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Die drei Brunnen sind von vier Schutzgebietszonen umgeben, in denen jeweils mehr oder weniger verboten ist. Unterteilt sind sie in die Schutzzonen I, IIA, IIB und III. In der Zone I ist so ziemlich alles verboten. Sie darf laut Martin Mühlegger, zuständig für den Bereich Wasserrecht im Landratsamt in Schongau, nicht mal betreten werden. In der Schutzzone IIA, die hinter dem Zaun der Zone I beginnt, dürfen Gülle und Jauche weder ausgebracht noch gelagert werden. Ab IIB ist das Ausbringen gemäß der geltenden Düngeverordnung erlaubt. Auch die Tierhaltung ist in den Schutzzone I und IIA tabu. Ab Zone IIB ist sie ebenfalls verboten, „sofern nicht die Ernährung der Tiere im westlichen aus den genutzten Weideflächen erfolgt“, heißt es in der Verordnung des Landratsamtes über das Wasserschutzgebiet in der Gemeinde Schwabsoien für die öffentliche Wasserversorgung der Stadt Schongau, der Gemeinden Altenstadt, Schwabsoien und Schwabbruck.

Brunnen in Schwabsoien 

Kompromiss beim Wasserschutz

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An drei Brunnen nordwestlich von Schwabsoien hängt die Wasserversorgung der Gemeinden Schwabsoien, Schwabbruck, Altenstadt und der Stadt Schongau. Das Schutzgebiet ist zum Jahresbeginn ein Stück größer worden, eine neue Verordnung ist in Kraft. Das Landratsamt ist bei der Erweiterung behutsam vorgegangen, auch der Bauernverband spricht von einem guten Ergebnis. Kreisobmann Wolfgang Scholz übt dennoch Kritik.

Schwabsoien/Schongau Als die Mitarbeiter des Schongauer Wasserwerks im Frühjahr 2017 zu Wartungsarbeiten am Hochbehälter bei Schwabsoien unterwegs waren, standen ihnen beim Blick auf eine Wiese die Haare zu Berge. Bis zum Zaun des Schwabsoier Brunnens I hatte ein Traktor in der zweithöchsten Schutzzone (IIA) seine Gülle ausgebracht. Wie sich herausstellte, war der „ortsunkundige Subunternehmer“ eines Landwirts dafür verantwortlich. Der Brunnen wurde sofort vom Netz genommen, zwei Monate lang bezogen die Schwabsoier ihr Wasser aus den benachbarten Brunnen II und III der Stadtwerke Schongau. Die verbotene Gülleausbringung blieb glücklicherweise ohne Folgen fürs Wasser.

Die Schutzzone IIA, in der einige Landwirte gerne ganz legal ihre Gülle ausbringen würden, ist Martin Mühlegger hoch und heilig. Sie sei das „hygienische Herz“, sagt der im Landratsamt für den Bereich Wasserrecht zuständige Mitarbeiter und weist darauf hin, dass es 50 Tage dauert, bis die Bakterien in der Gülle abgebaut sind. In der Zeit könnten sie also leicht bis ins Grundwasser sickern und das Trinkwasser verunreinigen. Mühlegger und seine Kollegen haben sich bei der Überarbeitung der Schutzgebietszonen nach eigenen Angaben viel Mühe gegeben, den Landwirten möglichst weit entgegen zu kommen. So bleibt es aufgrund der günstigen Bodenverhältnisse zum Beispiel erlaubt, in der Schutzone IIB Gülle auszubringen.

Alle hätten an einem Strang gezogen, freut sich der Landratsamtsmitarbeiter auch mit Blick auf einen Erörterungstermin im vergangenen Oktober, bei dem auch die betroffenen Landwirte ihre Einwände vorbringen konnten. Das kann Bauernobmann Wolfgang Scholz so bestätigen. „Im Detail sind wir zu einem guten Ergebnis gekommen“, es gebe wenige neue Bewirtschaftungseinschränkungen, sagt der Sachsenrieder Landwirt, der selbst betroffen ist. In seine Flächen ragt nun die erweiterte Schutzzone III, die in alle Himmelsrichtungen gewachsen ist. In ihr dürfen zum Beispiel nur unter strengen Auflagen bestimmte Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Und auch Gülle: Bei ihr hat der Bauernverband nach Angaben des Kreisobmanns einen Kompromiss erzielt. Das Landratsamt wollte demnach die Gülleausbringung ab dem 1. November eines Jahres bis ins Frühjahr generell untersagen. Nach dem Einspruch der Landwirte bleibt es dabei, dass eine Verlängerung beantragt werden kann.

Dennoch hält sich die Begeisterung der Landwirte insgesamt in Grenzen. Bauernobmann Scholz betont sein „grundsätzliches Unverständnis“ gegenüber der Ausweitung. Die Wasserwerte seien gut, „warum muss ich erweitern?“, fragt er. Die Antwort: Die alte Verordnung – sie stammt aus dem Sommer 1997 – entsprach „nicht mehr den aktuellen Regeln der Technik“, erklärt Landratsamtsmitarbeiter Mühlegger. Für die Bauern dürfte das ein schwacher Trost sein. Bauernobmann Scholz spricht von Entschädigungsleistungen, die er über den Bauernverband einfordern will.

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