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Der zukünftige Verlauf der Stromleitung zwischen Schwabsoien (oben) und Schwabbruck (unten) steht fest. Die bestehende Trasse (grün) wird abgebaut und der zweite Planungsentwurf (rot) verwirklicht. Die erste Planung (blau) hatte der Gemeinderat abgelehnt. 

Kompromiss gefunden

Schwabsoien segnet Strom-Trasse ab

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Die Lechwerke (LEW) haben von der Gemeinde Schwabsoien grünes Licht für die Erneuerung der Stromtrasse nach Schongau: Der Gemeinderat hat am Montag der überarbeiteten Planung zugestimmt. Bis gebaut wird, dauert es aber noch eine Weile.

Schwabsoien – Wie mehrfach berichtet, hatte die Stromtrasse das gute nachbarschaftliche Verhältnis zwischen den Gemeinden Schwabbruck und Schwabsoien auf eine harte Probe gestellt. Pläne für einen Neubau südlich der beiden Gemeinden waren an dem Veto von Schwabbruck gescheitert, das um seinen makellosen Blick in die Berge bangte. Und weil beide Gemeinden auch nicht genügend Geld für eine teure Erdverkabelung im Süden zur Verfügung stellen wollten, blieb der LEW Verteilnetz GmbH (LVN) letztlich nur die Erneuerung der bestehenden Trasse, die zwischen Schwabsoien und Schwabbruck verläuft.

Ein erster Entwurf der LVN war im Juni im Schwabsoier Gemeinderat glatt durchgefallen, weil mit ihm die Trasse gar noch ein Stück näher an den Ort herangerückt wäre. Und das mit weitaus höheren Masten als zuvor.„Die Trassenführung kommt nicht in Frage“, sagte damals allen voran Bürgermeister Siegfried Neumann.

Streit um Trassenführung: Gemüter haben sich beruhigt

Mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt, weil die LVN eine neue Planung vorgelegt hat. Ein Feuchtgebiet, das ursprünglich umgangen werden sollte, wird jetzt überspannt. So ist es möglich, dass die Strommasten weiter nach Süden von Schwabsoien abrücken. Die Masten sind zwar nach wie vor deutlich größer, ragen aber dank der niedrigeren Geländehöhe in fast allen Bereichen nicht höher aus dem Boden heraus als die alten. Zum überwiegenden Teil sind sie letztlich sogar niedriger oder gleichhoch, erläuterten die LVN-Experten dem Gemeinderat.

Große Mehrheit im Gemeinderat für die neue Planung

Damit kann das Dorf jetzt leben. Mit der Leitung südlich von Schwabbruck habe man sich leider nicht durchsetzen können, blickte Gemeinderat Wolfgang Scholz zurück. „Aber für diese Trasse halte ich die Planung jetzt für gelungen, ich bin zufrieden“, sagte er. Auch Bürgermeisterkandidat Manfred Schmid, der sich bekanntlich als einziger für den Chefsessel im Schwabsoier Rathaus bewirbt, freundete sich mit der Planung an, „wobei es sicher besserer Kompromisse gegeben hätte“, schränkte der amtierende Vizebürgermeister auf Anfrage ein. Er stimmte zusammen mit der großen Mehrheit im Gemeinderat den überarbeiteten Plänen zu.

Baubeginn frühestens im September 2021

Wann die optimierte Trasse gebaut wird, hängt nach Angaben von Ingo Butters vom Verlauf des Genehmigungsverfahrens ab. Als frühest möglichen Termin für Vorarbeiten nennt der LEW-Sprecher September 2021. Ein Wort mitzureden hat freilich auch noch die Gemeinde Altenstadt. Wie berichtet, wird sie rund eine halbe Millionen Euro beisteuern, damit die Stromkabel südwestlich des Orts im Boden verschwinden und so der Ortsentwicklung nicht im Weg sind.

Ausgeführt werden müssen die Arbeiten nach Angaben des LEW-Sprechers in den Wintermonaten. Denn nur in diesen können ihm zu Folge die Leitungen Bidingen und Schongau vom Netz genommen werden (siehe Kasten). Im Sommer kann aufgrund der hohen Last der Fotovoltaikanlagen nicht auf die Trasse verzichtet werden.

An anderer Stelle wird bereits gebaut

Zwischen Bidingen und Schwabbruck hat der Betreiber des regionalen Stromnetzes, die LEW Verteilnetz GmbH (LVN), mit der Erneuerung der 110-kV-Hochspannungsleitung bereits begonnen. Die Stromleitung wurde 1956 errichtet und ist am Ende ihrer technischen Lebensdauer angekommen. „Aufgrund der wachsenden Einspeisung von erneuerbaren Energien wird LVN zudem die Übertragungskapazität der Leitung erhöhen“, teilt der Netzbetreiber mit. So könne auch in Zukunft eine sichere Stromversorgung in der Region gewährleistet werden. 

Wegen hoher Stromlast ruhen die Arbeiten im Sommer

Die Bauarbeiten nehmen laut LVN voraussichtlich insgesamt ein Dreivierteljahr in Anspruch. Da zwischen April und Oktober besonders viel Strom aus Wasserkraft und Photovoltaik eingespeist wird, werden die Bauarbeiten in diesem Zeitraum unterbrochen. „Die Leitung muss dann mit maximaler Kapazität zur Verfügung stehen, um den erzeugten Strom abzutransportieren“, erläutern die Experten. Ab November 2020 wird LVN die Arbeiten fortsetzen und plant, sie im Frühjahr 2021 abzuschließen. 

Ersatzneubau für bestehende Trasse

Die Erneuerung der rund fünf Kilometer langen Leitung erfolgt als Ersatzneubau in bestehender Trasse. Im Rahmen der Planungen hat LVN die Standorte einzelner Masten in Abstimmung mit den Grundstückseigentümern optimiert. Die vorhandenen 19 Strommasten werden nacheinander durch neue ersetzt. Dabei baut LVN zunächst neben den bestehenden Maststandorten neue Fundamente. Anschließend werden die neuen Stahlvollwandmasten mit Hilfe eines Autokrans errichtet und die alten Masten abgebaut. Zum Schluss werden die neuen Leiterseile gezogen. 

Bei Projekt handelt es sich um eine Premiere

Bei dem Projekt handele es sich für LVN „um eine Premiere“, heißt es. Der Abschnitt Bidingen-Schwabbruck sei der erste im Netzgebiet, der vollständig mit Stahlvollwandmasten realisiert werde. Dies geschehe auf Wunsch der Gemeinde Ingenried. Stahlvollwandmasten haben nach Angaben des Netzbetreibers einen vergleichsweise geringen Bodenaustritt und wirken insgesamt kompakter. LVN nutze dieses Pilotprojekt auch, um Erfahrungen in Aufbau, Montage und Betrieb des Masttyps zu sammeln. 

Netzkunden merken von den Arbeiten nichts

„Die Netzkunden in der Region merken von den Arbeiten nichts“, versichert LVN. Der zu erneuernde Leitungsabschnitt bleibe während der Bauphasen mit einem System am Netz.LVN investiert in die Erneuerung rund vier Millionen Euro. „Die Leitung Bidingen-Schwabbruck ist Teil der wichtigen Ost-West-Verbindung zwischen den Umspannwerken Bidingen und Schongau und von zentraler Bedeutung für die Stromversorgung in der Region“, betonen die Verantwortlichen. Die gesamte Leitung werde abschnittsweise erneuert.

Erster Bauabschnitt ist bereits realisiert

Bereits realisiert ist der erste Abschnitt zwischen den Umspannwerken Bidingen 1 und Bidingen 2. Für den Ersatzneubau des dritten und letzten Leitungsabschnitts zwischen Schwabbruck und Schongau laufen die Vorbereitungen für die Genehmigungsplanung.

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