dorfbrand in Schwabsoien ist auch das Haus des Lehrers und somit die Schulstube den Flammen zum Opfer gefallen. Bis zum Aufbau eines neuen Gebäudes fand der Unterricht im Saal der örtlichen Wirtschaft statt. Um 1850 heißt es in einem Protokoll, das Schulhaus sei neugebaut, die Lehrerwohnung sei aber noch ungenügend.

Nicht nur die Schüler, sondern auch die Leistung des Lehrers wurde streng unter die Lupe genommen: Dies zeigt der Bericht einer Pfarrvisitation von 1860. Darin heißt es: „Das religiös-sittliche Verhalten des Lehrers ist vorzüglich lobenswert. Dasselbe Lob verdient er auch in Unterricht und Erziehung.“

Im Jahr 1880 beschließt die Gemeinde den Bau eines neuen Schulhauses, da „das hiesige Schulhaus seit sieben Jahren schon zu klein und auch in sonstiger Weise den Anforderungen“ nicht entspricht. Doch sollte es noch viele Jahre dauern, bis dort die ersten Kinder die Schulbank drücken konnten: Das abschließende Gutachten der Regierung stammt aus dem Jahr 1907.

Das alte Schulgebäude in Schwabsoien.

Die Wirren des Ersten Weltkrieges machen auch vor Schwabsoien nicht halt: 1915 wird der Lehrer Karl Metzger als Stabsschreiber einberufen, die Kinder erhalten bis zu seiner Rückkehr sogenannten Abteilungsunterricht. Ein dramatischer Zwischenfall, an dem während des Unterrichts bei der Lehrerin Anna Engelhart „fast eine ganze Klasse zugrunde gegangen wäre“, ereignete sich 1920. Ein Schulofen war schadhaft, Kinder und Lehrerin waren durch das ausströmende Kohlengas bereits am Einschlafen. Die „lautlose Stille“ bemerkte Lehrer Metzger, und alle konnten rechtzeitig gerettet werden.

Hauptlehrer Metzger, der sich „die Liebe und das Vertrauen der Gemeinde“ erworben hatte, starb 1929 nach 20 Jahren Tätigkeit. Das hinderte die Gemeinde aber nicht, am selben Tag, an dem Metzger im Lehrerhaus aufgebahrt lag, im benachbarten Gasthaus eine Tanzmusik abzuhalten.

Sein Nachfolger wurde Eduard Wille. Er organisierte auch Schulausflüge zur im Bau befindlichen Echelsbacher Brücke oder „über Lechbruck nach Füssen, Besuch der Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau, Lechfall, Grenzübertritt nach Weißhaus und Schluxen, Rückkehr über Roßhaupten“ und notierte dazu: „Glänzend verlaufener Tag!“.

Während des Zweiten Weltkrieges werden die Schüler aus den Orten Schwabsoien, Schwabbruck und Sachsenried zusammengefasst unterrichtet. Wille schreibt: „..ein besonderes Vergnügen ist das hier gerade nicht, wenn die drei Ortschaften zusammen nur 5 Schüler und 8 Schülerinnen stellen“. Luftalarme und durch Arbeitsmangel bedingte Beurlaubungen machten die Schularbeit schwer.

Gedanken machte sich der Lehrer im Jahr 1947 um die Abschaffung des körperlichen Züchtigungsrechts, „ob bei der derzeitigen Verwahrlosung der Jugend“ der richtige Zeitpunkt dafür wäre. Wille starb 1957, ein Jahr nach seiner Pensionierung.

Das letzte Kapitel schreibt die Dorfschule Schwabsoien im Jahr 1964, als sie in der neugegründeten Verbandsschule Schwabbruck-Schwabsoien aufgeht und 1967 beschlossen wird, auf dem „Brucker Berg“ ein neues Schulhaus zu errichten.

Doch nach der Schulreform, die forderte, Bernbeuren solle seine Oberklassen ebenfalls dorthin schicken, rumorte es in den Gemeinden im Altlandkreis Schongau: Denn für die Kinder fallen dadurch mitunter bis zu 22 Kilometer Schulweg an. Das zeigten auch entsprechende Leserbriefe in den „Schongauer Nachrichten“.

Auch der Schulhausbrand im Jahr 1985 geht in die bewegte Geschichte der Schule ein, ein Brandstifter war am Werk gewesen. 1990 wird die Schule mit einem Anbau und einer Turnhalle erweitert. Und im Jahr 2000 wird schließlich das neue Grundschulgebäude im Dorf eingeweiht.

In seinem Schlusswort des jetzt erschienenen Heftes schreibt Schwabsoiens zweiter Bürgermeister Manfred Schmid: „Schule ist mehr als ein Gebäude. Schule ist Erleben und Fundament des Lebens“.


Das jüngste Heft des Historischen Kreises Schwabsoien zur Schulgeschichte ist bei der Gemeinde gegen eine kleine Gebühr erhältlich.

Myrjam C. Trunk

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