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Kahlschlag auf dem Netzenberg: Der Waldumbau in Schwabsoien hat begonnen

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Von: Jörg von Rohland

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Der Holzvollernter macht Tabula rasa: Die Fichten auf dem Netzenberg werden abgeschnitten. Die Wurzeln bleiben im Boden, sie geben dem Untergrund Halt.
Der Holzvollernter macht Tabula rasa: Die Fichten auf dem Netzenberg werden abgeschnitten. Die Wurzeln bleiben im Boden, sie geben dem Untergrund Halt. © Hans-Helmut Herold

Tabula rasa machen in dieser Woche Waldarbeiter auf dem Netzenberg. Die Schwabsoier müssen sich von ihrem Fichten- und Eschenwald verabschieden, dem es auf einer Fläche von 2,3 Hektar an den Kragen geht.

Schwabsoien - Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich anstelle des Fichten- und Eschen- ein neuer Eichenmischwald mit Hainbuche, Winterlinde und Vogelkirsche etabliert hat. Dennoch gilt der Eingriff auf dem Netzenberg als ökologisch sinn- und wertvoll. Die Gemeinde Schwabsoien bekommt für den Waldumbau reichlich Ökopunkte.

Ärger der Bürger ist verflogen

Was hatte sich Ex-Rathauschef Siegfried Neumann vor zwei Jahren von seinen Bürgern nicht alles anhören müssen, als die Pläne der Gemeinde bekannt gemacht wurden, die jetzt mit reichlich Verspätung umgesetzt werden. „Dass eine Gemeindewaldbewirtschaftung diese Wellen schlägt, damit habe ich nicht gerechnet“, gab Neumann am Ende einer denkwürdigen Infoveranstaltung zu. In der hatte man die Schwabsoier so wütend wie selten zuvor erlebt. „Diese scheiß drecks Ökopunkte interessieren mich gar nicht“, polterte eine Dame, die fürchtete, dass ihr eines Tages ein ganzer Hang des Netzenberges entgegenkommen könnte. Auch andere Schwabsoier rebellierten und waren schon drauf und dran ein Bürgerbegehren zu initiieren, bis letztlich der Dienhausener Revierförster Bernhard Schäfer der Gemeinde zur Seite sprang. Er stellte sich bei der Versammlung im Rathaus als „Neubürger“ Schwabsoiens vor und brachte Sachlichkeit in die Diskussion.

Mächtig Ärger mit den Bürgern bekam Ex-Rathauschef Siegfried Neumann vor zwei Jahren wegen des geplanten Waldumbaus. Die Gemüter haben sich beruhigt.
Mächtig Ärger mit den Bürgern bekam Ex-Rathauschef Siegfried Neumann vor zwei Jahren wegen des geplanten Waldumbaus. Die Gemüter haben sich beruhigt. © Jörg von Rohland

Zwei Jahre später hat sich die Empörung längst gelegt. Sie war auch nicht der Grund dafür, warum es so lange dauerte, bis jetzt die Motorsägen heulen. Wegen der ungünstigen Witterung mussten die Arbeiten ein ums andere mal verschoben werden. So waren etwa 2020 der Winter zu mild und der Herbst zu nass. Die Maschinen hätten zu große Flurschäden angerichtet.

Die Kreisstraße nach Dienhausen bleibt voraussichtlich die gesamte Arbeitswoche tagsüber für den Verkehr gesperrt.
Die Kreisstraße nach Dienhausen bleibt voraussichtlich die gesamte Arbeitswoche tagsüber für den Verkehr gesperrt. © Hans-Helmut Herold

Jetzt schien endlich die erhoffte Kälteperiode gekommen. Die verantwortliche Forstoberinspektorin Silvia Thien blickte am Montag allerdings mit Sorge auf die schon wieder steigenden Temperaturen. Als man sich entschlossen hatte, mit den Arbeiten zu beginnen, habe man mit länger andauernder Kälte gerechnet, berichtete Thien. „Das ist ein bisschen schade, aber ich hoffe, dass es trotzdem klappt“, sagte die Fachfrau mit Blick auf eine mögliche Unterbrechung.

Straße nach Dienhausen die ganze Woche tagsüber gesperrt

Am Samstag ging es jedenfalls wie geplant los. Ein Holzvollernter begann auf dem Berg damit, die Fichten und Eschen abzuschneiden, die Arbeiter werden sich in dieser Woche mit ihren Motorsägen bis zur Kreisstraße herunterarbeiten. Die Verbindung von Schwabsoien nach Dienhausen wird täglich zwischen 6.30 und 18 Uhr gesperrt, der Verkehr über die B17 umgeleitet.

Nicht alle Bäume auf dem Netzenberg fallen

Silvia Thien betont indes einmal mehr, dass nicht alle Bäume auf dem Netzenberg fallen. Auf einer Teilfläche Richtung Süden bleibe der Kiefernwald stehen. In ihm werden in Zukunft Schafe grasen. Auch das sei Teil des Ökokontos, erläutert Thien. Auf dem Konto wird die Gemeinde Schwabsoien in Zukunft sogenannte Ökopunkte sammeln, mit denen sie wiederum ihre Baulandausweisungen ohne Ausgleichsflächen kompensieren kann.

Werden zu viele der neu gepflanzten Bäumchen angefressen, muss der Jäger handeln

Auch auf den übrigen Flächen des Netzenberges bleiben laut Thien vereinzelt vorhandene Kiefern und Laubbäume stehen. Zu ihnen gesellen sich dann im April rund 6800 kleine Bäumchen, die gepflanzt werden. Damit diese von den Rehen nicht gleich wieder aufgefressen werden, erhalten sie einen Anstrich mit Verbissschutzmitteln. Eine Umzäunung des Geländes ist laut Thien nicht vorgesehen. Die Forstoberinspektorin nimmt vielmehr die Jäger in die Pflicht, die bei zu viel Verbiss mehr Wild schießen müssen. „Man setzt ja auch nicht ein Kaninchen in seinen Gemüsegarten“, macht sie klar.

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